Golfplätze Gebunkertes Geld

Eine wachsende Schar von Unternehmern und anderen Großverdienern leistet sich den eigenen Course - oftmals an den schönsten Orten. manager magazin zeigt Ihnen, wohin die Reise lohnt.
Von Klaus Ahrens und Hanno Pittner

Es ärgert mich, dass immer in den Zeitungen steht: die Wella-Erbin. Ich habe die Anteile von Wella über 20 Jahre gehalten und am Erfolg des Unternehmens mitgearbeitet. Dabei ist mir nichts in den Schoß gefallen. Und, um das ganz klar zu sagen: Ich habe den Verkauf nicht gewollt."

Claudia Ebert, die resolute Brünette mit dem souverän bubenhaften Auftreten, fingert eine ihrer extralangen Zigaretten aus der Packung. Für einen Moment überschattet der Groll über den Wella-Deal vor fünf Jahren die sonnige Stimmung auf der Terrasse ihres Reetdachhauses in Keitum auf Sylt. Jenseits der Vergangenheitsbewältigung schuf der Verkauf der Firma (3,16 Milliarden Euro erlöste die weitverzweigte Sippe für ihre 78 Prozent) die Voraussetzung dafür, dass Claudia Ebert dieses Jahr zu einer neuen Ikone der Insel aufstieg.

Auf Sylt hat sie gemeinsam mit ihrem Sohn bereits einen ordentlichen Batzen ihres Anteils verbuddelt: Für 50 Millionen Euro entstand in Hörnum der traumhaft am Meer gelegene 18-Loch-Golfplatz Budersand mitsamt einem Fünf-Sterne-Hotel (Einweihung Mai 2009) neben dem kleinen Jachthafen am Südende der Insel.

"Mir wäre wichtig gewesen, alles zu erhalten", sagt die gelernte Betriebswirtin und Golferin (Handicap 16), "und ich hoffe, dass ich mit etwas Ähnlichem wieder beginnen kann: Menschen Arbeitsplätze geben und meinen Kindern ein Vorbild, indem ich mit dem Geld etwas schaffe."

Claudia Ebert ist mit ihrem Engagement in bester Gesellschaft. Denn unter golfenden Unternehmern ist es nachgerade guter Brauch, dem Spiel auf einem eigenen Platz nachzugehen. Oder auch auf mehreren, gern auch fern den heimatlichen Gefilden.

In dem erlauchten Kreis gibt es durchaus klangvolle Namen: Klaus Conrad (Elektronik) und die Familie Gütermann (Garne) ebenso wie Hans-Peter Porsche (Automobil) und Hans Riegel (Haribo) oder Hasso Plattner und Dietmar Hopp (SAP), nicht zu vergessen Gloria von Thurn und Taxis (Adelsbesitz). Der gehört ein weltabgeschiedener Platz an der Donau in einem Waldtal gleich hinter der Walhalla bei Regensburg.

Der Luxus eines eigenen Spielplatzes

Aber auch eher unbeschriebene Blätter wie der Hannoveraner Wirtschaftsanwalt Ingolf Böx (Handicap 12) und Ehefrau (Handicap 7) gehören dazu.

Das Ehepaar verfügt gleich über vier Golfplätze, einen in Niedersachsen, einen auf Mallorca und zwei in North Carolina. Und es zählen seit Langem die Aldi-Brüder Theo (Platz auf Föhr) und Karl Albrecht (Platz bei Donaueschingen) dazu, von denen allerdings niemand sagen mag, ob sie den Schläger überhaupt noch schwingen können.

Was treibt Industrielle und andere Großverdiener, sich den Luxus eines eigenen Spielplatzes zu leisten? Wozu investieren sie zweistellige Millionenbeträge und oftmals viel Zeit in Anlagen, auf denen am Ende doch überwiegend Fremde das Spiel machen?

Eine Rolle spielt offenbar das Vorbild der Amerikaner, die das Golfen zum Bestandteil der Business-Kultur gemacht haben. An der Spitze steht Donald Trump. Der Baulöwe besitzt neben dem Trump International in West Palm Beach rund 40 weitere Plätze in Kalifornien, Panama und der Karibik, Plätze von oftmals exotischer Schönheit. Freilich steht bei Trump nicht das Pläsier im Vordergrund, sondern der Profit.

Seine Landsleute Herb Kohler, renommiertester Sanitärlieferant der USA, und Julian H. Robertson, gestrauchelter Hedgefondsmanager, hingegen trieb der Ehrgeiz, wirkliche Spitzenplätze anzubieten. So ließ Kohler, Eigentümer von vier Plätzen, unlängst in Wisconsin den Platz "Whistling Straits" am Michigan See anlegen, unter Kennern derzeit die Nummer eins in den USA. Robertson legte nach seiner Bauchlandung mit dem Tiger-Hedgefonds im März 2000 einen Teil seines verbliebenen Geldes in zwei Plätzen in Neuseeland an, Cape Kidnappers und Kauri Cliffs. Die beiden an malerischen Felsküsten gelegenen Plätze gelten unter Golfern als erste Adressen weltweit.

