Maxdata Programmierte Pleite

Größenwahnsinnige Manager haben die einst gut laufende IT-Firma Maxdata in den Ruin getrieben. Nach dem Absprung eines potenziellen Investors ist eine Rettung schwieriger denn je. Die Produktion in Würselen bei Aachen, Herzstück des Unternehmens, wird nach Informationen von manager magazin geschlossen.

Ist der Mann ein Schönfärber? Oder kennt er die eigenen Bilanzen nicht? Wie auch immer - die Rede, die Maxdata-Vorstandssprecher Thomas Stiegler (51) zur Hauptversammlung im April dieses Jahres hielt, muss den Aktionären heute als purer Hohn erscheinen.

Maxdata , ein Hersteller von Computern und Monitoren, sei "auf dem richtigen Weg" und werde wieder wachsen, fabulierte Stiegler damals frohgemut. Schließlich hätte sein Team die "Hausaufgaben erledigt" und "den Grundstein für die Zukunft gelegt".

Elf Wochen später war der Zauber vorbei. Maxdata stellte im Juni den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens, das voraussichtlich im September eröffnet wird.

Zweckoptimismus hat Tradition bei Maxdata. Acht Jahre lang vertrösteten Stiegler und seine Vorgänger die Anteilseigner mit blumigen Versprechen. Und mit jedem Jahr rissen die Missmanager in Marl die Firma tiefer in die Krise.

Gescheitert ist Maxdata letztendlich am Größenwahn seiner Vorstände, an falschen Weichenstellungen und an einem ruinösen Konkurrenzkampf auf dem Markt der Informationstechnik. Ob das Unternehmen, zu dem 2007 noch rund 1000 Mitarbeiter gehörten, überhaupt eine Überlebenschance hat, ist völlig ungewiss.

Dabei galt Maxdata anfangs als Erfolgsgeschichte. Holger Lampatz (50) hatte den Betrieb 1987 gegründet und beständig zweistellige Wachstumsraten erzielt. 1999 brachte er seine Firma an die Börse. Von da an ging es bergab.

Der Rekordumsatz von 1,1 Milliarden Euro (1999) ist im Jahr 2007 auf 469 Millionen Euro geschrumpft, der Bilanzverlust summiert sich auf 118 Millionen Euro. Der Abwärtstrend hat sich seitdem noch verstärkt: Für das erste Halbjahr 2008 weist das Unternehmen einen Umsatz von nur noch 181 Millionen Euro und einen Verlust von rund 21 Millionen Euro aus. Hätte Maxdata nicht bereits 2007 seine Immobilien für 38,5 Millionen Euro verkauft, wäre die Pleite vermutlich schon früher eingetreten.

Das Verhängnis begann mit der Übernahme einer großen Computerfabrik in Würselen bei Aachen. Die Fixkosten schossen nach oben, die Zahl der Mitarbeiter verdoppelte sich. Doch anstatt die Auslastung zu sichern, beendete Lampatz die Auftragsfertigung für andere Anbieter - in der irrigen Annahme, er könne den Absatz der Maxdata-Geräte erhöhen. Folge: Das Werk, das einst im Drei-Schichten-Betrieb lief, kann heute kaum mehr eine Schicht beschäftigen.

Die entscheidenden Fehler

Die entscheidenden Fehler

Damit nicht genug. Lampatz trieb auch die Auslandsexpansion voran. In allen bedeutenden europäischen Nachbarländern entstanden Niederlassungen, die beachtliche Kosten verursachen, aber nur überschaubare Gewinne oder gar Verluste einbrachten.

Fast alles, was der Entrepreneur nach 1999 anfasste, geriet zum Debakel. Eine E-Business-Plattform floppte, Beteiligungen an Internetfirmen erwiesen sich als Geldvernichtung. Vor allem aber übersah Lampatz, dass sein altes Geschäftsmodell nicht mehr trug: Maxdata verkaufte ausschließlich individuell gefertigte Computer und Monitore für Unternehmenskunden. Um den Absatz wirklich zu steigern, hätten auch Privatkonsumenten bedient werden müssen.

Aber erst ab September 2007, gut zweieinhalb Jahre nachdem sich Lampatz aus der operativen Verantwortung zurückgezogen hatte, verfügten seine Nachfolger über Geräte für die neue Klientel. Da allerdings war es schon zu spät. Denn CEO Stiegler hatte es versäumt, rechtzeitig die entsprechenden Vertriebskanäle zu erschließen. So stellte etwa Media Markt nur ein paar wenige Maxdata-Monitore in die Regale.

Hinzu kam, dass die Fachhändler, über die Maxdata seine Business-Kunden beliefert, über unverkäufliche, weil am Geschmack der Kunden vorbei entwickelte Notebooks klagten. Außerdem führten Fehler im Einkauf zu Lieferengpässen bei Monitoren aus China.

Insolvenzverwalter Winfried Andres soll nun retten, was kaum noch zu retten ist. Bei seinen Sanierungsbemühungen steht ihm ausgerechnet die Essener Unternehmensberatung Trecon zur Seite. Die versucht schon seit Jahren, Maxdata auf Vordermann zu bringen - vergeblich.

Produktion im Werk Würselen wird eingestellt

Ende August sprang auch der taiwanesische Computerbauer Quanmax, der als möglicher Käufer gehandelt worden war, wieder ab. Quanmax hatte erst im August die Mehrheit an dem österreichischen Computerhändler Gericom übernommen. Andres musste einen großen Teil der Maxdata-Belegschaft freistellen, um Liquiditätsengpässe zu vermeiden.

Rund 200 Mitarbeiter am Standort Würselen wurden daraufhin zum 1. September in eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft überführt. Das Werk in Würselen, das seit Mai 2007 den Namen Manulogs Manufacturing and Logistic Serices GmbH trägt, ist das einzige Produktionswerk innerhalb der Maxdata Gruppe. Nun verbleiben nur noch etwa 100 Mitarbeiter am Heimatstandort Marl, die sich überwiegend um Vertrieb und Service kümmern.

Das Produktionsvolumen für andere Kunden sei gering und wäre für eine dauerhafte Fortführung des Werks in Würselen nicht ausreichend, sagte Maxdata-Vorstand Ralf Coenen am Dienstag auf Nachfrage von manager-magazin.de. Während der nächsten Wochen werde die Produktion mit einer kleinen Kernmannschaft fortgesetzt.

Insolvenzverwalter Andres bemüht sich unterdessen darum, doch noch Investoren zu finden. Es gebe Gespräche mit weiteren möglichen Interessenten, heißt es. Doch die dürften weniger an dem Werk in Würselen interessiert sein als vielmehr an den bekannten Markennamen Maxdata und Belinea. Ziel der Investorengespräche ist es daher, das Geschäft zumindest am Standort Marl aufrechtzuerhalten.

Die Hauptlast des Desasters trägt Aufsichtsratschef Siegfried Kaske (57). Er leitete einst die Divaco, in die der Handelskonzern Metro 1998 seine nicht zum Kerngeschäft gehörenden Beteiligungen eingebracht hatte - darunter auch Maxdata-Anteile (47,7 Prozent). 2003 kaufte Kaske die Divaco für einen Euro; 2007 erwarb seine Frau Sonja weitere 22,9 Prozent der Maxdata-Papiere .

Aufseher Kaske, der 2007 auch Maxdata-Vorstand war, hätte wohl auf das Vermögen seiner Gattin besser aufpassen sollen. Ihre Aktien, für die sie knapp elf Millionen Euro an Vorbesitzer Lampatz zahlte, sind jetzt keine drei Millionen Euro mehr wert.

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