Montag, 23. September 2019

Hermann Scholl Das Werkstück

4. Teil: Das Leben ist nun gut geworden

Als Merkle stirbt im Jahr 2000, ist Scholls Macht fast unbegrenzt; nah an ihm ist nur sein damaliger Vize und heutiger Mitgesellschafter, sein Freund Tilman Todenhöfer. Bis heute der einzige Mensch, mit dem Scholl bei Bosch per Du ist.

Die späten Jahre als Geschäftsführer beginnen, das Unternehmen ist technologisch top, es ist internationalisiert; mit dem Heizungsbauer Buderus und dem Automatisierungsexperten Rexroth hat Scholl groß und gut zugekauft. Doch immer noch wirkt er verbissen, ja verspannt; nach außen bleibt er trotz Aufsichtsratsmandaten bei BASF und Allianz weitgehend unsichtbar.

Er spürt, dass die Bosch-Kultur nicht mehr zeitgemäß ist: zu langsam, oft sich selbst genug, häufig kundenfern. Er leitet noch die Kulturwende ein, verjüngt die Geschäftsführerrunde und sucht mit Fehrenbach den Mann als seinen Nachfolger aus, der - anders als er - in der offenen Kommunikation nach innen und außen seine Stärke hat. Und er lässt ihn, zur Überraschung vieler, das Unternehmen auch wirklich führen. Hier wirkt die Erinnerung an die Jahre unter Merkle nach, diese Erfahrung will er dem Jungen ersparen.

Das Leben ist nun gut geworden für Hermann Scholl. Er weiß Bosch auf gutem Weg. Er arbeitet jeden Werktag, aber nur noch von neun bis sieben Uhr. Kümmert sich jetzt viel um das Auto der Zukunft, denn wieder geht es - wie damals beim Diesel - um Milliardeninvestitionen in die richtige Technologie, sei es der Hybrid oder das Elektroauto.

Man hört auf ihn, nicht nur weil er weiter mächtig ist. Noch immer gilt der Altmeister bei Bosch als derjenige, der am meisten von Technik versteht. Das weiß er, und es macht ihn ein wenig stolz und auch gelassen: "Ich fühle mich wohl in meiner Aufgabe, und ich sehe, dass ich noch viel für Bosch beitragen kann."

Er habe sich entspannt seit drei, vier Jahren, erzählt einer, der ihn lange schon kennt, fast verwundert. Der schwäbische Bub, der jeden Nachmittag bastelte, hat seine Arbeit fast vollendet. Hermann Scholl ist sein bestes Werkstück geworden.

Gern verbringt Scholl nun das Wochenende auf seinem neu erworbenen Grundstück am Bodensee. Direkt am Ufer liegt es, samt einem Holzhaus. Passend dazu hat er sich ein kleines Holzboot bauen lassen. Das Schiffchen sieht recht gewöhnlich aus. Ist es aber nicht. Es fährt mit Lithium-Ionen-Antrieb.

© manager magazin 7/2008
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