Sonntag, 16. Juni 2019

Porträt Die fabelhafte Welt der Treichls

9. Teil: "Den Trend umdrehen"

Von Fondsmanagern wie John Paulson, der konsequent auf den Zusammenbruch des Subprime-Marktes gesetzt "und das mit bewunderungswürdiger Zähigkeit über einen Zeitraum von fast zwei Jahren durchgehalten hat". Am Ende habe er aus etwa 1,2 Milliarden mehr als 8 Milliarden Dollar gemacht. "The Trade of the Century" nenne man das in London, sagt er bewundernd, "das ist schon was".

für mm 05/2008 Seite 194

Er selbst gibt sich zufrieden. "Wir haben ein Modell gefunden, in dem man auch in schwierigen Zeiten einen zufriedenstellenden Return erreicht." Und er sieht auch nicht düster in die Zukunft. "Die Selbsterneuerungskraft der Amerikaner wird immer wieder unterschätzt." Ernster schätzt er die Gefahr ein, dass Deutschland in den Durchschnitt abgleitet, "wäre ich Deutscher, würde ich mich sorgen".

Am nächsten Tag haben sich in der Mittagssonne die Blüten der großen alten Magnolienbäume geöffnet. "Noch schöner", sagt der Hausherr, "sieht es aus, wenn die Glyzinien am Haus blühen." Die Rehe liegen jetzt im Schatten, unter den Bäumen. Emma, hoch zu Ross, die Kinder auf Ponys im Schlepp, kommt langsam einen Hügel herunter, ein Bild wie auf einem Gemälde des 19. Jahrhunderts. "Ich glaube, dass die Welt ganz in Ordnung ist", stellt Treichl fest. Er ist kein Mann des Überschwangs.

Hat er nicht seinen Lebenstraum erreicht? Das, wovon sein Vater immer träumte?

Das sehe er eigentlich nicht so, meint er sachlich. Seine Vorfahren hätten immer wieder Geld verloren, Land und Besitztümer verkaufen müssen. "Mein Bedürfnis war es, diesen Trend umzudrehen."

Auch das Sommerhaus von Großtante Melanie Ferstel, geborene Thorsch, war im Tudorstil gebaut, erinnert Heinrich Treichl in seiner Biografie. "Da gab es einen Gartensaal mit einem riesigen Kamin und einem Geländer, auf dessen gepolstertem Lederrand man sitzen konnte."

Auf solchem Geländer sitzen jetzt wieder Kinder in Dorset. Die heile Brühler Gartenwelt. Sie ist wieder da. - Wie lange mag sie dieses Mal dauern?

In der Bibliothek haben wir die roten Jahrgangsreihen der "Fackel" nicht gesehen.

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