Donnerstag, 23. Mai 2019

Hermann Scholl Das Werkstück

Bosch-Legende Hermann Scholl - vom manager magazin jüngst in die Hall of Fame der deutschen Wirtschaft aufgenommen - hat ein Leben lang vor allem eines getan: an sich gearbeitet. Es hat sich gelohnt. Für Bosch. Aber auch für Hermann Scholl selbst.

Sein letzter großer Karriereschritt begann mit einer Verwechslung. Dr.-Ing. Hermann Scholl, damals 57 Jahre alt, wohnhaft in Stuttgart, ein mittelstarker Mann mit kleinen Augen und einer großen Brille, las in einer Regionalzeitung, er solle nun Chef des weltberühmten Automobilzulieferers Bosch werden. Daran war alles richtig.

Nur das Foto, das die Redaktion herausgesucht hatte, war das falsche. Es zeigte Friedrich Scholl, der früher bei Bosch beschäftigt war, als einen von mehreren Geschäftsführern. Ein Anruf bei der Zeitung brachte die Erkenntnis: Ihn, den neuen Bosch-Chef, kannte keiner.

Daran hat sich seitdem nicht viel geändert. Hermann Scholl (73), der Mann, der die Elektronik ins Auto gebracht, einen Weltkonzern mit bald 50 Milliarden Euro Umsatz und 270.000 Beschäftigten geformt hat und ihn jetzt kontrolliert, ist in der deutschen Öffentlichkeit kaum bekannter als eine Steckverbindung in einem VW Passat.

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Der Ex-Porsche-Chef in den Fängen der Justiz

Nie hat ein überregionales Blatt ein großes Porträt über ihn geschrieben, nie hat sich ein Fernsehautor auf seine Spuren gesetzt. Hermann Scholl ist - man übertreibt nicht, es zu sagen - die unbekannteste Größe der deutschen Wirtschaft. Was auch an den Medien liegen mag. Aber nicht nur.

Seine Person ließ sich verbergen, nicht jedoch sein Wirken. Dafür war er zu erfolgreich. Er hat Bosch zum Technologieführer in seiner Branche gemacht, zum größten und internationalsten aller Zulieferer entwickelt. Das Stiftungsunternehmen prosperierte unter ihm, ohne die große soziale Tradition aufzugeben. Hermann Scholl, Geschäftsführender Gesellschafter der mächtigen Robert Bosch Industrietreuhand KG, hat nachhaltige Werte geschaffen, und dies in der Hochphase der alles umwälzenden Globalisierung.

Die Jury des manager magazins erkannte eindeutig auf große Verdienste um die deutsche Wirtschaft und wählte Scholl deshalb in die Hall of Fame. Er sei, so sagt es seine Laudatorin Renate Köcher, Chefin des Instituts für Demoskopie Allensbach, "ein glanzvolles Beispiel für visionäres Unternehmertum".

© manager magazin 7/2008
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