Dekabank Hoch bezahlte Elitetruppe

Unter manchen Sparkassenmanagern und Landespolitikern gilt Franz Waas bereits als Kandidat für höhere Weihen. Unterdessen baut der Dekabank-Chef das Fondshaus der Sparkassen zur Investmentbank aus - mit erheblichem Risiko.
Von Ulric Papendick

Franz Waas (47), umtriebiger Chef der Frankfurter Dekabank, ist zurzeit ein gefragter Mann im öffentlich-rechtlichen Bankenlager. Der frühere Kapitalmarktvorstand der HSH Nordbank kennt sich hervorragend aus mit sogenannten strukturierten Wertpapieren.

Solche verschachtelten Anlagekonstruktionen, die eine Vielzahl von Kreditrisiken in komplexen Zertifikaten zusammenschnüren, haben manche deutsche Landesbank an den Rand der Pleite geführt.

Mehrfach eilten Waas und sein Vorstandskollege Walter Groll (47) in den vergangenen Monaten den Eignern der angeschlagenen Institute zu Hilfe. Offenbar mit großem Erfolg: Unter manchen Sparkassenmanagern und Landespolitikern gilt der gebürtige Bayer Waas bereits als Kandidat für höhere Weihen.

Auch im eigenen Haus setzen Waas und Groll ihre Expertise nach Kräften ein. In aller Stille, dabei aber äußerst zielstrebig, baut das Duo den Fondsdienstleister der Sparkassen zu einer Handels- und Investmentbank aus. Dabei häufen die Dekabank-Frontleute nicht unerhebliche Risiken an.

Rund 80 Experten haben die rührigen Manager bereits bei der Konkurrenz abgeworben. Von der Investmentbank Barclays Capital kam ein Team von 25 Händlern unter Leitung von Martin Hellmich (39), das für die Sparkassengesellschaft das Geschäft mit strukturierten Krediten vorantreiben soll. Der Dresdner Bank machten Waas und Groll eine 20-köpfige Truppe abspenstig, die künftig die sogenannte Wertpapierleihe organisieren wird, die zeitweilige Überlassung von Aktien unter anderem an Hedgefonds.

Mehr als 20 Banker holte Waas von der früheren HypoVereinsbank-Tochter Indexchange, um den Handel mit börsennotierten Investmentfonds aufzubauen. Und erst vor wenigen Wochen verstärkten sich die Frankfurter mit einem Dutzend Experten um den früheren Depfa-Banker Andrew Readinger (42), die von Luxemburg aus strukturierte Wertpapiere erwerben und anschließend in spezielle Pfandbriefe verpacken sollen.

Stattliche Gehälter für neue Kräfte

Seinen neuen Elitekräften zahlt Waas stattliche Gehälter von bis zu einer Million Euro pro Jahr. Diese Spitzenlöhne sind allerdings, wie unter Investmentbankern üblich, größtenteils abhängig vom Erfolg der Truppe.

Neben den zahlreichen Neueinstellungen nutzen die Dekabank-Chefs die derzeit schwache Verfassung der internationalen Finanzmärkte, um in großem Stil Kapital in strukturierten Wertpapieren anzulegen. Mehr als 13 Milliarden Euro haben Waas und Groll bereits in unterschiedlichste Anlagen gesteckt - von verbrieften Autokrediten bis zu gebündelten Finanzierungen gewerblicher Immobilienprojekte. Lediglich US-Wohnungsbaukredite mit Schuldnern schlechter Qualität ("Subprime") haben die Deka-Frontleute gemieden.

Erworben haben die Frankfurter Sparkassenmanager die Anlagekonstruktionen vor allem bei großen Wall-Street-Häusern wie Goldman Sachs , Merrill Lynch  und J. P. Morgan. Aber auch bei deutschen Landesbanken, darunter bei der LBBW, war Waas auf Einkaufstour.

Mit den exotischen Investments, die an den Kapitalmärkten zurzeit günstig zu haben sind, will Waas die Rentabilität der Dekabank steigern. Das Fondshaus hatte seine freien Mittel bisher eher konservativ angelegt.

Die neue Anlagepolitik bescherte dem Fondshaus allerdings zunächst einmal Verluste. Seit Anfang 2007 musste Waas vom Wert seines Portfolios rund 400 Millionen Euro abschreiben.

Anders als ursprünglich geplant, kann die Deka ihre verbrieften Kredite auch nicht in Fonds verpacken und an Anleger weiterverkaufen. Die durch die internationale Finanzkrise aufgeschreckten Sparkassen und ihre Kunden haben an derlei riskanten Investments zurzeit schlicht kein Interesse.

Die Eigentümer der Dekabank, die Landesbanken und Sparkassenverbände, lassen Waas indes gewähren. Ihre Topleute sind offenbar mit wichtigeren Themen beschäftigt.

So soll es bereits einen Zeitplan für die Fusionsverhandlungen der Dekabank mit der angeschlagenen WestLB geben. Im September hatte der Deka-Verwaltungsrat den Vorstand offenbar angewiesen, einen Zusammenschluss mit den Düsseldorfern oder eine Teilübernahme der WestLB zu prüfen.

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