Dienstag, 18. Juni 2019

Benckiser Von Calgon bis Bally

6. Teil: Gegenstück zur Heuschrecke

Die Produktbereiche, in denen man Firmen akquirieren will, hat die Labelux-Führung definiert: erst Accessoires, also Schuhe und Lederwaren. Dann "Hard Luxury", wie Peter Harf es nennt, wozu er Schmuck und Uhren zählt. Zuletzt Ready-to-wear, also Bekleidung. Hauptkorn: "Ready-to-wear ist bei Accessoires-Marken häufig ein Weg, um diesen noch mehr Visualität und Emotionalität zu verleihen."

Potenzielles Mitglied im Labelux-Board: Domenico De Sole war langjähriger Chef der Gucci Group
Vorbilder gibt es für Hauptkorn und Harf. Ex-Berater Hauptkorn sagt zwar, dass "wir uns nicht an einem bestimmten Unternehmen orientieren". Doch die französischen und italienischen Edelmarken gelten schon als Benchmarks. Insbesondere die Gucci Group ist durchaus ein Vorbild für Peter Harf.

Zu diesem Anspruch passt, dass die ersten Namen von potenziellen Mitgliedern eines noch zu installierenden Labelux-Boards kursieren. Zum Beispiel Adrian Bellamy (66) und Domenico De Sole (64). Beide sind gute Freunde von Peter Harf, aber auch ehemalige Manager von Gucci. Bellamy war Chairman, De Sole sogar langjähriger Chef der Gucci Group, die er in den 90er Jahren vor dem Bankrott rettete und danach zu einem erfolgreichen Mehr-Marken-Unternehmen (unter anderem mit Bottega Veneta, Boucheron und Yves Saint Laurent) ausbaute.

Freilich hat nicht nur Labelux die Luxusbranche als lukrative Geldquelle entdeckt. Schon seit zwei, drei Jahren tummeln sich die Private-Equity-Firmen in dem vielversprechenden Segment. Zudem treten immer mehr reiche Investoren aus dem Nahen wie dem Fernen Osten auf, die nicht nur teure Handtaschen oder Uhren kaufen wollen, sondern gleich das ganze Unternehmen. Und auch die etablierten Luxuskonzerne wie LVMH, PPR oder Richemont Börsen-Chart zeigen versuchen ihr Portfolio zu erweitern.

Doch Hauptkorn sagt selbstbewusst: "Wir haben keine Angst vor Mitbietern." Erstens hat Labelux genug Kapital, zweitens ein gutes Image. Die Labelux-Macher empfehlen sich als menschliches Gegenstück zur Heuschrecke. "Unsere Strategie heißt nicht Buy-and-Sell, sondern Buy-and-Build", sagt Hauptkorn.

Wenn die Macher von Labelux ein Unternehmen kaufen, dann bleiben sie langfristig dabei - und sie werden in die Marken investieren. So haben Harf und seine Leute Benckiser und Coty groß gemacht, und so wollen sie auch Labelux groß machen - worüber sich sicher irgendwo in der Kurpfalz die Reimanns ganz im Verborgenen freuen werden.

© manager magazin 7/2008
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