BZ Gruppe Schrecken der Company

Der Schweizer Bankier Martin Ebner gilt als einer der rabiatesten Verfechter des Shareholder-Value in Europa. Wie kaum ein anderer Großinvestor setzt der Chef und Eigentümer der BZ Gruppe die Vorstände seiner Beteiligungen unter Druck. Greift die raue Eminenz jetzt auch in Deutschland an?
Von Andreas Nölting

Pfaeffikon, Hotel "Seedamm Plaza". Mehr als 500 Besucher drängeln sich im überfüllten Saal Leonardo da Vinci und warten gespannt auf den Auftritt von Martin Ebner in der Schweizer Provinz. Im Publikum sitzen wohlhabende Ehepaare, aber auch viele junge Leute, die Ebner stürmisch wie einen Popstar begrüßen.

Der umstrittene Aktionärsaktivist trägt eine knallbunte Fliege - ein schrilles Signal, das ihn von der grau-blauen Uniform der Managerzunft abhebt. Der schillernde Milliardär spricht zum Thema: "Aktien verändern Ihr Leben." Das klingt wie ein Resümee seines rasanten Aufstiegs: In nur 14 Jahren schuf der Sohn eines Buchdruckers aus eigener Kraft ein Aktienimperium im Wert von rund 30 Milliarden Mark.

Normalerweise wirkt Ebner kühl und unnahbar, vor großem Publikum jedoch parliert er wie ein geübter Volksredner. Er schimpft auf "unfähige Topmanager" und "dumme Politiker". Die seien nicht im Stande, ihnen anvertraute Aktionärs- und Steuergelder ordentlich zu mehren, lautet seine Botschaft.

Da hat Martin Ebner schon ein besseres Gespür. Wie kaum ein zweiter Investor vermag er das Geld genau dort anzulegen, wo es den größten Profit erwirtschaftet. Von den Tricks des ausgebufften Finanzprofis wollen die Zuhörer lernen. Fasziniert lauschen sie den Ausführungen, schreiben jede Bemerkung mit.

Auftritte wie der in Pfaeffikon waren bisher eine Rarität. Taktierer Ebner verschanzte sich in seinem streng bewachten Domizil am Zürichsee und zog von dort die Fäden in seinem Finanzimperium. Kritische Fragen der Presse blockte er brüsk ab ("Keine Zeit"). Nur wenn unbedingt erforderlich, trat Ebner öffentlich auf - etwa in Hauptversammlungen.

An seiner neuen Rolle als "Robin Hood der Kleinsparer" (so das Schweizer Wirtschaftsmagazin "Bilanz") scheint der mysteriöse Großanleger inzwischen Gefallen zu finden. Hatte die von ihm kontrollierte BZ Gruppe anfangs fast ausschließlich institutionelle Großkunden, öffnet Ebner sich immer mehr dem Privatanleger. 21 000 Kleinaktionäre haben bereits in einen seiner vier Fonds investiert. Die hat Ebner hochtrabend "Visionen" getauft.

Je mehr Kapital Ebner einsammelt, desto größer wird sein Anlagebedarf. Systematisch sucht der umtriebige Banker nach bestechenden Investmentideen. In der Schweiz hat er alles abgegrast, da scheint es für ihn nichts Interessantes mehr zu geben.

Immer begehrlicher schaut Ebner daher auf deutsche Konzerne. Vielen Firmen stehen noch Restrukturierung und Fokussierung bevor. "Da gibt es interessante Möglichkeiten", lässt sich der geheimnisvolle Stratege entlocken, "das alte Netzwerk wird löchrig, die Eintrittsbarrieren für ausländisches Kapital fallen."

Gut möglich, dass sich einige deutsche Vorstände bald auf spektakuläre Aktionen des Schweizer Aktienprofis einstellen müssen. Zahlreiche Börsianer glauben, dass sich der Konzernschreck derzeit schon bei der Frankfurter Commerzbank einkauft. Auch auf Linde, einen der besonders substanzstarken Dax-Werte, habe er ein Auge geworfen, wird kolportiert.

Will der ausgebuffte Shareholder-Value-Aktivist Ebner tatsächlich die "Deutschland AG" angreifen? Kann der eigenwillige Großinvestor das hier zu Lande immer noch starke Bündnis sich gegenseitig schützender Aufsichtsräte und Vorstände aufbrechen?

