Warsteiner Schaum vor dem Mund

Sauerland vs. Südamerika - zwischen der Warsteiner Brauerei und ihrem geschassten Ex-Chef Gustavo Möller-Hergt tobt ein bierernster Streit.

Sauerländischer Dickschädel kontra südamerikanischen Heißsporn - dieses brisante Duell spielt sich seit Monaten in der Südostecke Nordrhein-Westfalens ab. Dort, in Warstein, hat die Warsteiner Brauerei ihr Domizil.

Deren Eigentümer heißt Albert Cramer (64). Sein Gegner ist der Deutsch-Peruaner Gustavo Möller-Hergt (46), ehemaliger Generalbevollmächtigter der Bierfabrik. Beide streiten sich in Gerichtssälen und noch heftiger außerhalb.

Vor gar nicht allzu langer Zeit passte zwischen die beiden nicht mal ein hochkant gestellter Bierdeckel, so eng waren die Duzfreunde Albert und Gustavo miteinander verbandelt. Jahrelang hielt Cramer trotz vieler kritischer Stimmen an seinem umstrittenen Chefmanager Möller-Hergt fest. Bis es im Sommer 2007 zum Bruch kam.

Cramers Tochter Catharina (30) war inzwischen als Geschäftsführerin in das Unternehmen eingetreten. Sie konnte offenbar nicht mit Möller-Hergt, der über ein ausgeprägtes Ego und eine große Bandbreite an Gefühlsäußerungen verfügt - von säuselnd-charmant bis lautstark-aufbrausend.

Vor die Alternative "sie oder er" gestellt, schlug sich der Vater auf die Seite der Tochter. Blut ist schließlich dicker als Bier. Möller-Hergt bekam im September die fristlose Kündigung. Mit "Unregelmäßigkeiten" begründete Albert Cramer den Rauswurf und verwies geheimnisvoll auf Vorgänge bei den Warsteiner-Filialen in Argentinien und Kamerun.

Das Landgericht Arnsberg hielt die Entlassung in einem erstinstanzlichen Urteil freilich nicht für rechtens und verurteilte Warsteiner zur Weiterzahlung von Möller-Hergts monatlichen Bezügen in Höhe von 50.000 Euro, die der Geschasste jedoch quartalsweise im sogenannten Nachverfahren rechtfertigen muss.

"Eine Menge Munition"

Warsteiner ging in Berufung, die wohl irgendwann im Sommer vor dem Oberlandesgericht Hamm verhandelt werden soll. Parallel traten die Juristen der Streitparteien (Uwe Simdorn für Möller-Hergt und Matthias Bruse von der Kanzlei Pöllath + Partners für Warsteiner) in Vergleichsgespräche. Zwei Verhandlungsrunden drehten die beiden Anwälte im Dezember und Februar.

Doch bei den jüngsten Gesprächen im Februar präsentierte Simdorn eine - so die Gegenseite - finanzielle Maximalforderung, von der er nicht bereit war abzurücken. Daraufhin wurden die Gespräche von beiden Seiten abgebrochen.

Nicht förderlich für das Klima war ebenfalls ein im Hause Warsteiner verfasster Fragebogen, von dessen Existenz Möller-Hergt im Februar erfahren hatte. Das Branchenblatt "Inside" deckte auf, dass Brauereijustiziar Rainer Drüke an ehemalige Warsteiner-Mitarbeiter einen dreiseitigen "Fragebogen GMH" (Gustavo Möller-Hergt) verschickt hatte.

Gegliedert in 16 Punkte, werden Ex-Mitarbeiter gebeten, etwaiges Fehlverhalten von GMH nach Warstein zu rapportieren. "Wurden Sie von GMH in Ihrer Arbeit behindert?", wurde zum Beispiel gefragt. Oder: "Haben Sie mitbekommen, dass GMH hinter Ihrem Rücken schlecht über Sie gesprochen hat (Verleumdung)?"

Möller-Hergt regte sich mächtig über diese Nachforschungen auf. Als "eine Sauerei" soll er das Papier bezeichnet haben. Albert Cramer sieht in dem Fragebogen nichts Verwerfliches: "Das ist eine ganz normale Kiste." Von einer Inquisition könne keine Rede sein.

Die Fronten zwischen Cramer und Möller-Hergt sind nach dieser Aktion extrem verhärtet. Keiner will nachgeben. Im Gegenteil: In der Schublade von Anwalt Simdorn liegt schon eine ausformulierte Strafanzeige - wegen Urkundenfälschung. Demnach sei Möller-Hergts Unterschrift auf einem Kreditkartenbeleg, den die Brauerei ihrer Klageerwiderung beigefügt hatte, gefälscht gewesen.

Cramer scheint fest entschlossen, das rechtliche Verfahren durch die Instanzen zu ziehen: "Wir haben für den Prozess eine ganze Menge Munition."

Durch ihr stures Verhalten - seit September 2007 hat es kein persönliches Gespräch mehr gegeben - schaden sich allerdings beide. Der öffentlich ausgetragene Streit nützt weder dem jobsuchenden Möller-Hergt noch der kriselnden Biermarke Warsteiner. Vielleicht haben die Gegner ja doch noch ein Einsehen - und vergleichen sich. Zumindest die Anwälte sollen die Verhandlungen wieder aufgenommen haben.

Schlammschlacht bei Warsteiner: Die Kontrahenten

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