Freitag, 18. Oktober 2019

Die Linke Vorwärts, Bosse!

3. Teil: Odyssee durch die Marktwirtschaft

So quittierte er den Dienst und begann sein zweites Leben mit einer Odyssee durch die Marktwirtschaft, wie sie typisch ist für viele ehemalige Angehörige der DDR-Elite: Man war gewohnt zu führen, zu entscheiden, zu managen. Doch plötzlich steckte man im Kapitalismus und musste sich mühsam wieder etwas zu managen suchen.


Christian Rickens: "Links! Comeback eines Lebens-
gefühls"
; Ullstein Verlag GmbH, August 2008, 253 Seiten, 16,90 Euro.
Sroka verkaufte innovative Kleinklärwerke an ostdeutsche Kommunen. Das lief nicht so gut. Die Kommunen kauften lieber große Kläranlagen von großen Konzernen. "Hinterher fuhr der Bürgermeister meist ein neues Auto", sagt Sroka. Er sattelte um auf den Verkauf von Einfamilienhäusern. Das lief viel besser. Auf Umwegen kam Sroka an seine ersten beiden Firmen: ein kleines Stahlbauunternehmen und ein ehemaliges DDR-Ferienlager, beide im Pleitezustand übernommen. Jetzt soll noch ein drittes Geschäftsfeld hinzukommen: Gemeinsam mit einem Biomediziner produziert Sroka aus Hühnereiern Antikörper für die Pharmaindustrie.

Inzwischen fährt Sroka Mercedes-M-Klasse. Der Kapitalismus ist nett zu ihm.

Sroka ist nicht nett zum Kapitalismus. "Das ist für mich nicht die endgültige Gesellschaftsform", sagt er knapp. "Aber die Alternative will noch gefunden werden."

Srokas rundes Dutzend Angestellte merken nicht viel von den linken Idealen ihres Chefs. Sroka ist nicht im Arbeitgeberverband, er zahlt nicht nach Tarif. "Sonst wäre ich gegenüber unserer direkten ausländischen Konkurrenz nicht mehr wettbewerbsfähig", sagt er. Am liebsten will Sroka, dass alle Unternehmen den gleichen Lohn zahlen müssen, "dann hätten alle die gleichen Wettbewerbschancen".

Genauer betrachtet, handelt es sich bei der Forderung nach einem staatlich festgelegten Lohn natürlich um den alten Wunsch des Unternehmers nach möglichst wenig Konkurrenz. Dieses Begehren lässt sich quer durchs politische Spektrum verfolgen. Im Osten, wo der Sozialismus die Biografien formte und die Linke die einzig echte Volkspartei verkörpert, tritt man bei den Ex-Kommunisten ein und fordert den Mindestlohn. In Bayern geht man zur CSU und fordert den Erhalt des Meisterzwangs.

© manager magazin 9/2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung