Sonntag, 21. Juli 2019

Investor Deripaska Olegarchie

4. Teil: Der Rückzieher des "German Baron"

"Oleg reagiert unglaublich stark auf Menschen. Er weiß genau, wer Freund oder Feind ist", sagt Klaus Mangold, ehemaliger Daimler-Vorstand und jetzt neben Ex-Weltbank-Chef James Wolfensohn und anderen als Honorarkraft für Deripaska unterwegs.

Das schöne Gesicht: Gulschan Moldaschanowa ist die Nummer zwei der Deripaska-Truppe
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Das schöne Gesicht: Gulschan Moldaschanowa ist die Nummer zwei der Deripaska-Truppe
Die Arbeitsteilung mit Frau Moldaschanowa ist simpel. Sie exekutiert, was ihr "Coach" sich ausdenkt.

Deripaska sprudelt geradezu vor Ideen. Der weltoffene Oligarch späht nach immer neuen Akquisitionsobjekten. "Kann die Berliner Solartechnikfirma Solon AG für mich interessant sein?", fragte er unlängst einen Vertrauten.

Meist will er es ganz genau wissen. Aufsichtsratssitzungen seiner Firmen führt Deripaska häufig bis in die Nacht. Trotzdem wird bei Basic Element im Zweifelsfall rasch entschieden. Das Projekt "Sacher" etwa - der Einstieg beim Wiener Baukonzern Strabag - nahm von der ersten Idee bis zur Vertragsunterzeichnung Anfang Mai 2007 gerade mal drei Wochen in Anspruch.

Auf die Bauindustrie hat es Deripaska freilich schon länger abgesehen. Russlands Infrastruktur muss in den nächsten Jahren von Grund auf saniert werden, für rund 1000 Milliarden Dollar. Um möglichst viel von dem Geld abzubekommen, braucht Deripaska Spitzentechnik und Topingenieure; seine beiden heimischen Baufirmen verfügen darüber bislang nicht.

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Im März 2007 versuchte Deripaska daher, sich ein 25-Prozent-Paket an einem internationalen Branchenschwergewicht zu greifen, der Hochtief AG. Verkäufer August von Finck hatte per Handschlag eingewilligt. Doch der "German Baron", wie ihn Deripaska seitdem nur noch verächtlich nennt, machte einen Rückzieher und verkaufte an den spanischen Konzern ACS.

Deripaska hätte es dabei belassen können. Schließlich wurde er ja wenige Tage später freudig von Hans Peter Haselsteiner als Aktionär der Strabag aufgenommen. Und die Wiener Baugesellschaft ist ja auch gar nicht mal so übel. Trotzdem kaufte sich der Russe zusätzlich bei Hochtief ein, diesmal mit knapp 10 Prozent über die Börse.

Ist der Doppelschlag Ausdruck einer Jetzt-erst-recht-Mentalität? Oder steckt dahinter gar das Bestreben, einen globalen Bauriesen unter russischer Führung zu formen?

Ein Vertrauter von Deripaska sieht es so: "Oleg möchte einfach gern über mehrere Optionen verfügen."

© manager magazin 3/2008
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