Maserati GT Solide Sache

Daniel Giersch hat schon viele Nobelkarossen gefahren, etliche Typen auch besessen. Am Maserati GT lobt der Jungunternehmer, der das Coupé für manager magazin getestet hat, vor allem die Verarbeitung.

Das Heck des Testwagens, sagt Daniel Giersch, sehe "in der oberen Hälfte aus wie das eines Aston Martin V8 Vantage, in der unteren wie ein Ferrari 430". Die Vorderansicht mit dem großen, weit nach unten gezogenen Kühlergrill habe zwar "das typische Maserati-Design in Form eines Fischmauls". Die Kotflügelkanten erinnern den Jungunternehmer jedoch an den Ferrari 612 Scaglietti. "Von allem etwas", sagt der Jetsetter und grinst. "Aber immer das Beste von den besten Modellen."

Daniel Giersch ist zwar erst 33 Jahre alt. Dennoch kennt er sich bestens aus mit Nobelmarken. Er hat sie alle schon gefahren, etliche Typen auch besessen. Das nötige Kleingeld hat der gebürtige Holsteiner, seit er seine Firmengründungen KDI und Gmail vor einigen Jahren an einen internationalen Postkonzern verkaufen konnte.

Aus seinem Privatvermögen, das er mit Aktiengeschäften an der Börse geschickt vervielfacht hat, unterhält er Wohnsitze in Monaco, Los Angeles, New York und in Hamburg. Außerdem baut er ein neues Unternehmen auf: P1 Privat, ein "Hybrid" aus E-Mail- und Postzustelldienst, webbasiert und mit einem selektierten Kundenkreis.

In den Wohnstraßen nahe der Alster manövriert Giersch den großen Maserati geschickt zwischen geparkten Limousinen und durch enge Kurven. Die Servolenkung, findet der Testfahrer, arbeite "präzise und direkt", das Automatikgetriebe schalte "höchst komfortabel". Und damit ganz anders als bei früheren Maserati-Generationen. Das Modell Quattroporte hätte Giersch gern als Familienkutsche gekauft. Wären da nicht diese "fürchterlichen Schaltrucks" gewesen.

An der Bedienung des neuen GT stören ihn nur die Hebel für Blinker und Scheibenwischer. Die liegen so weit versteckt hinter den Paddeln an der Lenksäule, dass Giersch zum Betätigen fast die Hand vom Lenkrad nehmen muss.

Majestätischer Acht-Zylinder

Auf der Autobahn in Richtung Itzehoe, Gierschs Heimatstadt, schnurrt der Acht-Zylinder des GT majestätisch - bis der Fahrer aufs Gas tritt. Das satte Röhren, das jenseits von 4500 Umdrehungen im Cockpit ertönt, imponiert dem Testpiloten deutlich mehr als die Leistung der Hi-Fi-Anlage, immerhin ein Bose-System.

Seitab der Route, in Elmshorn, gebe es eine Zapfstelle für aufbereitetes Frittieröl, weiß Daniel Giersch. Auf dem Weg zu Mama tankt er dort angeblich immer seinen Range Rover voll. Nicht um der Ersparnis willen - der Primitivsprit kostet etwa 25 Prozent weniger als handelsüblicher Diesel -, sondern "weil es hier um echtes Recycling geht, um konkrete Öko-Vorteile".

Hochgeschwindigkeitstests scheitern an diesem Tag an der Verkehrsdichte. Immerhin lässt sich Tempo 200 erproben, wo der Maserati seine Qualitäten als Gran Turismo unter Beweis stellt: Die Federung bügelt Fahrbahnunebenheiten weg, nichts klappert.

Insgesamt, sagt Daniel Giersch, mache das Coupé jenen soliden Eindruck, den Freunde des gehobenen italienischen Autobaus über Jahrzehnte vermissen mussten. Zwar irritierten im Innenraum die vielen Dreizack-Markenembleme, doch die Verarbeitung der edlen Materialien überzeugt.

Kaufen würde Giersch den GT dennoch nicht. Ihm erscheint das Konzept der vier Sitze mit zwei Türen als "untauglicher Kompromiss". Er bevorzuge, sagt der Autofan, "entweder eine viertürige Limousine. Oder einen echten Sportwagen." Außerdem sei der Maserati mit rund 120.000 Euro Komplettpreis nicht gerade günstig.


mm-Kritik: Seine Ästhetik macht den Maserati GT zum Traumwagen: das Design von Pininfarina kombiniert mit einem symphonischen Motorsound. Allerdings sollten manche Details überarbeitet werden. Etwa der Außenspiegel, dessen Blickfeld bei hoher Sitzstellung zur Hälfte vom Kotflügel verdeckt wird. Oder die Innenraumbeleuchtung, der Bordcomputer und die Anzeigen des Tempomats.

Technik: V-8-Zylinder mit 405 PS/298 kW; Spitze: 285 km/h.

Preis: ab 112.280 Euro.

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