Montag, 15. Juli 2019

Inflation Chronisch unglaubwürdig

Die Inflation gerät außer Kontrolle - viele Staaten sind unfähig, sie zu bekämpfen. Schwellenländer wie China oder Russland haben keine wirklich unabhängigen Notenbanken. Sie setzen eher auf Preiskontrollen und Subventionen als auf höhere Zinsen, was die Lage noch verschlimmert.

Inzwischen gibt es keinen Zweifel mehr: Die Welt steht vor der größten Geldwertkrise seit einer Generation. Zentralbanker und Ökonomen fühlen sich an die Phase der "großen Inflation" erinnert: Die begann mit den Ölkrisen in den 70er Jahren und geriet so weit außer Kontrolle, dass es erst nach einem langen und schmerzhaften Lernprozess gelang, den Teufelskreis aus Währungskrisen, Preis- und Kostensteigerungen zu durchbrechen.

Fatal: Viele rasch wachsende Schwellenländer verzichten auf eine eigene Geldpolitik. Sie koppeln ihre Währung an den Dollar, folgen dem Niedrigzinskurs der Fed und treiben damit die Inflation weiter an
Mancherorts kehrte erst in den 90er Jahren wieder eine relative Stabilität des Geldwerts ein.

Hier ist eine düstere Vorhersage: Diesmal könnte es noch schlimmer kommen. Warum? Weil viele inzwischen bedeutende Volkswirtschaften gar nicht in der Lage sind, gegenzusteuern. Und das wird auf absehbare Zeit leider so bleiben.

Wir haben es derzeit mit einer weltweiten Inflationsdynamik zu tun. Über Jahre ist die Weltwirtschaft so schnell gewachsen, dass sie jetzt an natürliche Kapazitätsgrenzen stößt. Praktisch alle Rohstoffe sind knapp, Energie, Nahrungsmittel, Metalle. Entsprechend steigen ihre Preise. Weltweit.

Allmählich werden auch andere Güter teurer, die Lohnforderungen fallen höher aus - eine Inflationsdynamik beginnt.

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Die entscheidende Rolle in diesem Szenario spielen schnell wachsende Schwellenländer, voran die neue Megavolkswirtschaft China und Rohstoffexporteure wie Russland und die arabischen Golfstaaten. Sie müssten eigentlich längst einen restriktiven Kurs steuern: Die Zinsen müssten steigen, die Währungen hätten längst stark aufwerten sollen.

Anders gewendet: Diese Länder sind inzwischen so große, so einflussreiche Volkswirtschaften, dass sie ihre eigene stabilitätsbewusste Geldpolitik betreiben müssten. Damit würden sie nebenbei auch die globale Inflationsdynamik bremsen.

Warum tun sie es nicht? Weil sie es nicht können.

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