"Ich hatte Anfang der 90er Jahre viel zu tun in Amerika", erzählt Klaus Conrad, der Senior von Conrad Electronic, "dort lernte ich: Wenn du Geschäfte machen willst, musst du Golf spielen."

Doch Conrad störte bald die einstündige Anfahrt zum nächstgelegenen Platz in der Oberpfalz. Und er sagte sich: Golf ist Trendsport, also baue ich mir einen eigenen Platz.

Genügend reiche Leute auf der Insel

Aber Conrad wollte nicht auf irgendeinem "Wald- und Wiesenplatz", sondern gleich in der ersten Liga mitspielen. Und so engagierte er mit dem amerikanischen Golfplatzarchitekten Jerry Pate einen US-Open-Sieger, der ihm einen Traumkurs in die Hügel des Oberpfälzer Waldes legte.

"Eine gute Investition", sagt Conrad heute. Inzwischen zählt der Golfclub Schwanhof 750 Mitglieder, die 1300 Euro Jahresbeitrag zahlen. Der Platz wurde vielfach ausgezeichnet und gilt zusammen mit dem Fünf-Sterne-Hotel "Burg Wernberg" samt Sterne-Küche als ideales Luxusensemble. "Andererseits", wiegelt Conrad ab, "ist der private Golfplatz reines Mäzenatentum. Große Gewinne können Sie da nicht rausholen."

Das fürchtet auch Adam Pamer (Handicap 12), der erste Erfahrungen mit seinem Golfkurs der Luxusklasse auf Mallorca gemacht hat. Der Mitinhaber der Fensterfirma Hapa AG aus Herrieden nahe dem bayerischen Ansbach ist gerade vom Flughafen von Palma im Golfclub Son Gual eingetroffen. Drei Freunde warten bereits auf den Beginn der versprochenen Partie.

Am Anfang seines Golfabenteuers stand die Erkenntnis, dass "die Plätze auf Mallorca mehr als bescheiden sind". Deshalb verfiel er auf die Idee mit dem eigenen Platz: "Meine Güte, wenn da mal einer eine richtige Anlage bauen würde, müsste das doch funktionieren."

Ende 1998 kam die grosse Chance. Pamer sicherte sich ein 156 Hektar großes zusammenhängendes Grundstück samt Golfplatzlizenz. Angeblich mit Zugriffsrechten auf kostbares Nass für die Bewässerung. Doch davon wollte die Administration anschließend nichts mehr wissen. Also musste er erst Anlagen für die Klärwasseraufbereitung bauen. Am Ende standen 38 Millionen Euro auf der Golfplatzrechnung.

"So hab' ich das am Anfang gar nicht vorgehabt", sagt Pamer, genießt aber durchaus den Blick auf den alten Palacio inmitten des Platzes. "Nach meinen ursprünglichen Vorstellungen hätte das vielleicht ein Drittel kosten sollen. Aber es gibt genügend reiche Leute auf der Insel, die werden sich doch auch einmal ein teureres Greenfee leisten können."

Abschlag in die böigen Fairways

Und so verlangt er heute stolze 150 Euro für das Spiel. Nach erstem Murren werden die inzwischen gern bezahlt, denn wer den Platz einmal erlebt habe, sagt Pamer, komme immer wieder.

Auf die reichen Leute hofft auch Claudia Ebert, obwohl sie nur 50 Euro Greenfee nimmt.

Die Frau in Jeans und weißem Zopfmusterpullover schwingt sich in ihren Mini und fährt den Gästen voraus nach Süden durch das karge Hügelreich. Nach 15 Minuten Fahrt biegt sie ein in den Wirtschaftshof von Budersand. Mit einem Elektroauto geht es auf die leere Bahn zwischen weitläufigen Strandhaferanpflanzungen. Der Blick schweift über das Wattenmeer, bei Abschlag 15 tauchen die Inseln Föhr und Amrum am Horizont auf. Eine Traumansicht.

Und dann der Wind. Auf dem bislang einzigen nach schottischem Vorbild an die Küste gerückten Links Course in Deutschland wird das Spiel zum Kampf mit den Elementen, die Bahn der Bälle kann nach dem windstillen Abschlag in die böigen Fairways niemand voraussehen. Ein ganz neues Golfgefühl.

Auch für Claudia Ebert, die viele Turniere hinter sich hat und Ladies Captain im Golfclub Darmstadt war. Sie versichert aber, dass der Platz trotz seiner Widrigkeiten auch Erfolgserlebnisse gewähre.

Etwa wenn sie auf Bahn 18 nur den Hörnumer Leuchtturm als Zielpunkt für das Grün hat und der Ball dann doch nicht im Rough landet.

"Einfach ein paar Loch gehen und man bekommt den Kopf frei von allen Dingen, die im Alltag belasten", sagt Claudia Ebert. "Ich kann dann Probleme wenigstens für eine kurze Zeit ausblenden und daraus Kraft schöpfen."

Die kann sie gut gebrauchen - ihr künftiges Fünf-Sterne-Hotel am Hafen ist noch nicht viel mehr als eine rohe Baustelle.

Quiz: Sind Sie ein Golf-Profi? Kein Glanz für Gloria: Wie gut sind die Golfplätze der Unternehmer?

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.