Südafrika-Knigge "Europäer haben Uhren, Afrikaner haben Zeit"

Knigge am Kap: Fünf Benimmfragen an Afrika-Kenner Prinz Asfa-Wossen Asserate. "Jedes Wort über die Gattin Ihres Gesprächspartners ist eines zu viel", warnt der Bestsellerautor im Gespräch mit manager magazin.
Von Michael Gatermann

mm: Prinz Asserate, gibt es spezifisch afrikanische Manieren?

Asserate: Der größte Teil unserer Manieren gilt universell, aber es gibt schon afrikanische Ausprägungen: So gilt das Alter auf dem Kontinent als ehrenwert, vielleicht weil es so wenige Alte gibt. Und während es anderswo zum guten Ton gehört, forsch und selbstbewusst aufzutreten, ehrt der höfliche Afrikaner seine Gesprächspartner stets als höherrangig - auch wenn sie es gar nicht sind. Ganz anders als in Asien und Europa sehen Afrikaner den körperlichen Kontakt als Zeichen der Verbundenheit, auch unter Geschäftsleuten. Nach dem Geschäftsabschluss umarmen sie ihr Gegenüber schon einmal.

mm: Wo drohen interkulturelle Probleme?

Asserate: Im Umgang mit Frauen. Jedes Wort über die Gattin Ihres Gesprächspartners ist eines zu viel. Sagen Sie nichts über ihr Aussehen, machen Sie keine Komplimente, laden Sie sie nicht mit zum Geschäftsessen ein. Die Frau tritt nicht in Erscheinung, es sei denn, sie ist - wie vor allem in Westafrika recht häufig - selbst Geschäftsfrau. Auch dann gilt: nichts Persönliches in der Konversation.

mm: Woran müssen sich Europäer in Afrika gewöhnen?

Asserate: An eine andere Auffassung von Pünktlichkeit. Ich rate jedem Geschäftsmann, dass er sich ein Taschenbuch einsteckt, wenn er zu einem Termin geht. Die Gesprächspartner sind häufig recht unpünktlich. Als ich kürzlich einen Geschäftspartner fragte, warum Afrikaner so gern zu spät kommen, lachte er und sagte: Die Europäer haben die Uhren, aber die Afrikaner haben die Zeit. Allerdings sollten Sie sich nicht alles gefallen lassen. Ich rufe kurz vor dem Termin an und dränge auf Pünktlichkeit. Manchmal hilft's.

mm: Haben Afrikaner ein Bild vom typischen Deutschen?

Asserate: Ja, der Deutsche gilt als der perfekte Europäer: diszipliniert, korrekt, unkorrumpierbar, auf die Minute pünktlich. Aber diese Sekundärtugenden haben in den Augen der Afrikaner eine Kehrseite: Die Deutschen sehen sie als besonders unflexibel und rigide. Zwei mal zwei ist da immer vier, Afrikaner lassen das Ergebnis auch mal ungerade sein und halten sich deshalb für besonders flexibel. Das kann im Geschäftsleben von Vorteil sein, für die Wirtschaftspolitik der afrikanischen Länder ist es meist verheerend, da wird Struktur gebraucht, da fehlt Rigidität.

mm: Hat die Globalisierung auch die afrikanischen Geschäftsleute verändert?

Asserate: Gewiss, der mittelständische Unternehmer aus Afrika hat inzwischen den gleichen Habitus und das gleiche Denken wie sein bayerischer Geschäftspartner. Er ist gewohnt, Englisch zu sprechen. Das prägt auch sein Denken, denn wer diese Sprache benutzt, ist mindestens zu drei Vierteln in der angloamerikanischen Welt angekommen. Das gleiche gilt für den bayerischen Mittelständler. Wir sind uns eben schon sehr gleich geworden. Ob diese Uniformität gut ist oder nicht, ist ein anderes Thema.

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