Sonntag, 21. Juli 2019

Investor Deripaska Olegarchie

7. Teil: Ein entscheidendes Jahr

In einem anderen Fall war der Verdruss bei Deripaska so groß, dass er sich offenbar sogar bei Putin beschwerte. Das war im Mai vergangenen Jahres.

Putin-Nachfolger Medwedew: Ob der neue Präsident Deripaska beim Erreichen seiner Zielen behilflich sein kann?
Wenige Monate zuvor hatte zunächst Minioligarch Alexander Mamut seinen gut 38 Prozent großen Anteil an Deripaskas Versicherer Ingosstrakh an eine tschechische Investmentfirma verkauft. Später stieg die italienische Generali-Gruppe Börsen-Chart zeigen bei der Investmentfirma ein und bekam so Zugriff auf die Hälfte von deren Ingosstrakh-Paket. Als Deripaska daraufhin seine Position bei Ingosstrakh durch eine Kapitalerhöhung stärken wollte, vereitelte ein Moskauer Gericht sein Vorhaben.

In seiner Beschwerde bei Putin machte Deripaska geltend, die Italiener und andere westeuropäische Finanzhäuser würden ihn, Deripaska, bislang mit allen Mitteln von ihrem Heimterrain fernhalten. Wieso sollte er sich dann nicht in Russland wehren dürfen?

Ob der neue Präsident Medwedew da etwas machen kann?

Wer wie Deripaska als Sieger aus dem russischen Umverteilungskampf hervorgegangen ist, eine starke Truppe um sich geschart hat, selbst mit kleinen Geschäftsanteilen große Wirkung zu erzielen weiß und auch mit den Mächtigen gut kann, der muss nichts und niemanden mehr fürchten - mag er denken. Nicht den beinharten Wettbewerb in der Autoindustrie. Nicht die Börse, wo das Geld lockt, das nötig ist, um noch spektakulärere Coups zu landen, noch mehr Umsatz zu bewegen.

Um beides wollen sich Moldaschanowa und ihre Mannen in diesem Jahr vorrangig kümmern. Es könnte ein entscheidendes Jahr für Basic Element werden.

Ende März startete die Basic-Element-Firma GAZ die Serienproduktion des Ciber, des ersten modernen russischen Autos. 20.000 Stück des Chrysler-Nachbaus sollen in diesem Jahr noch verkauft werden. Die Kapazität liegt bei 100.000 Autos. GAZ-Mann Erik Eberhardson hofft: "In Russland gibt es eine starke Nachfrage nach guten einheimischen Autos."

Branchenexperten indes sind skeptischer. Denn bislang bevorzugen Russen ausländische Fabrikate. VW, Toyota, Ford und andere Marken kommen hier auf einen Verkaufsanteil von über 60 Prozent. Viele Fahrzeuge sind mittlerweile sogar "made in Russia", weil die Konzerne dort Werke gebaut haben.

© manager magazin 3/2008
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