Was macht eigentlich ... Ernst Dieter Berninghaus?

In Deutschland wurde der ehemalige Rewe-Chef Ernst Dieter Berninghaus wegen Untreue verurteilt. Die Schweiz, wo der alleinerziehende Vater nun in einer "Männer-WG" wohnt, gewährte ihm ökonomisches Asyl.

Kann ein Topmanager alleinerziehender Vater sein? Er kann. Ernst Dieter Berninghaus beweist es. Er lebt mit seinen beiden - fünf und sieben Jahre alten - Söhnen in einer "Männer-WG", wie er ironisch sagt.

Vor ein paar Jahren hatte ihn seine Lebensgefährtin verlassen, und kurz danach ist er als Rewe-Chef wegen einer Bestechungsaffäre zurückgetreten. Seit ein paar Monaten unternimmt der wegen Untreue verurteilte Berninghaus nun einen Neustart in der Schweiz.

Er ist Mitglied der Konzernleitung der Gemischtwaren-Genossenschaft Migros, zuständig für den milliardenschweren Handelsbereich, zu dem die Marken Globus und Denner gehören.

Die Schweiz gewährte dem gebürtigen Rheinländer sozusagen ökonomisches Asyl und damit eine neue Karriere im Handel.

Seine zweite Chance verdankt Berninghaus einer "wahnsinnig glücklichen Fügung", nämlich der Bekanntschaft mit Philippe Gaydoul (36), Chef und Erbe der Denner-Gruppe. Den Handelsmanager kannte Berninghaus aus seiner Rewe-Zeit.

Gaydoul war es, der Berninghaus Anfang 2007 in den Denner-Verwaltungsrat holte und ihn damit öffentlich rehabilitierte. Mit Berninghaus als Berater zog Gaydoul im vergangenen Jahr den Verkauf von Denner an die Migros durch.

In diesen monatelangen Übernahmegesprächen lernten die Migros-Macher Berninghaus kennen und schätzen, ehe sie ihn einstimmig in die Konzernleitung hievten, auch wenn es einige wenige kritische Stimmen gab. Durch seine Arbeit bei der Migros will er nun allen, die ihn abgeschrieben hatten, beweisen, dass er ein fähiger Handelsmanager ist. "Schließlich habe ich noch 20 Jahre Berufsleben vor mir."

Doch ehe er nicht erste Erfolge bei der Migros vorweisen kann, hält er sich sehr zurück. Keine Vorträge, fast keine Interviews. Er geht auch nicht auf Partys oder sonstige gesellschaftliche Events. Er sagt, dass ihn die vergangenen Jahre verändert hätten: "Ich bin ernsthafter und zurückhaltender geworden."

"Die Kinder und der Job - das ist derzeit mein Leben"

Er habe ein paar Schweizer Freunde, und auch mit den alten Handelskämpen Erwin Conradi und Klaus Wiegandt sei er noch "gut befreundet".

Ansonsten hat er seine beiden Söhne. "Die Kinder und der Job - das ist derzeit mein Leben", sagt er. Seine Jungs beanspruchen ihn. "Das ist für mich täglich physisch wie organisatorisch eine Herausforderung", seufzt er ein bisschen. Tagsüber ist eine Kinderfrau da, aber am Abend und am Wochenende fordern die Kinder den ganzen Mann.

Das Trio geht dann zusammen Fußball spielen, zelten, oder sie tollen im Garten seines Hauses herum. Es ist keine Villa am Zürichsee. "Unsere Villa Kunterbunt ist ein altes Häuschen aus den 50er Jahren", sagt der Mann, der noch mal von vorn anfängt.


Ernst Dieter Berninghaus (43) war der Shootingstar in der deutschen Handelsszene. Der promovierte Betriebswirt begann 1992 in der Metro Holding als Zuarbeiter von Erwin Conradi. 1999 wechselte er zur Rewe-Zentrale nach Köln. Dort wurde er zwei Jahre später Vorstand und im Mai 2004 sogar Chef.

Kurze Zeit später kam heraus, dass Berninghaus beim Verkauf der Internetfirma Nexus an die Rewe im Jahr 2000 eine Provision bekommen hatte. Im Oktober 2004 trat er deshalb zurück. Die Rewe forderte und bekam von ihm Schadensersatz. Das Kölner Landgericht verurteilte ihn im März 2006 wegen schwerer Untreue zu zwei Jahren Haft auf Bewährung.

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