Freitag, 23. August 2019

Porträt Die fabelhafte Welt der Treichls

7. Teil: Von Deutschen nichts gefallen lassen

Treichl erklärt den wirtschaftlichen Erfolg seiner Bank in den Grenzen der k. u. k. Monarchie gern mit alten Gemeinsamkeiten. Österreich stehe nun einmal den Ungarn und Tschechen näher als den Deutschen. - Gilt das bis heute? - "Absolut! Von unserer Denkweise und der Art, wie wir Geschäfte machen."

Andreas Treichl: "Das ist eigentlich mein größtes Problem. Ich spiele gern Klavier, ich liebe Konzerte, ich bin im Musikverein, ich kriege tolle Bücher geschenkt, aber komme zu nichts, das ist mitunter frustrierend."

Deutsche seien direkter, sie sagten ihrem Gegenüber auch unangenehme Sachen ins Gesicht. Österreicher sagten lieben alles hintenherum. "Deutsche, die bei uns arbeiten, tun sich schwer", meint Treichl, "wir Österreicher sind ja eigentlich Deutsch sprechende Balkanesen."

"Man darf sich von den Deutschen nichts gefallen lassen, dann sind sie durchaus 'traitabel' ", hat die Großmutter einst geraten. "Sie sind im Grunde nette und anständige Leute, nur manchmal taktlos und uns Österreichern gegenüber oft überheblich." Jetzt macht der Enkel den bayerischen Sparkassen den Hof. Bayern sei ein toller Markt, der regional gut zur Ersten passe. Und er meint: "Irgendwann werden wir in Deutschland landen."

Andreas Treichl hat den Monitor ausgestellt. Und spricht vom Leben, für das er keine Zeit mehr findet. Von Musik. Theater. Literatur. "Das ist eigentlich mein größtes Problem. Ich spiele gern Klavier, ich liebe Konzerte, ich bin im Musikverein, ich kriege tolle Bücher geschenkt, aber komme zu nichts, das ist mitunter frustrierend." Für diese Defizite entschädige die Familie. "Meine Frau, die Kinder ... das genieße ich, das ist herrlich."

Ehefrau "Desi" stammt aus bester Familie, ihr Urgroßonkel war Ministerpräsident in der k. u. k. Monarchie. Sie habe sich jedoch, wie sie in Interviews freimütig verriet, als Vollwaise verarmt durchs Leben schlagen müssen. Jetzt genießt es die Lifestyle-Expertin, im Mittelpunkt zu stehen. Die "Seitenblicke", Österreichs Klatschsendung Nummer eins, haben einen neuen Star. Und der Ehemann meint: "Das ist eine neue Erfahrung für mich. Wir gehen irgendwohin, und die Leute stürmen auf meine Frau." Und er selbst, gar keine Spielzeuge? - "Ich hab eine Harley seit 1993, aber das ist natürlich eine Zeitfrage. Bei diesem Druck, den wir uns hier machen ..." Er hat den Monitor wieder angestellt. Und will es nicht fassen: "Wir brechen regelrecht ein."

Welche Rolle reizte ihn mehr? Welche Karriere würde er wählen? Haben wir Vater Heinrich gefragt. Die von Sohn Andreas? Oder doch die von Michael? Und der alte Herr hat, ohne ein Zögern, geantwortet. "England. Die Selbstständigkeit." Und auch Andreas Treichl weiß sofort, was seinem Vater besser gefällt: "Das Leben von meinem Bruder. Weil er das hat, was er selbst immer haben wollte: internationalen Glanz. Und dann dieser Landsitz ..."

Parnham House liegt in Dorset, im Süden von Beaminster. Hat man das Tor durchfahren, fällt der Blick in eine ideale Landschaft, eine "ornamented farm", wie sie Caspar Voght im Jenischpark an der Hamburger Elbchaussee zu kopieren versuchte. Es gibt sanfte Hügel, einen veritablen Fluss, Wege, See und Alleen und eine Herde Damwild, ungezählte Rehe und Hirsche, die sich wie in Zeitlupe mit anmutigen Sätzen von der Straße wegbewegen, als der Wagen passiert. Das Tudor-Haus aus der Zeit Elisabeths I. gilt als eines der schönsten historischen Gebäude Dorsets; in der Great Hall ist ein Datum eingeritzt: 1559.

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