Der Wirbel um seine Deutschland-Visionen kommt Ebner nicht ungelegen. Nur halbherzig dementiert er Gerüchte, er habe sich mit dem ebenso schillernden Großanleger und WCM-Chef Karl Ehlerding verbündet Perfekter Partner. Die beiden Brüder im Geiste hätten die geheime Absprache getroffen, an der Commerzbank Pakete von je knapp 5 Prozent zu erwerben, berichten Insider. Mit zusammen fast 10 Prozent des Kapitals könne das Aktivistenduo mehr Druck auf Bankchef Martin Kohlhaussen ausüben.

Ebner kontert solche Spekulationen cool. "Die Commerzbank ist doch viel zu klein für mich", amüsiert sich der Konzernschreck.

Frankfurter Investmentbanker trauen ihm und Ehlerding einen Einstieg bei dem Geldhaus durchaus zu. Die beiden würden sicherlich nicht die Mehrheit anstreben, meinen sie. Mit ihren Paketen könnte das Duo jedoch unbequeme Fragen stellen und zwar energisch. Sie würden, darin sind sich fast alle einig, so lange Druck machen, bis die Aktienrendite endlich stimmt.

Auch die Linde AG bietet sich für einen Einstieg geradezu an. In puncto Shareholder-Value zählen die Wiesbadener zu den Schlusslichtern unter den Dax-Konzernen. Dabei hat das Unternehmen seine Marktposition erheblich verbessert und immer noch Reserven für eine weitere Expansion.

Kürzlich verkaufte Ebner seine Beteiligung an dem schwedischen Industriegas-Konzern Aga - dem einzigen Investment seiner Gas Vision - an Linde. Im Gegenzug könnte er sich günstige Optionen auf ein Aktienpaket gesichert haben. Auch dass Hoechst-Finanzvorstand und Ebner-Intimus Klaus-Jürgen Schmieder bei Linde jetzt als Topmanager im Gespräch ist, macht einige Beobachter stutzig.

Bisher hat Ebner sich aus Deutschland noch weitgehend fern gehalten. Es gebe dort zu wenige Unternehmen, die sich am Prinzip des Shareholder-Value orientierten, moniert der Wirtschaftsprofessor Kurt Schiltknecht (58), Partner von Ebner und einer der engsten Verbündeten. Die Querverbindungen zwischen Banken, Versicherungen und Industrie blockten die Interessen freier Aktionäre ab. "Wir wollen nicht jahrelang auf totem Geld sitzen", begründet Schiltknecht die bisherige Zurückhaltung.

Die hat Ebner nur einmal aufgegeben, vor etlichen Jahren bei der Hoechst AG. Seitdem hält er 1,1 Prozent des Kapitals. Das Paket ist an der Börse etwa 600 Millionen Mark wert. Die Performance dieses Investments scheint Ebner allerdings nicht viel Freude zu bereiten. "Das Management ist auf dem richtigen Weg, doch die Umsetzung dauert viel zu lange", lässt sich Ebner entlocken.

Die Rolle des passiven Investors strapaziert Ebners Gemüt. Er ist es gewohnt, mitmischen zu können - und zwar mit allen Instrumenten, die der moderne Kapitalismus erlaubt. Dass er dieses Metier beherrscht, hat er in der Vergangenheit häufig bewiesen. Ebner gilt als einer der rabiatesten Verfechter des Shareholder-Value in Europa. Vehement fordert er von den Topmanagern seiner Beteiligungen eine ordentliche Rendite auf das eingesetzte Aktienkapital.

Wie kein anderer hat Ebner die Schweizer Wirtschaft polarisiert. Er mischte traditionsreiche Konzerne wie Roche, Glaxo, Nestlé oder die Schweizer Rück auf und sorgte dort für moderne, Wert schaffende Strukturen.

Doch trotz dieser eindrucksvollen Leistung - selbst den Eidgenossen scheint die Person Martin Ebner nicht geheuer. Für die einen ist er ein Pionier der Aktionärsdemokratie. Andere wiederum lehnen ihn als geheimnisvollen Strippenzieher und pure Geldmaschine ab. Einen Proteststurm seiner Landsleute löste Ebner aus, als er den Sitz der BZ Bank aus steuerlichen Gründen von Zürich in den Kanton Schwyz verlagerte. Dabei soll er einen dreistelligen Millionenbetrag eingespart haben.

Im direkten Gespräch wirkt Ebner etwas linkisch und unnahbar. Er spricht in schnellen, kurzen Sätzen, deren eigentlicher Sinn sich erst spät erschließt. Gegenüber Unbekannten ist er meist misstrauisch und abweisend.

Besonders geprägt haben Ebner die Studienjahre in den Vereinigten Staaten. Er beschäftigte sich dort intensiv mit den Theorien zur Geldpolitik von Friedman und Modigliani, erwarb den Doktortitel und startete mit seinem Professor eine kleine Beratungsfirma.

