Bücher Wunder der Wirtschaft

Die Wunder der Magier

Wie es innovativen Unternehmern und Politikern gelingt, die Grenzen der Schaffenskraft immer wieder zu überwinden.

Können Sie das Schlagwort Innovation auch nicht mehr hören? Dann geht es Ihnen wie Malte Wilkes, dem Autor dieses kleinen und konzisen Büchleins über "New Game Leadership". Was das schon wieder ist? Mit dem Begriff "Wirtschaftswunder" übersetzt Wilkes die neue innovationsorientierte Wirtschafts- und Unternehmensführung in den Vereinigten Staaten.

Ein Wirtschaftswunder wird durch die beherzten Erfindungen innovativer Menschen geschaffen. Diese "Magier" verändern die politischen, sozialen und unternehmerischen Strukturen mit einem Schlag, oder sie verschieben deutlich deren Grenzen.

Auch das deutsche Nachkriegswirtschaftswunder wurde von innovativen Männern und Frauen gemacht, und zu denen zählt der Autor neben den Unternehmern die mutigen alliierten und deutschen Politiker. Sie versetzten Westdeutschland in knapp zehn Jahren in die industrielle Moderne.

Allerdings sind auch Wunder zeitlich begrenzt. Entweder sie werden weiterentwickelt, oder sie verschwinden. Was Deutschland in die Struktur- und Standortkrise führte, droht jedem Unternehmen: Erfolg macht träge. Deshalb empfiehlt der Autor, sich immer wieder zu fragen: "Was habe ich in den vergangenen fünf Jahren getan, um in meiner Institution Innovationen zu entwickeln und durchzusetzen?"

Falls Sie in zwei Stunden erfahren möchten, was die Veränderer von Spielregeln tun - hier steht's.

Thesen:

  • Der Hauptgrund für Innovationsmangel ist die Starrheit bürokratischer Strukturen.


  • Vor das Wirtschaftswunder haben die Götter die Durchbrechung dieser Schutzwälle gestellt.


  • Die Regeln für New Games in der Wirtschaftspolitik müssen wir selbst festlegen.


  • Fusionen führen selten zu Wirtschaftswundern, Kooperation sehr viel häufiger, innovative Netzwerke fast immer.


Elektronischer Kurzschluss

Die erstaunliche Geschichte der Informationstechnik.

Für Fortschrittsskeptiker ist diese aufschlussreiche Wirtschaftsgeschichte ein wahrer Genuss: Das Internet ist gar nicht so neuartig, und entsprechende Revolutionserwartungen sind ebenso unbegründet wie im Fall des weltweiten Telegrafennetzes in der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Aber auch die Fortschrittsoptimisten werden bedient: Das Informationszeitalter begann bereits vor 150 Jahren und tritt nun in seine zweite Phase. Die elektrische Kommunikation löste damals die gleichen Ängste und Widerstände aus wie heute. Dennoch hat sie sich durchgesetzt und Wirtschaft, Technik, Politik wie Privatleben grundlegend verändert.

Tom Standages "erstaunliche Geschichte des Telegrafen" ist vollgespickt mit Historie und Histörchen, vom elektrisierenden Kurzschluss, den Abbé Nollet mit Batterie und Eisendraht zwischen 200 Kartäusermönchen erzeugte, bis hin zur verspäteten Würdigung des "Propheten" Samuel Morse in seinem amerikanischen Heimatland 1871.

Thesen:

  • Irritierende und echauffierende Begleitumstände gehören zu jeder großen technischen Innovation. Sie gründen weniger auf den tatsächlichen Gefahren der Technologien als auf Hoffnungen, Ängsten und Missverständnissen.


  • Innovationen ziehen zuerst die Randständigen an; dazu gehören immer auch die Kriminellen und Abenteurer.


  • Wir können diese unvermeidbaren Begleitumstände vorausahnen und einplanen, das gilt sowohl für die Atomenergie als auch für die Gentechnik und Multimedia.


Geld wird überflüssig

Ein Romanautor erzählt gleich zwei Mal die Geschichte des Geldes: historisch und aus persönlicher Sicht. Der Rückblick eröffnet Aussichten auf die Zukunft.

