Sonntag, 16. Juni 2019

Die Linke Vorwärts, Bosse!

6. Teil: Ein drittes politisches Leben

Kurz zuvor wollte Dehm dem SPD-Bundestagsabgeordneten Karl Hermann Haack per einstweiliger Verfügung untersagen lassen, ihm inhaltliche Nähe zur PDS zu unterstellen. Drei Jahre später wechselte Dehm - zur PDS.

"Wenn er Probleme macht, habe ich den Diether in drei Tagen da weg."

Linkspartei-Vorstandsmitglied

Dank Arbeitswut und Strippenzieher-Qualitäten brachte er es dort rasch zum stellvertretenden Vorsitzenden. Und wie zuvor die Frankfurter SPD versank auch die PDS kurz nach Dehms Amtsübernahme auf geradezu magische Weise in Streit und Intrigen. Eine PDS-Funktionärin nannte ihn "dümmer als ein Stück Scheiße" - und verweigerte im Parteivorstand jede Entschuldigung: "Ich stehe dazu und kann es gern wiederholen."

Besonders kurios: die sogenannte Wachbuch-Affäre. 2002 soll Dehm den Sicherheitsdienst der PDS-Parteizentrale angewiesen haben, den gerade abgetretenen Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch beim Verlassen des Hauses auf gestohlene Akten zu durchsuchen.

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Als Dehm 2003 aus dem PDS-Vorstand flog, schien auch seine zweite Parteikarriere beendet. Doch inzwischen lebt er sein drittes politisches Leben: Er übernahm den Landesvorsitz der damals völlig bedeutungslosen PDS in Niedersachsen, schaffte es 2005 in den Bundestag, fusionierte die Partei mit der SPD-Absplitterung WASG zu "Die Linke" und führte sie im Januar überraschend in den niedersächsischen Landtag.

Daneben sicherte sich Dehm den Vorsitz beim dahinstagnierenden linken Unternehmerverband OWUS - ein Job, den sonst niemand machen wollte. Nur Dehm erkannte, dass sich die OWUS-Strukturen trefflich nutzen lassen für den Aufbau der linken Unternehmer-AG, deren Leitung wesentlich mehr parteiinterne Macht verheißt.

Noch belächelt man in der Parteispitze Dehms dritte Karriere. "Wenn er Probleme macht, habe ich den Diether in drei Tagen da weg", sagt ein Linkspartei-Vorstandsmitglied leichthin.

Es sieht so aus, als würden Dehms enorme destruktive Qualitäten zum dritten Mal unterschätzt.

© manager magazin 9/2008
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