Dienstag, 17. September 2019

Finanzkrise "Wir haben uns verschätzt"

Die Ratingagentur Moody's zieht Konsequenzen aus der Finanzkrise. Brian Clarkson, President und COO von Moody's Investors Service, spricht im Interview über die Ursachen der US-Hypothekenkrise und die Fehler der Ratingbranche.

mm: Mr. Clarkson, hat Ihnen Ihr Job in letzter Zeit eigentlich noch Spaß gemacht?

Clarkson: Ja sicher, ich mag meinen Job.

mm: Immerhin sind Sie Chief Operating Officer und President der Ratingagentur Moody's. Und die Ratingagenturen gelten als Sündenböcke für die gegenwärtige Kapitalmarktkrise. Der einstige US-Zentralbankchef Alan Greenspan lässt sich etwa wie folgt zitieren: "Das Problem ist, dass alle geglaubt haben, dass die Ratingagenturen etwas von ihrem Geschäft verstehen, dabei wussten sie offenbar gar nicht, was sie taten."

Clarkson: Alan hat mich nie angerufen und gefragt, was passiert ist. Und da er meines Wissens auch mit niemandem von den anderen Ratingagenturen über die Art und Weise gesprochen hat, wie wir arbeiten, ist diese Bemerkung, bei allem Respekt, ziemlich unfair.

mm: Dass die Blase auf den US-Immobilienmärkten platzen würde, war doch spätestens seit Sommer 2006 klar. Damit war auch das Ende des Hypes um die Verbriefung von Hypothekenkrediten absehbar, der von den Agenturen durch ihre Topbewertungen richtig angeheizt wurde. Dennoch haben Standard & Poor's, Moody's und Fitch erst im Juli 2007 begonnen, ihre Ratings nach unten zu korrigieren. Die Masse der Abstufungen kam gar erst Ende Januar 2008.

Clarkson: Wir haben seit Herbst 2006 in zahlreichen Studien darauf hingewiesen, dass sich die Situation auf dem US-Immobilienmarkt rapide verschlechtert. Und seit dieser Zeit haben die zu neuen Wertpapieren verpackten Hypothekenkredite nur noch dann ein Toprating bekommen, wenn die Investmentbanken dazu bereit waren, die Sicherheitspuffer deutlich zu erhöhen.

© manager magazin 3/2008
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