Donnerstag, 21. November 2019

Business in Australien Owsidgoin mate orright?

Vergessen Sie Englisch, lernen Sie Australisch: Auf dem fünften Kontinent hat sich nicht nur eine eigene Sprache entwickelt, es gibt auch einige skurrile Sitten und Gebräuche. Drei deutsche Manager vor Ort erklären sie.

Damals in Hamburg hat es eineinhalb Jahre gedauert, ehe ich das erste Mal mit meinen Kollegen ein Bier trinken war", erinnert sich Volker Latus, "hier in Australien hat mich mein Chef schon in der ersten Woche nach Hause zum Grillen mit seiner Familie eingeladen." Das Persönliche zählt im Business Down Under, wo der Lebensstil entspannt ist und in manchem Unternehmen die Meetings im nahen Pub ebenso wichtig sind wie die in den Konferenzräumen - politisch unkorrekt, aber gesellig.

Wer sich das Geschäftsleben in Australien und in Neuseeland schlicht als Verlängerung der Sitten und Gebräuche im einstigen Mutterland England vorstellt, irrt. Beide Ex-Kolonien haben längst ihre eigenen Riten und Marotten entwickelt - bis hin zur eigenen Variante der Muttersprache Englisch.

Anders als Briten und US-Amerikaner sind Australier bei der Arbeit stark beziehungsorientiert. "Die besten Geschäfte macht man mit denen, die man gut kennt", sagt Latus, dessen Managementtrainings-Firma Involve International die in Deutschland bewährte Moderationsmethoden australischen Unternehmen vermittelt. "Wir Deutschen tendieren dazu, uns sehr auf die Sache zu orientieren und streng faktisch zu denken", beobachtet Latus, "die Australier wollen zunächst eine persönliche Beziehung herstellen, eröffnen jedes Meeting mit mindestens zehn Minuten Smalltalk."

Business-Themen sind dann tabu, es geht um Essen, Urlaub, Familie - und vor allem um Sport. Spannend finden Australier Kricket und Schwimmen, über Fußball urteilen sie oft harsch als "sports for wankers", was besser unübersetzt bleibt.

Nicht erst seit die Italiener bei der Weltmeisterschaft 2006 mit einer Schwalbe in letzter Minute gegen die Aussies einen Elfmeter herausgeschunden haben und so gewannen, gilt unser Lieblingsspiel als unmännlich: Richtige Kerle spielen Rugby, sie stehen nach einem Tackling wieder auf und machen weiter, statt schmollend Hilfe beim Schiedsrichter zu suchen. Und am liebsten sehen die Einheimischen beim Australian Football zu, einer verschärften Variante des Rugby. Dabei geht es ebenso hart zur Sache wie im American Football - nur verzichten die Aussies dabei komplett auf die Schutzkleidung.

© manager magazin 9/2008
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