Russland Machiavellowitsch

Gas und Großmachtstreben - zwei Bücher über das politökonomische Powerplay in Russland. Während das eine intellektuelles Knistern bietet, löst das andere kriminalistisches Schaudern aus.

Russland, die unheimliche Macht? Gazprom, der allgewaltige Energiegigant?

Zwei Bücher liefern tiefere Einsichten, mitten hinein in die aktuelle Debatte um Ängste, Vorurteile und lupenreine Demokraten. Der Politologe Alexander Rahr, einer der besten Kreml-Kenner, skizziert die "Rückkehr einer Weltmacht", die sich vor allem auf energiewirtschaftliche Dominanz gründet. Die Journalisten Michail Sygar und Waleri Panjuschkin beleuchten hingegen die Machenschaften des Gazprom-Konzerns. Ohne ihn wäre Russland ein anderes Land - und Putin womöglich nicht an der Macht, glauben die Verfasser.

Der Wissenschaftler Rahr brilliert mit einer Analyse der russischen Politik, liefert Kurzbiografien der wichtigsten Strippenzieher und versucht, den Putin-Code (was denkt, was plant er wirklich?) zu entschlüsseln. Er kokettiert mit seinem exklusiven Zugang zu den Mächtigen, erscheint oft als "Gast aus Berlin".

Anders die russischen Autoren: Sie schildern reportageartig das pralle Leben. Sie lassen den Leser unmittelbar teilhaben ("Gaidar hörte, wie der Präsident mit den Zähnen knirschte ..."), auch an der Entstehung ihres Buches.

Beide Werke bieten spannungsreiche Lektüre; ein intellektuelles Knistern das eine, kriminalistisches Schaudern das andere. Beide kritisieren die deutsche Elite. Rahr hält ihr vor, die Chancen, sich mit Putin zu verständigen, nicht genutzt zu haben. Die Journalisten missbilligen, dass Westkollegen keinen Sinn für die russische Selbstironie hätten - häufige Ursache von Fehlurteilen. Und beide Gas-Schriften lassen Fragen offen, scheuen ein abschließendes Urteil: Gazprom sei weder gut noch schlecht, nur eine Waffe eben, resümieren Sygar und Panjuschkin: "Es kommt darauf an, wer sie in der Hand hält."

rot rot statt orange seit März 2006, da neues Heftlayout

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Foto: manager-magazin.de
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