Brioni-Chefin De Simone Heimattreu

Die Nachfrage nach Maßgeschneidertem ist sprunghaft gewachsen. Davon profitiert der Nobelschneider Brioni. Mitinhaberin und Gründerenkelin Antonella De Simone spricht im Interview über Börsenpläne, asiatische Verlockungen und Bond-Darsteller Daniel Craig.
Von Klaus Ahrens und Hanno Pittner

mm: Signora De Simone, Ex-Kanzler Schröder zeigte sich gern in Brioni-Anzügen. Wie würden die Kleider aus Ihrem Haus seiner Nachfolgerin, Frau Merkel, stehen?

De Simone: Unsere Linie für die Frau ist auf Karrierefrauen ausgerichtet. Frau Merkel ist eine Frau, die sehr viel Macht hat, eine bedeutende Persönlichkeit. Sie gehört also zu unserer Zielgruppe.

mm: Mit der Damenkollektion ist Brioni - im Gegensatz zu den Erfolgen bei Männern - bisher nicht sehr glücklich geworden. Woran liegt das?

De Simone: Brioni ist 1945 gegründet worden, von Anfang an hat es eine Damenkollektion gegeben, die sich auf 8 bis 10 Prozent des Umsatzes belief. Unsere Business-Damenkollektion ist deshalb aber kein Misserfolg gewesen, sie hat einen stabilen Werdegang gehabt und wird ihn auch weiter haben. Aber wir sind uns der Tatsache bewusst, dass Brioni eigentlich eine Männermarke ist.

mm: Vergangenen Sommer hat Brioni erstmals Jahreszahlen vorgelegt - mit einer Gewinnsteigerung von 43 Prozent auf 35,5 Millionen Euro und einer Umsatzrendite von 18,4 Prozent. Für ein mittelständisches Unternehmen mit 1200 Schneidern und 70.000 Anzügen pro Jahr ein ansehnliches Ergebnis.

De Simone: Die Nachfrage nach Maßgeschneidertem ist sprunghaft gewachsen. Immer mehr bedeutende Menschen, nicht nur die Reichen, sondern solche, die schneiderische Exzellenz suchen, verlangen das absolut Beste. Und weil wir seit jeher diese Qualität gewährleisten, geht es uns gut.

mm: Die Veröffentlichung der Zahlen hat Spekulationen über einen Börsengang oder ein Angebot von Investoren ins Kraut schießen lassen, die von der Familie heftig dementiert wurden. Bleibt es dabei?

De Simone: Vorläufig bleibt Brioni ein Familienbetrieb. Aber der Börsengang ist etwas, das wir dennoch langfristig anstreben. Unser Unternehmen funktioniert bestens, aber um in Zukunft die Herausforderungen dieses Marktes mit seinen hohen Marketingkosten annehmen zu können, brauchen wir frische Mittel, die wir durch einen Börsengang gewinnen wollen. Das soll aber nicht sofort geschehen.

"Die wertvollsten Stoffe"

mm: Wann soll es so weit sein? Noch in diesem Jahrzehnt?

De Simone: Vermutlich in den nächsten drei Jahren.

mm: Wie entwickelt sich Brioni in Deutschland?

De Simone: Deutschland stand seit jeher nach den USA und Italien an dritter Stelle. Vor Kurzem ist es auf den vierten Platz gerückt, nämlich von Russland überholt worden, weil dort die Nachfrage so stark zugenommen hat.

mm: Die Luxusgüterhersteller profitieren von den neuen Reichen in Russland und Asien. Sind Sie dort schon ausreichend präsent?

De Simone: In Russland sind wir in den großen Modehäusern vertreten, in denen auch andere internationale Wettbewerber auftreten. In Asien errichten wir eigene Läden. 2007 haben wir einen in Mumbai eröffnet, dieses Jahr kommt einer in Neu Delhi dazu. Und dann werden wir auch in Peking und Shanghai Geschäfte eröffnen. Die Nachfrage ist gigantisch.

mm: Sie fertigen sämtliche Kleidung an Ihrem Stammsitz Penne in den Abruzzen. Wollen Sie angesichts der Nachfrage aus Asien bald auch dort vor Ort produzieren?

De Simone: Nein. Es wird nichts in Asien geschneidert oder genäht - und das soll auch so bleiben. Hier, in dem Betrieb, in dem wir jetzt sitzen, stellen wir Jacketts und Mäntel her, zehn Kilometer von hier Sportkleidung, Freizeitkleidung, Hosen und Business-Hemden.

Und für unsere Damenmode haben wir eine Schneiderei auch hier in der Nähe. Unsere Herrenfreizeithemden werden in Bergamo produziert, in der Nähe von Mailand. Alle Lederwaren bei Bologna und die Krawatten wieder hier in den Abruzzen.

mm: Woher kommen die Stoffe?

De Simone: Wir verarbeiten die wertvollsten Stoffe überhaupt, die oftmals exklusiv für uns gewebt werden. 90 Prozent davon kommen aus Biella, nordwestlich von Mailand, das sind italienische Hersteller. Ein Teil der Wollstoffe wird in England gekauft und Leinen in Irland. Unsere Seide kommt seit jeher aus Como.

"Mode vergeht, Stil bleibt"

mm: Brioni vermeidet Ausflüge in die aktuelle Mode. Warum?

De Simone: Mode ist etwas, das vergeht, Stil aber bleibt. Am Ende entscheidet unsere Vorstellung von Eleganz und Schönheit. Wir haben den klassischen Geschäftsmann unter unseren Kunden, aber auch den Extravaganten, der ausgefallene Sachen möchte.

Jüngst haben wir zum Beispiel in Deutschland einen Popsänger für seine Hochzeit eingekleidet, der ein extrem ausgefallenes Outfit wollte. Die Basis des männlichen Auftritts ist immer der formelle Anzug. Wenn unser Kunde dann Besonderheiten wünscht, können wir mühelos darauf eingehen. Weil wir handwerklich alle Möglichkeiten der Schneiderei beherrschen.

mm: In den USA genießt die Marke das Image als Hersteller von Power-Suits für Manager. Ist dieser robuste Anzugtyp für Führungskräfte auch in Asien und in Russland vorstellbar?

De Simone: Ja, absolut. Die haben womöglich noch mehr Bedürfnis, ihre Macht zu zeigen. Viele von ihnen sind neureich oder neu an die Macht gekommen. Aber wir haben in diesen Märkten auch die Erfahrung gemacht, dass es dort eine Erziehung zur Qualität gibt. Nur eine Minderheit will das Beste ausschließlich deshalb, weil es teuer ist.

mm: Welche Rolle hat ein Markenbotschafter wie James Bond für das Image von Brioni gespielt?

De Simone: Fünf Filme lang haben wir James Bond eingekleidet, und er war immer eine Ikone der Eleganz. Deshalb hat die Kostümbildnerin Brioni ausgewählt, als Inbegriff der hochgerühmten italienischen Maßschneiderei. Für unsere Kommunikation ist das sehr wichtig gewesen. Der neue Darsteller Daniel Craig aber hat der Leinwandfigur eine eher sportliche Ausrichtung verpasst, James Bond trägt jetzt eher Freizeitkleidung, Sweatshirt statt Smoking. Das passt nicht zu uns.

Edle Stoffe, edle Anzüge: Familienbetrieb Brioni

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