Work-Life-Balance Mehr Zeit für Tango

Er hält strenge Informationsdiät, liest seine Mails nur einmal pro Woche, verabscheut Meetings und delegiert bis zum Exzess. Jungunternehmer Timothy Ferriss erklärt, warum vier Stunden Arbeit pro Woche völlig ausreichend sind.

Erkenntiswert: Der Mann ist 30 Jahre alt, war chinesischer Meister im Kickboxen, hält einen im Guinness-Buch eingetragenen Weltrekord im Tangotanz und Vorträge in Princeton. Thema: "Drogenhandel als Einnahmequelle und um Spaß zu haben". Was nichts Ungesetzliches, sondern eine flapsige Beschreibung von Timothy Ferriss' kleinem Hobby ist - ganz nebenbei leitet er höchst erfolgreich ein internationales Versandunternehmen für Nahrungsergänzungsmittel.

"Nebenbei" ist durchaus wörtlich zu verstehen, denn Ferriss' Arbeitsethik ist so schlank und prägnant wie der Titel seines US-Bestsellers: "Die 4-Stunden-Woche". Sein "Management by Absence" basiert auf einer Handvoll Prinzipien, die der Autor mit jesuitischer Disziplin durchzieht, etwa die umfassende Anwendung des 80/20-Prinzips von Pareto: Ferriss konzentriert sich auf die 20 Prozent der Kunden, die 80 Prozent des Umsatzes bringen. Er hält strenge Informationsdiät, liest seine Mails nur einmal pro Woche, verabscheut Meetings und delegiert bis zum Exzess. Alle unwichtigen Aufgaben (auch bei Privatangelegenheiten wie Haushalt und Behördengänge) hat er an Dienstleister ausgelagert.

Stil: Ferriss' flotte Schreibe und seine plastischen Beispiele lesen sich, als hätte ein Surfer mit einem Managementkurs gekämpft - und gewonnen. Obwohl er seine Tipps als Lifestyle-Design versteht, gleitet er nur selten in die nervige "Hey, du schaffst es"-Attitüde der Lebensratgeber ab.

Nutzwert: Die von Ferriss propagierten "new rich" sind keine Millionäre, aber auch keine wollsockenen Schafzuchtspinner. Sie haben gute Jobs, aber sie konzentrieren sich auf das Wesentliche, anstatt unzählige Stunden mit öder Routine zu vergeuden. Auch für die angestellte Führungskraft hält das Buch viele verblüffend simple und effiziente Waffen gegen Zeitfresser und Monotonie bereit. Nur die radikale Vier-Stunden-Woche wird für die meisten wohl ein exotischer Traum bleiben.

rot rot statt orange seit März 2006, da neues Heftlayout

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Foto: manager-magazin.de
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