Mittwoch, 13. November 2019

John Paulson "Es war wie einen Jackpot zu knacken"

John Paulson, der bestverdienende Hedgefondsmanager der Welt, erklärt im Gespräch mit manager magazin, wie er erfolgreich gegen den Immobilienmarkt spekulierte und warum er seinen Milliardengewinn nicht feierte.

mm: Mr. Paulson, Sie sind schon lange erfolgreich im Geschäft. Bis zu Ihrem milliardenträchtigen Engagement am Subprime-Markt haben Sie aber nie auf die Entwicklung ganzer Märkte spekuliert. Ihr Ziel waren immer einzelne Unternehmen, in Deutschland etwa der Chemiekonzern Celanese. Was hat Sie dazu getrieben, Ihre Strategie zu ändern?

Paulson: Wir haben unsere Strategie gar nicht geändert. Wir machen "event arbitrage". Das heißt, wir konzentrieren uns auf unternehmerische Sondersituationen, in denen unser Gewinn von der Entwicklung des jeweiligen Unternehmens abhängt und damit unabhängig ist vom Rest des Marktes. Das kann der Fall sein, wenn Firmen fusionieren. Man spricht dann von "merger arbitrage". Es gibt aber auch andere Sondersituationen, Restrukturierungen etwa. Und schließlich gehört auch "distressed investing" dazu. Dann investieren wir in Firmen, die in einer Krise stecken. Genau das war jetzt der Fall.

mm: Wie genau sind Sie vorgegangen?

Paulson: Die meisten Distressed-Investoren bauen nur "Long"-Positionen auf. Das heißt, sie kaufen Anleihen von kriselnden Unternehmen und hoffen auf steigende Kurse. Von 2002 bis 2004 kamen unsere Gewinne auch aus solchen Long-Positionen.

mm: Sie änderten dann Ihre Strategie?

Paulson: Wir waren einzigartig, weil wir in unsere Überlegungen immer auch die "Short"-Perspektive miteinbeziehen, also die Möglichkeit, nicht auf steigende, sondern auf fallende Kurse zu setzen. Als wir 2005 sahen, dass sich die Verzinsung von Anleihen mit hoher Bonität und solchen mit geringer Bonität immer mehr annäherte, bauten wir Short-Positionen in den minderwertigen Bonds auf.

mm: Warum?

Paulson: Weil dort eine gigantische Fehlbewertung stattfand. Risiko und Ertrag standen in einem völlig falschen Verhältnis zueinander. Hunderte Milliarden von Dollar wurden in sehr risikoreiche Anleihen mit einem Triple-B-Rating investiert, obwohl die Anleger dafür nur ein Prozent mehr Zinsen bekamen als für US-Staatspapiere.

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mm: Sie sagten einmal, Sie hätten nie zuvor in Ihrem Leben eine Anlagemöglichkeit mit derart limitiertem Risiko und gleichzeitig nahezu unbegrenzten Chancen gesehen. Können Sie das erklären?

Paulson: Stellen Sie sich vor, Sie bauen eine Short-Position in Anleihen auf, spekulieren also darauf, dass deren Kurse fallen. Ihr Risiko ist dann, dass die Kurse während der Laufzeit steigen, denn dann machen Sie mit einer Short-Position Verluste. Nehmen wir weiter an, dass die Anleihen zum Zeitpunkt der Investition ungefähr bei ihrem Nominalwert, also 100 Prozent, notieren. Das war bei den Subprime-Papieren der Fall. Die Bonds hatten eine Laufzeit von drei Jahren, nach deren Ablauf sie zu 100 Prozent zurückgezahlt werden sollten. Das bedeutete, dass der Kurs der Bonds am Ende gar nicht über 100 steigen konnte. Unser Risiko beschränkte sich also selbst im Worst Case auf Zinskosten, die Sie als Inhaber einer Short-Position immer in Kauf nehmen müssen. Das war aber gerade mal ein Prozent pro Jahr auf das eingesetzte Kapital.

© manager magazin 7/2008
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