A-Tec-Chef Kovats Viel Feind, wenig Ehr

Pleiten, Prozesse, Übernahmen - der gewiefte Wiener Industrielle Mirko Kovats sorgt unentwegt für Verdruss. Seinetwegen sah sich gerade die Hansestadt Hamburg genötigt, als Großaktionär bei der Norddeutschen Affinerie einzusteigen. Wer ist der Mann, der die Macht bei Europas größter Kupferhütte an sich reißen will?

Nervös rutscht Mirko Kovats (59) auf der hölzernen Anklagebank im Saal 303 des Wiener Landesgerichts herum. Er streicht den dunklen Anzugstoff glatt, nestelt an der weinroten Krawatte. Ein wuchtiger Vorwurf lastet auf dem österreichischen Industriemagnaten. Er und seine beiden Mitbeschuldigten sollen zwischen 1996 und 1998 bei zwei Firmen die Konkursmasse geschmälert haben, was als Betrug gilt.

Mit bis zu zehn Jahren Haft könnten die drei Kumpane bestraft werden, so sie der Schöffensenat verurteilt. Kovats jedoch ist sich keiner Schuld bewusst, notfalls werde er Berufung einlegen.

Wie immer das Verfahren ausgeht - der Prozess ist eine einzige Schmach für den Wiener Unternehmer.

Nichts wünscht sich Kovats mehr als gesellschaftliche Anerkennung, doch mit dem ersehnten Respekt ist es nicht weit her. Früher war er als windiger Osthändler verschrien. Seit seinem undurchsichtigen Gebaren beim österreichischen VA-Tech-Konzern und der feindlichen Übernahme des Schweizer Anlagenbauers Oerlikon  wird er als kaltschnäuziger Abstauber, Firmenfledderer und Finanzhai beschimpft.

Was unternimmt er nicht alles, dieser Mirko Kovats, um sich als seriöser Investor zu präsentieren: Er leistet sich hoch bezahlte Kommunikationsberater. Er hat sein Büro in den feinen Ersten Bezirk Wiens verlegt. Und er steckt seine ganze Kraft in den Ausbau seines börsennotierten Firmenkonglomerats A-Tec Industries AG , das mittlerweile gut zwei Milliarden Euro Umsatz macht.

Damit nicht genug. In diesen Monaten ist der elegante Herr mit der hohen Stirn und dem grauen Haarkranz dabei, seinen bislang spektakulärsten Coup vorzubereiten: Er will die Macht bei der in Hamburg angesiedelten Norddeutschen Affinerie (NA)  an sich reißen und rund um das Unternehmen einen großen Kupferverbund schmieden. Ein Angriff, der die Hansestadt nun sogar veranlasste, sich mit 5 Prozent plus einer Aktie an Europas größter Kupferhütte zu beteiligen und so ein Bollwerk gegen die Pläne des an der Elbe misstrauisch beäugten Finanzjongleurs zu errichten.

Kovats kämpft also wieder einmal an allen Fronten. Gerade jetzt, wo er mit der NA-Führung im Clinch liegt und wo er auf das Wohlwollen von Bankern und Aktionären angewiesen ist, um seine schwindelerregenden Expansionspläne zu finanzieren - gerade jetzt findet in seiner österreichischen Heimat dieser imageschädliche Prozess statt.

Ein Fest für die Feinde

Ein Fest für die Feinde des Industriellen, von denen es viele gibt, nicht nur in Österreich, sondern auch in der Schweiz und in Deutschland. Unerbittlich zerren sie die Sünden aus Kovats' düsterer Vergangenheit ans Tageslicht.

Anlegerschützer erinnern genüsslich daran, dass Kovats schon einmal, im Jahr 2000, wegen des damals noch existierenden Tatbestands der fahrlässigen Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen eine sechsmonatige Bewährungsstrafe kassierte.

Und der Enthüllungsjournalist Hans Pretterebner hat dem Gericht eine 13-seitige Liste vorgelegt. Auf dem Papier stehen unter anderem 36 Firmen "aus dem Einflussbereich von Dr. Mirko Kovats", die entweder pleitegingen oder "amtswegig wegen Vermögenslosigkeit gelöscht wurden".

Wer ist dieser Mann wirklich? Ruchloser Bankrotteur oder ernsthafter Investor? Gerissener Gauner oder genialer Geschäftsmann?