Zurück in der Schweiz, baute Ebner bei der feinen Züricher Privatbank Vontobel den Bereich Vermögensverwaltung auf. Nach nur drei Jahren schied er jedoch im Krach aus. 1985 gründete er mit einem Anfangskredit von sieben Millionen Schweizer Franken die BZ Bank. Schnell sprachen sich in Zürich seine Fähigkeiten herum, institutionelle Gelder treffsicher und Gewinn bringend anzulegen. Und mit seinem vehementen Eintreten für die Aktionärsrechte, Rendite und Kontrolle sorgte der Newcomer für Aufsehen.

Seinen spektakulärsten Coup landete er bei der Schweizerischen Bankgesellschaft (UBS). Er drängte das Management zu einer Fusion mit dem Schweizerischen Bankverein (SBV).

In Hauptversammlungen kritisierte Ebner die miserable Eigenkapitalrendite der Bankgesellschaft, forderte eine Verzinsung von mindestens 15 Prozent und focht energisch die Einführung der Einheitsaktie an. Derart forsche Auftritte hatte es in der Schweiz vorher nicht gegeben.

UBS-Präsident Robert Studer, ein von sich selbst sehr überzeugter Mann, versuchte, den neuen Großaktionär zu ignorieren. Und das, obwohl Ebner im Herbst 1997 5,56 Millionen Aktien (25 Prozent aller Namensaktien) besaß. Mit Raidern vom Schlage Ebners spreche er nicht, ließ der Bankchef verlauten.

Studer wurde zunehmend nervös, machte Fehler über Fehler. Im Zusammenhang mit Vermögenswerten der Holocaust-Opfer sprach er von "Peanuts" und brachte damit amerikanische Großanleger gegen sich auf. Im Sommer 1998 musste er zurücktreten.

An der Fusion von UBS und SBV soll Großaktionär Ebner eine halbe Milliarde Schweizer Franken verdient haben. Noch heute hält er 2 Prozent des Kapitals, was zu aktuellen Kursen immerhin 2,2 Milliarden Mark entspricht.

Ebners wichtigster Vertrauter, Kurt Schiltknecht, gilt als nicht weniger geschickter Taktiker. Der Sozialdemokrat, einst Präsident der Bank Leu, sitzt mit Ebner, dessen Frau Rosmarie und 25 weiteren Getreuen in einem futuristisch anmutenden Gebäude in Wilen am Züricher See. Der stille Wirtschaftsprofessor ist Geschäftsführer des BZ Trust, der bankeigenen Vermögensverwaltung.

Schiltknecht hat eine fast ausschließlich institutionelle Klientel, deren Namen er nicht nennen möchte. "Ich produziere Investmentideen", sagt der Professor. Dass Deutschland bei seinen Überlegungen eine Rolle spielt, will er nicht abstreiten. Interessant sei derzeit vor allem, wie die Restrukturierung der Finanzbranche gelöst werde, meint Schiltknecht: "Wir versuchen, Antworten für unsere Kunden zu finden."

Die Anlagekriterien der BZ Gruppe sind über die Jahre unverändert geblieben. Ebner und Schiltknecht favorisieren global tätige Großkonzerne mit gut eingeführten Produkten, soliden Bilanzen und mehreren Geschäftsbereichen. Sie haben es auf Unternehmen abgesehen, deren Vorstände es noch nicht geschafft haben, die wahren Werte in steigende Aktienkurse umzusetzen.

Bei diesen Zurückgebliebenen erwirbt Ebner heimlich große Aktienpakete, am liebsten natürlich in Zeiten schwacher Börsen. Die Phase des Kaufens kann zwei Jahre dauern. Dann teilt Ebner in einer dürftigen Ad-hoc-Mitteilung der erstaunten Öffentlichkeit mit, dass er ein größeres Paket erworben habe.

Über den Aufsichtsrat, vor allem aber in Einzelgesprächen mit Vorständen, versucht Ebner daraufhin, die Konzernstrategie zu beeinflussen. So drängt er die Vorstände, Konzernbereiche, die keine Werte schaffen, abzustoßen oder aufzugeben. Das soll die Eigenkapitalrendite und den Shareholder-Value anheben.

Bei seinen Beutezügen verbündet sich Ebner gern mit anderen institutionellen Investoren. So hat er beste Kontakte zum italienischen Versicherer Generali. Die Italiener kennt Ebner aus seinem Engagement bei dem Reifenkonzern Pirelli, das er gerade auf 11,2 Prozent (Marktwert: rund eine Milliarde Mark) ausgebaut hat. Mit rund 5 Prozent ist die Generali zudem größter Einzelaktionär der Commerzbank - und damit ein möglicher Partner für Ebners Deutschland-Aktivitäten.

