Sonntag, 15. September 2019

Hermann Scholl Das Werkstück

2. Teil: "Er liebt keine Überraschungen"

Hermann Scholl selbst glänzt höchst ungern, er gleicht eher einem gut durchgearbeiteten Werkstück: mehr Pumpe-Düse-Einspritzung als polierter Chrom. In seiner Person mischt sich Traditionsbewusstsein mit Technologiebegeisterung und paart sich mit Konsequenz, ja Härte.

 Stationen eines Lebens Privat: Hermann Scholl, am 21. Juni 1935 als Sohn eines Psychologen in Stuttgart geboren, studierte Nachrichtentechnik. Der promovierte Ingenieur hat seit der Jugend kulturelle Interessen, spielt gut Cello und geht gern ins Stuttgarter Staatsballett. Er ist mit Antje Scholl verheiratet; die gemeinsame Tochter Andrea, Mutter zweier Kinder, schreibt Lyrik. Beruf: Scholl verbrachte sein gesamtes Berufsleben bei Bosch, war zwischen 1993 und 2003 Vorsitzender der Geschäftsführung; seit 2001 ist er Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Robert Bosch Industrietreuhand KG.
Andreas Pohlmann

Stationen eines Lebens

Privat: Hermann Scholl, am 21. Juni 1935 als Sohn eines Psychologen in Stuttgart geboren, studierte Nachrichtentechnik. Der promovierte Ingenieur hat seit der Jugend kulturelle Interessen, spielt gut Cello und geht gern ins Stuttgarter Staatsballett. Er ist mit Antje Scholl verheiratet; die gemeinsame Tochter Andrea, Mutter zweier Kinder, schreibt Lyrik.

Beruf: Scholl verbrachte sein gesamtes Berufsleben bei Bosch, war zwischen 1993 und 2003 Vorsitzender der Geschäftsführung; seit 2001 ist er Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Robert Bosch Industrietreuhand KG.

Und einem Schuss Eigenwilligkeit, wie man sie in der modernen Konzernwelt kaum mehr findet. Ferdinand Piëch, Volkswagen-Chefkontrolleur und Porsche-Miteigentümer, den er bewundert wie der ihn anerkennt, besitzt allerdings ähnliche Wesenszüge.

Man kann viele dieser Elementarteilchen in Scholls Büro im 9. Stock der Gerlinger Schillerhöhe besichtigen, rings um den ovalen Marmortisch, an dem er regelmäßig die Bosch-Geschäftsführer empfängt.

Drei Bilder in impressionistischer Manier getupft, zweimal Stuttgart von der Wielandshöhe aus gesehen, einmal ein Orchester, mit einem Cellisten im Vordergrund. Alles gemalt von Tell Geck, einem süddeutschen Maler, brav, aber nicht zu brav, um nicht doch von den Nazis Berufsverbot zu bekommen, sodass er sich fortan als Cellolehrer durchschlug und schließlich in der Nachkriegszeit auch den kleinen Hermann Scholl unterrichtete.

Modellautos stehen an der Wand und Fotos, seltsame Metallteile wie der umstülpbare Würfel und auch ein Bilderrahmen, der viele der 50 Patente unter Glas versammelt, die Hermann Scholl in seinem Berufsleben angemeldet hat.

Am Tisch sitzt er, vor sich einen bald maßkrughohen Stapel Hefter, beschriftet mit "Unterlagen Interview", neben sich seine Assistentin, Frau Marschewski, jederzeit bereit, ein eventuell noch fehlendes Papier nachzureichen. Um den Hemdkragen hat Hermann Scholl heute ausnahmsweise eine Brioni gebunden anstatt der üblichen Ferragamo. Denn die Brioni, so meinte seine Frau Antje am Morgen mit Blick auf den Fototermin, forme den volleren Knoten.

Hermann Scholl, weiß sein Nachfolger als Vorsitzender der Geschäftsführung, Franz Fehrenbach, "liebt keine Überraschungen". Deshalb bereitet er sich vor. "Ich habe nie jemanden kennengelernt, der so präzise arbeitet."

Arbeiten hat Scholl früh gelernt. Als Neunjähriger Holz gehackt, Heu gemacht, damals auf dem Land im Krieg. Noch als Schüler für den Vater die Garage gebaut und das Haus verputzt in Stuttgart, ein Tonbandgerät selbst gebastelt und eine Gangschaltung fürs Fahrrad. Eigentlich, sinniert er heute, hätte er die zum Patent anmelden können, dann wäre er vielleicht früh zu Geld gekommen. Nein, geträumt habe er nie, sagt er, immer gemacht.

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