Mittwoch, 17. Juli 2019

Investor Deripaska Olegarchie

5. Teil: Einfluss in Essen und Wien

Tatsächlich hat sich Deripaska durch die beiden Beteiligungen in eine ausgesprochen komfortable Lage gebracht - und das, obwohl ihm das 25-Prozent-Paket an der Strabag gar nicht wirklich gehört; es ist um der günstigen Finanzierung willen an die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen verpfändet. Auch ein Oligarch hat eben nicht endlos viele Rubel.

Russischer Cocktail: Die Konzernstruktur von Basic Element
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Russischer Cocktail: Die Konzernstruktur von Basic Element
Nun kann Deripaska schalten und walten, teilen und herrschen. Er entscheidet, welche der beiden Firmen welches Stück vom großen Auftragskuchen bekommt. Er diktiert die Form der Zusammenarbeit mit Basic Element und vor allem, wer wie viel daran verdient. Und er kann - weil der russische Markt für Hochtief wie Strabag gleichermaßen wichtig ist - Einfluss auf die gesamte Geschäftspolitik der beiden Konzerne ausüben.

In Essen und Wien spürt man bereits die stets freundlich verpackte Macht des Russen. Hochtief-Chef Lütkestratkötter ärgert sich, dass bislang noch kein einziges Bauprojekt mit dem neuen Aktionär zustande gekommen ist. Haselsteiner wiederum, der Ingenieure des Konzerns nach Russland lockt, indem er ihnen das Gehalt verdoppelt, muss fürchten, nicht an die wirklich lukrativen Aufträge zu kommen. Denn Deripaska hat bereits eine klare Vorstellung von der Arbeitsteilung zwischen den beiden Rivalen.

Danach ist für die Strabag zunächst die Rolle eines Juniorpartners bei einer weltweiten Zusammenarbeit mit Basic Element im Zementbereich vorgesehen. Haselsteiner wird dazu seine Zementwerke in eine Gemeinschaftsfirma einbringen, die unter dem Namen Basel Cement firmiert. Beteiligungsverhältnis: 50:50. Ähnliche Kooperationen sind für andere Baugrundstoffe angedacht.

Haselsteiner hofft indes, dass er ab 2012 richtig ins Geschäft kommt. Offenbar hat ihm Deripaska in Aussicht gestellt, in vier Jahren seine Baufirmen mit dem Russland-Ableger der Strabag zu verschmelzen. 51 Prozent der Gemeinschaftsfirma sollen dann der Strabag gehören. Ob es dazu kommen wird?

Mit Hochtief wiederum ist vorläufig eine Partnerschaft im Gebäudemanagement vorgesehen, einem Spezialfach, in dem Deripaskas Firmen keinerlei Expertise haben. Dabei wird es wohl nicht bleiben. Lund ist sich sicher: "Es wird reichlich Gelegenheiten für Kooperationen mit beiden Firmen geben." Die Regie freilich werden in allen Fällen er und Oleg Deripaska führen.

© manager magazin 3/2008
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