Mit welcher Chuzpe Ebner vorgehen kann, wenn seine Geldinteressen bedroht sind, hat Viag-Chef Wilhelm Simson leidvoll erfahren. Der Münchener Konzernlenker wollte mit der Schweizer Alusuisse Lonza Group (Algroup) zu einem neuen Megakonzern fusionieren.

Ebner allerdings missfiel das von den Wirtschaftsprüfern der BDO errechnete Anteilsverhältnis von 67,5 (Viag) zu 32,5 (Algroup). Angeblich hätte er bei einem solchen Tausch einen dreistelligen Millionenbetrag verloren. Ebner bestand daher auf einer Tauschrelation von 65 zu 35.

Ein einziger Brief des Verwaltungsrats genügte, um die Fusion zum Platzen zu bringen. Der Algroup-Verwaltungsrat, dessen Präsident Ebner inzwischen ist, teilte der Viag trocken mit, dass Großaktionär Bayern keine Sonderrechte bei künftigen Standortentscheidungen haben dürfe. Ferner solle Algroup-Chef Sergio Marchionne, ein Ebner-Fan, Simson bereits nach zwei Jahren als Vormann der neuen Gesellschaft ablösen. Diese Forderungen waren für die Viag unannehmbar, der Deal platzte.

Nicht einmal ein Jahr später fusionierte die Algroup mit der kanadischen Alcan und der französischen Pechiney - zu Ebners Vorstellungen.

Das Vorgehen gegen die Viag ist typisch für Ebner. Der Mann liebt es, andere Manager mit Briefen des Aufsichtsrats unter Druck zu setzen. "Wir fordern aktiv unsere Rechte als Aktionär ein", beschreibt Schiltknecht die Strategie, ohne allerdings weiter ins Detail zu gehen. Ebner und er diskutierten häufig mit den Vorständen der Beteiligungsfirmen. "Dann machen wir Nachkontrollen", sagt Schiltknecht, "wir merken uns sehr genau, was die Vorstände vor ein, zwei Jahren angekündigt haben."

So vehement Ebner sich für Transparenz und Aktionärsrechte bei anderen einsetzt, so verschlossen gibt er sich, wenn es um das eigene Unternehmen geht. Der geheimnisvolle Großanleger möchte partout nicht verraten, wer zu den Teilhabern der BZ Gruppe Holding zählt. Unter diesem Dach werden die Bankaktivitäten (BZ Bank), die Vermögensverwaltung (BZ Trust) und andere Bereiche konsolidiert.

Ebner, seine Frau Rosmarie sowie drei weitere leitende Mitarbeiter halten angeblich die Mehrheit der BZ Gruppe Holding. Spekuliert wird, dass auch der rechtsnationale SVP-Politiker und Chef der Ems-Chemie, Christoph Blocher, beteiligt ist. Blocher und Ebner sind seit ihrer Studienzeit in Zürich befreundet.

Der Widerspruch zwischen der eingeforderten Transparenz und dem eigenen Kommunikationsstil macht Ebner unglaubwürdig und mysteriös. Wer nicht einmal offenbart, mit welchem Geld er arbeitet, der kann schwerlich aktionärsfreundliches Verhalten von anderen einfordern.

In der Schweiz hat Ebner für die Aktienhalter sicherlich viel erreicht. Und er hat auch etliche Privatanleger mit seinen Visionen reich gemacht Die Visionen des Herrn Ebner. Ob er mit seiner Geheimnistuerei und den teilweise merkwürdigen Methoden in Deutschland ankommt, ist aber fraglich.

Die etablierten Investmentbanken jedenfalls wollen mit ihm nicht zusammenarbeiten. "Dann riskieren wir bei unseren Kunden eine Rufschädigung", meint der Frankfurter Statthalter einer US-Bank.

In WCM-Chef Ehlerding könnte Ebner allerdings einen Alliierten finden.

"Unsere beiden Namen fangen mit einem E an", sagt der Hamburger Aufsteiger Ehlerding zu der angeblichen Allianz, "das war es aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten."

Nicht ganz. Beim Geschäft zählt für beide nur eines: der Gewinn. Das ist nicht die schlechteste Basis für eine gemeinsame Zukunft.

Profil: Martin Ebner, Chef der BZ Gruppe BZ Gruppe: Die Visionen des Herrn Ebner Perfekter Partner: WCM-Chef Ehlerding

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