Random House "Sehr sportliches Ziel"

Markus Dohle, der neue CEO des weltgrößten Buchverlags, im Gespräch mit manager magazin über den Ernst der Lage bei Random House, und warum er trotz fehlender Branchenkenntnis eine Chance hat.
Von Klaus Boldt

mm: Herr Dohle, Sie haben vom Buchverlagsgeschäft keine Ahnung - kann man das so sagen?

Dohle: Man kann sagen, dass ich mein ganzes Berufsleben in der Wertschöpfungskette des Buchverlagswesens gearbeitet habe: in der Buchdistribution und in der Buchhandelsbetreuung. Ich habe mit Buchverlagen verhandelt und später auch Bücher gedruckt. Heute darf ich das Büchermachen begleiten - dies ist meine Buchverlagskarriere. Es stört mich nicht, wenn man sagt, ich sei ein Externer. Ich werde lieber unter- als überschätzt.

mm: Buchverleger sind sture, stolze Zeitgenossen, zumal in New York, dem weltweiten Zentrum des Gewerbes. Viele empfanden es als Zumutung, dass keiner der ihren, sondern ein Drucker aus Gütersloh mit einem der einflussreichsten Posten im internationalen Kultur- und Feuilletonbetrieb betraut wurde.

Dohle: Mir ist die Überraschung natürlich nicht verborgen geblieben. Aber ich kann mit der Situation sehr gut leben. Stellen Sie sich vor, hier wäre ein Verleger Chef der Verleger geworden: das Konkurrenzverhältnis wäre ungleich größer als jetzt. Denn ich bin kein Konkurrent für die Verleger unseres Hauses. Im Gegenteil, ich will Rahmenbedingungen schaffen, damit sie erfolgreich arbeiten können.

mm: In welchem Zustand haben Sie das Unternehmen bei Ihrem Dienstantritt vorgefunden?

Dohle: Wir arbeiten in einem zyklischen Geschäft. In den USA hatten wir im ersten Halbjahr leider nicht so viele Titel weit oben in den Bestsellerlisten, wie wir es uns gewünscht hätten. In Spanien, Deutschland und Großbritannien sieht es dagegen besser aus.

"Exakt auf Vorjahresniveau"

mm: Ihre Sparte Bantam Dell soll beim Umsatz mit 40 Millionen Dollar, Doubleday sogar mit 50 Millionen Dollar unter Plan liegen. Insgesamt, heißt es, habe das US-Geschäft die internen Ziele um 150 Millionen Dollar verfehlt.

Dohle: Der Plan war sicherlich sehr ambitioniert. Wir liegen in den USA beim Umsatz im ersten Halbjahr aber exakt auf Vorjahresniveau. Das ist kein schlechtes Ergebnis angesichts einer sich verstärkenden Rezession.

mm: In Euro, der Währung, in der Bertelsmann rechnet, sieht es anders aus: Der Dollar ist 10 Prozent weniger wert als vor einem Jahr.

Dohle: Knapp zwei Drittel unseres Umsatzes machen wir in Dollar, weniger als 20 Prozent in Euro. Es ist richtig, dass der Wechselkurs die Situation ungünstiger erscheinen lässt. Hinzu kommt, dass wir die Marge in den USA nicht halten konnten. Dies ist nicht befriedigend, wenngleich wir uns in anderen, zugegeben kleineren Märkten deutlich verbessert haben. Aber das stärkere Halbjahr liegt noch vor uns. Ich hoffe, dass wir in einer ähnlichen Größenordnung abschließen wie im Vorjahr. Das ist, zugegebenermaßen, ein sehr ambitioniertes, sportliches Ziel.

mm: Sie wären nicht überrascht, wenn Sie es nicht erreichten?

Dohle: Nein, das wäre ich nicht.

"Ein Markt, der nicht wächst"

mm: Viele Mitarbeiter sind in Sorge, dass Stellen abgebaut werden, in London steht das Random House Building zum Verkauf.

Dohle: Immobilien und ihre Verwaltung sind nicht unser Geschäft. Es ist seit Jahren Strategie bei Bertelsmann, Grund und Gebäude zu kapitalisieren und das Geld ins Geschäft zu stecken. Wir befinden uns in einem Markt, der nicht wächst. Deshalb müssen wir alles tun, um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und darüber hinaus in eine neue Wachstumsphase hineinzukommen. Welche Maßnahmen dazu im Einzelnen notwendig sind, das analysieren wir zurzeit. Mein klares Ziel ist, dieses Unternehmen wachsen zu lassen - hoffentlich auch die Anzahl seiner Mitarbeiter.

mm: Können Sie einen Stellenabbau ausschließen?

Dohle: Nein.

mm: Ihr Vorgänger Peter Olson verlässt das Haus mit einer Abfindung von schätzungsweise 15 Millionen Dollar.

Dohle: Ich äußere mich grundsätzlich nicht über meine Vorgänger. Random House ist heute in allen seinen Märkten die Nummer eins oder zwei. Die letzten Jahre waren also sehr erfolgreich.

mm: Das Buchgeschäft zeigt wenig Dynamik, der Markt stagniert: Random House erfüllt alle Bertelsmann-internen Bedingungen eines Verkaufskandidaten.

Dohle: Wir haben in Deutschland zuletzt die Hugendubel-Verlage und den Prestel-Verlag übernommen. Wir werden uns auch nach größeren Akquisitionsmöglichkeiten umschauen, um eine gute Mischung aus organischem und Portfolio-Wachstum zu erreichen. Das ist die Strategie für die Zukunft. Seien Sie sicher, Random House wird langfristig zum Kerngeschäft von Bertelsmann gehören.

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