Da niemand die Zukunft kennen kann, sieht sie keiner. Wer wie Buchan trotzdem darüber schreiben will, speziell über die Zukunft des Geldes, muss sich eines Tricks bedienen: zurückschauen.

Deshalb erzählt James Buchan, früher "Financial-Times"-Korrespondent und heute Romanautor, die Geschichte des Geldes. Und er erzählt sie gleich zweimal, historisch und persönlich. Wir erleben die wundersame Geldverwandlung auf Buchans biografischer Hans-im-Glück-Tour. Und wir blicken zurück auf die Zeit des Judas, des Don Quijote, Goethes und auf andere historische Epochen.

So entsteht vor unseren Augen das Bild von der Entwicklung, vom aktuellen Höhepunkt und vom allmählichen Zurücktreten des Geldes als einer der wichtigsten sozialen, wirtschaftlichen und technischen Einrichtungen der Menschheit. Sie erfand das Geld nicht nur als Ersatz für den Tauschhandel, sondern auch, um sich in allen Bereichen des Lebens unvorstellbare Wünsche erfüllen zu können.

Schließlich wird diese abstrakte Materie in einer Sprache vermittelt, die Goethe hätte neidisch werden lassen. Buchan liefert Literatur und Sachwissen.

Thesen:

  • Geld hat keinerlei Substanz, keinen realen Wert, Nutzen oder Grenznutzen. Geld ist eine Vereinbarung, die von vielen geteilt wird. Geld ist der Geist des goldenen Kalbes, menschlicher Sehnsüchte.


  • Geld ist zu einem Rangierbahnhof geworden, in dem permanent die verborgenen Sehnsüchte und Träume zahlloser Menschen eintreffen und zu ungeahnten Zielen entsandt werden.


  • Geld wird auf lange Sicht überflüssig. Der Grund: Wir leben in einem Zeitalter, in dem die Menschen immer mehr lernen, die gesellschaftlichen Institutionen zu verändern. Mithin werden Wünsche auch ohne Geld wahr.


Das Theorem des Papageis

Bücher über bunte Vögel, Mathematik, Weihnachtsengel und geistvolle Zitate.

Krausse, Joachim; Lichtenstein, Claude (Hrsg.): "Your Private Sky. R. Buckminster Fuller. Design als Kunst einer Wissenschaft";
Lars Müller, Baden/CH 1999, 528 Seiten, 98 Mark.
Ein eindrucksvolles visuelles Bilder-Lesebuch zu den Erfindungen, Entwürfen und Ideen Buckminster Fullers, der uns nicht nur neue Begriffe schenkte (think global - act local), sondern auch die alte Kunst des technischen Designs zukunftsfähig gemacht hat.

Guedj, Denis: "Das Theorem des Papageis";
Hoffmann und Campe, Hamburg 1999, 592 Seiten, 44,90 Mark.
Es gibt Abenteuer-, Kriminal- und Liebesromane - aber Mathematikromane? Der französische Wissenschaftshistoriker Denis Guedj schrieb einen. Warum hat mir vorher niemand verraten, wie spannend Mathe sein kann?

Highfield, Roger: "Können Engel fliegen? Die Wissenschaft der Weihnachtszeit";
Rowohlt, Reinbek 1999, 320 Seiten, 39,80 Mark.
Sie wollen alles über Weihnachten wissen, die Könige, das Jesuskind, den Weihnachtsbaum, die Geschenke, Kerzen und so weiter und so fort? Highfield hat alles recherchiert.

Schmidt, Lothar (Hrsg.): "Zitatenschatz für Führungskräfte";
Ueberreuter, Wien 1999, 408 Seiten, 98 Mark.
Geistvolle Zitate zwischen edlen Lederdeckeln - sie zieren Rede wie Bücherbord.

Schreyögg, Georg; Dabitz, Robert (Hrsg.): "Unternehmenstheater. Formen - Erfahrungen - Erfolgreicher Einsatz";
Gabler, Wiesbaden 1999, 313 Seiten, 68 Mark.
Dieses Buch wirft einen Blick hinter die Kulissen des Unternehmenstheaters.

Heinz Metzen