Montag, 17. Juni 2019

Die Linke Vorwärts, Bosse!

5. Teil: "Das weiche Wasser bricht den Stein"

All die Qualität half ihm allerdings nicht, als ihn 2002 ein zahlungsunfähiger Großkunde in die Pleite riss. Gabriel sattelte um auf sein heutiges Geschäftsmodell. Doch noch immer glaubt er: "Jeder Trottel kann als Unternehmer erfolgreich sein, wenn er nur die Kosten drückt. Die Kunst besteht doch darin, so viel Mehrwert zu bieten, dass der Kunde auch den höheren Preis bezahlt."

 Wer wählt links?
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Wer wählt links?
Zu diesem Qualitätsbewusstsein will Gabriel die Unternehmer erziehen - notfalls mit zehn Euro Mindestlohn: "Wer die nicht zahlen kann, strengt sich nicht genug an." Zugleich träumt er davon, das Konkurrenzprinzip, "dieses Grundübel", insgesamt aus dem Wirtschaftsleben zu verbannen.

Wenn Ex-Militär Jochen Sroka den nüchternen ostdeutschen Flügel des linken Unternehmertums verkörpert, dann steht Joachim Gabriel für den utopischen westdeutschen Flügel.

Zwei Flügel - und im Cockpit sitzt Diether Dehm.

Es träfe die Sache nicht wirklich, würde man OWUS-Chef Dehm als polarisierend bezeichnen. Denn polarisierend heißt ja: Jemand hat viele Freunde und viele Gegner. Die Freunde von Diether Dehm sind entweder ziemlich introvertiert - oder es gibt sie nicht.

Zu Geld kam Dehm mit Songtexten ("1000-mal berührt"), mit dem Management von Künstlern wie BAP oder Klaus Lage und mit einer Beteiligung am Radiosender FFH. Doch Dehm lockte die politische Bühne stets mehr als das schnöde Kaufmannsleben. 1988 schrieb er die offizielle SPD-Parteihymne "Das weiche Wasser bricht den Stein". Die Existenz dieses Liedes ist den Sozialdemokraten heute etwa so peinlich wie ihre Zustimmung zu Kaiser Wilhelms Kriegskrediten. Heinz Rudolf Kunze, der die Plätschermelodie singen musste, rechtfertigt sich heute: "Dehm war ein Freund von mir, und ich glaubte, ihm diesen Gefallen tun zu müssen."

Anfang der 90er hatte es Dehm zum Chef der Arbeitsgemeinschaft der Selbstständigen in der SPD gebracht und zum Stadtrat in Frankfurt. Doch seine Karriere bei den Sozialdemokraten erlitt einen Knick, als 1996 seine Stasi-Akte auftauchte. Er sei ohne sein Wissen als IM geführt worden, sagt Dehm - obwohl der von Dehm gemanagte Wolf Biermann in einer eidesstattlichen Versicherung das Gegenteil behauptete.

Bei all dem Stasi-Wirbel ging nahezu unter, dass Dehm auch noch der fahrlässigen Abgabe einer falschen eidesstattlichen Versicherung beschuldigt wurde - Anlass waren unklare Honorarabrechnungen beim Hessischen Rundfunk. Nach einer Verurteilung in erster Instanz wurde das Verfahren in zweiter Instanz 2001 gegen Geldauflage eingestellt - was Dehm nicht als Schuldeingeständnis gewertet wissen will.

© manager magazin 9/2008
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