Montag, 17. Juni 2019

Benckiser Von Calgon bis Bally

2. Teil: Restgedankengut der 68er-Generation

Nein, der Peter Harf, der an diesem Abend am New Yorker JFK-Flughafen aus dem Lufthansa-Jumbo steigt, könnte auch als gut gekleideter Tourist durchgehen. In dunkelblauen Jeans, schwarzem T-Shirt und schwarzer Lederjacke macht der drahtige Kölner, der fast täglich läuft, eine gute Figur.

Globales Markenimperium: Geschirrspüler-Tabs von Calgonit, Edelparfüms von Calvin Klein sowie Designerschuhe und Handtaschen von Bally
[M] PR; mm.de
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Harf ist ein unprätentiöser Manager. Er sagt, er habe noch Restgedankengut der 68er-Generation in sich, was in Kombination mit seiner angeborenen rheinischen Leichtigkeit eine nicht unsympathische Mischung ergibt.

Und Harf ist ein wirklich globaler Manager. Er sitzt in Boards von Firmen in London, New York und Wien. Er pendelt zwischen Alter und Neuer Welt, wohnt in Mailand und in einem Loft in New Yorks alternativ-schickem Tribeca-Viertel. Auf der abendlichen Fahrt vom Flughafen dorthin erklärt er, wie er das reimannsche Vermögen durch sein Handeln in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten vermehrt hat.

Er hatte gerade ein paar Jahre als Berater bei der Boston Consulting Group (BCG) hinter sich, als er Anfang der 80er bei Benckiser in Ludwigshafen anfing. Das Unternehmen im Besitz der Reimanns machte damals rund 450 Millionen Mark Umsatz, vor allem mit dem Wasserentkalker Calgon und diversen Spezialchemikalien.

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In diese mittelständische Idylle platzte der junge Harf mit der provokanten Frage: "Was können wir tun, um auf fünf Milliarden Mark Umsatz zu kommen?" Erst ungläubiges Schweigen unter den Kollegen, dann zustimmendes Nicken der Gesellschafter: Machen Sie mal.

Harf, für den Visionen ganz wichtig sind, stieß das Chemiegeschäft ab und kaufte im Laufe der 80er Jahre rund 25 Marken im Wasch- und Reinigungsmittelbereich. Am Ende der Einkaufstour war Benckiser in diesem Branchensegment einer der europäischen Marktführer.

1999 fusionierte Benckiser (Umsatz: 3,5 Milliarden Mark) mit dem größeren britischen Konkurrenten Reckitt & Coleman zu Reckitt Benckiser, an dem die Joh. A. Benckiser SE - die Holding der Reimanns - derzeit mit rund 15 Prozent beteiligt ist.

© manager magazin 7/2008
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