Private Banking Kickback-Krise

Viele Geldhäuser hier zu Lande weigern sich, ihren Kunden bislang einbehaltene Vertriebsprovisionen zu erstatten. Vermögende Anleger stellen sich jetzt quer - mit Erfolg.
Von Patricia Döhle

Das Schreiben der Deutschen Bank  an ihren Kunden, einen vermögenden Hamburger Geschäftsmann, schien unspektakulär, eine Routineangelegenheit: "Rahmenvereinbarung für Wertpapiergeschäfte - Neues Formular nach Inkrafttreten der MiFID am 1.11.2007" hieß es in der Betreffzeile.

Im Folgenden bat das Geldhaus darum, eine neue Rahmenvereinbarung zu unterzeichnen, die etwa "die Zustimmung zur Ausführung von Wertpapiergeschäften außerhalb organisierter Märkte und multilateraler Handelssysteme und die Zustimmung zur Bereitstellung von Informationen auf einer Internetseite" betreffe.

Die allermeisten Kunden, die sich von deutschen Banken in Wertpapierfragen beraten lassen, bekamen in den vergangenen Monaten Post mit ähnlichem Tenor: In höflichen und harmlos klingenden Worten ersuchten die Geldhäuser ihre Anleger um Zustimmung zu neuen Geschäftsbedingungen als Folge einer Ende vergangenen Jahres in Kraft getretenen europäischen Finanzrichtlinie namens MiFID (Markets in Financial Instruments Directive). So manch ein Kunde dürfte die Vereinbarungen arglos unterzeichnet haben - in der Annahme, dahinter verberge sich nichts weiter als die technische Anpassung alter Verträge an eine neue Gesetzeslage.

In Wahrheit geht es den Geldhäusern aber um etwas ganz anderes. Sie nutzen die notwendige Umstellung der Verträge, um ihren Kunden eine Klausel unterzujubeln, mit der die Anleger auf Provisionen in Millionenhöhe verzichten.

Es geht um Kickbacks, die Fondsgesellschaften und andere Anbieter von Finanzprodukten den Banken zahlen, um damit deren Vertriebsleistung anzukurbeln. Nach Meinung einer zunehmenden Zahl von Juristen - mittlerweile sogar aus dem Bankenlager - stehen diese Gelder aber eigentlich den Kunden zu.

Bislang ahnten die meisten Anleger nichts von der Existenz derartiger Kickbacks. Umso unangenehmer ist es für die Institute, dass die MiFID sie seit dem 1. November vergangenen Jahres zur Offenlegung dieser Provisionen zwingt. In der Finanzbranche, ohnehin gebeutelt von den Verlusten aus der Subprime-Krise, geht seither die Angst vor Rückforderungen der Kunden und dem nächsten großen Ertragseinbruch um: Um bis zu 40 Prozent, schätzen Experten, könnten die Gebühreneinnahmen im Private Banking schrumpfen, wenn die Banken ihre Vertriebsprovisionen an die Kunden herausgeben müssten.

Die Front der Banken bröckelt

Um einem Preisrutsch vorzubeugen, startete die Finanzbranche bereits Ende vergangenen Jahres ihre Serienbriefe. Das Ziel der Banker, intern offen kommuniziert: Alle Kunden sollen unterschreiben. Offiziell mag das freilich niemand bestätigen. Zu unangenehm ist den Banken mittlerweile offenbar ihr Versuch, sich mittels standardisierter Briefe um unangenehme Preisdiskussionen zu drücken.

Die Sorge ums Image ist mehr als berechtigt: Vor allem unter vermögenden Kunden ist der Unmut über den Versuch der Geldinstitute, ihnen den Verzicht auf Provisionen im Kleingedruckten unterzuschieben, groß.

Hinzu kommt der Ärger über die Höhe der bislang vorenthaltenen Kickbacks, die selbst bei Kunden, die keine Vermögensmillionäre sind, leicht einige Tausend Euro jährlich ausmachen können. Viele der sogenannten High Networth Individuals wollen das Geld ausgezahlt bekommen - auch um sicherzugehen, dass ihnen künftig keine Fonds oder Zertifikate mehr nur der hohen Provisionen wegen ins Depot gedrückt werden.

"Eine große Zahl von Anlegern will mittlerweile jeden Interessenkonflikt zwischen Bank und Kunde vermeiden", bestätigt Eberhard Hofmann, bei der Hamburger Berenberg Bank fürs Private Banking zuständig. Berenberg hat darauf reagiert. "Wir tragen dem Rechnung und bieten Gebührenmodelle, bei denen wir sämtliche Bestandsprovisionen auszahlen."

Ähnlich handelt das Frankfurter Bankhaus Metzler. "Wir geben im Rahmen der Preisvereinbarung sogenannte Kickbacks oder andere Zuwendungen, die wir im Zusammenhang mit dem Kauf und Verkauf von Investmentfonds erhalten, an die Kunden weiter", erläutert Martin Philippi, Leiter der Hamburger Niederlassung.

Die Front bröckelt: Wie sich Banken im Streit über Vertriebsprovisionen verhalten

Anbieter Position
Großbanken keine Erstattung der Provision an Kunden
Sparkassen keine Erstattung der Provision an Kunden
Volksbanken keine Erstattung der Provision an Kunden
Privatbanken teilweise wird Anspruch der Kunden auf Herausgabe der Provision anerkannt (z. B. Metzler, Berenberg, Quirin)

Die Beispiele Berenberg und Metzler zeigen: Die Front der Banken bröckelt. Zwar haben viele Großbanken-Vorstände an ihre Berater Argumentationshilfen verteilt für den Fall, dass Kunden sich weigern, die neuen Verträge zu unterzeichnen. In der Praxis lässt sich die harte Linie aber trotzdem kaum durchziehen.

Wenn gute Kunden mit dem Abzug ihres Vermögens drohen, knicken die Berater in aller Regel ein und bieten an, die Provisionen zumindest teilweise zu erstatten. Gute Karten haben auch Anleger, die sich in den Verhandlungen mit den Finanzinstituten von Profis vertreten lassen. "Wir haben mittlerweile mit fast allen Banken zufriedenstellende Lösungen für unsere Kunden gefunden", bestätigt Thomas Lange von der Hamburger Vermögensverwaltung Lange Assets & Consulting.

Ein Deal, den vor allem Großbanken häufig offerieren: Die Kunden unterzeichnen die Verzichtsklausel. Die Bank darf also weiterhin die Provisionen einbehalten. Dafür reduziert sie aber die übrigen Gebühren in entsprechender Höhe.

Genauso verfuhr am Ende auch die Deutsche Bank nach einem längeren Gespräch mit dem Hamburger Geschäftsmann, den sie wie so viele andere per Post um Verzicht gebeten hatte. Den Brief hätten sich die Frankfurter sparen können.

Mit Banken verhandeln: Was Anleger wissen sollten

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