Ganz gewiss ist Kovats ein Familienmensch. Er vergöttert seine zwei Söhne. Fotos der Kinder stehen auf seinem Schreibtisch und zieren als Bildschirmschoner seinen Computer. Wenn sie groß sind, das weiß der stolze Vater schon heute, werden die Burschen in Harvard studieren.

Menschen, die Kovats gut kennen, sind immer wieder erstaunt, wie liebevoll er seine Familie behandelt. Sie beschreiben ihn als jähzornig, als einen, der Leute anblafft und Geschäftspartner gnadenlos kompromittiert. Sobald aber seine Ehefrau Ulrike erscheine, gebe sich der Gatte handzahm.

Die Kovats' residieren stilvoll in einem Vorort im Süden Wiens. Dort bauen sie sich soeben ein modernes Palais in einem ausladenden Park. Dies sei der einzige Luxus, den er sich gönne, behauptet der Millionär. Ansonsten bescheide er sich mit einem Monatsbudget von 10.000 Euro. "Das ist für mich viel Geld."

Die Attribute eines Parvenüs lehnt Kovats tatsächlich ab: Er verschmäht dicke Zigarren, protzt nicht mit teuren Autos und schiebt im Restaurant die Weinkarte A-Tec-Vize Christian Schmidt (50) zu, "denn der hat da mehr Ahnung".

"Etwas auf die Beine stellen"

Kovats stammt aus einfachen Verhältnissen. Als der Vater kurz vor dem Rentenalter seinen kleinen Gewerbebetrieb liquidieren musste, standen die Kovats vor dem Nichts. Dennoch hat das einzige Kind der Familie studiert - mit einem Stipendium.

Bereits mit 23 Jahren promovierte der Wirtschaftswissenschaftler. Danach gab es "super Angebote in Deutschland und Amerika". Aber der Sohn wollte den verwitweten Vater nicht allein in Wien zurücklassen. Also zog er Mitte der 70er Jahre eine Firma auf, die sich auf den Osthandel spezialisierte.

Die Geschäfte hinter dem Eisernen Vorhang haben Kovats gestählt. Er fuhr Tage und Nächte in miefigen Zügen nach Bukarest oder Moskau, logierte in schäbigen Comecon-Hotels und verhökerte beinahe alles, was mit Werkzeugmaschinen zu tun hatte. "Es reichte immer zum Leben; ich besaß sogar ein paar Wohnhäuser", sagt Kovats, "aber ich war kein gemachter Mann."

Ende der 80er Jahre schaute sich der Handlungsreisende nach neuen Betätigungsfeldern um. Er strebte nach einem eigenen Maschinenbaubetrieb, wollte "etwas auf die Beine stellen". Die österreichische Society sollte nicht länger an ihm vorbei-, sondern zu ihm aufschauen.

Kovats erreichte genau das Gegenteil. "Fast alle seiner Partner hatten irgendwann einen Grund, auf ihn schlecht zu sprechen zu sein", erinnert sich Rudolf Krtina, der in den 90er Jahren mit Kovats zusammenarbeitete. "Wo er hinkam, gab es Verdruss", so Krtina. "Stets sorgte er dafür, dass andere die Probleme hatten und er mit ungerechtfertigtem Profit aussteigen konnte."

In der Tat, Kovats handelte sich viel Ungemach ein in jener Zeit. Er verstrickte sich in ein Geflecht maroder Firmen, sei es als Miteigentümer von Stahl- und Maschinenbaubetrieben oder als Diskothekenbesitzer, und er schlitterte immer wieder in die Insolvenz. Mehrfach wurde er verklagt, auch von Krtina. Der hatte ihm bei einem Bauprojekt in Kattowitz mit mehr als einer Million Euro aus der Patsche geholfen. Erst nach langem Rechtsstreit bekam er einen Teil seines Geldes wieder, um den Rest wird noch gestritten. Für den Gescholtenen sind das alles Geschichten von gestern und Kritiker wie Krtina nur Leute, die ihm seinen Erfolg neiden. "Wenn einer eine Pleite baut, hat er jede Menge Ärger", klagt Kovats. "Dass ich aber mit meiner A-Tec 13.000 Jobs erhalten habe, davon spricht keiner."

Den Grundstein für die A-Tec legte der Selfmademan 1997. Damals erwarb er 50 Prozent an der Salzburger Werkzeugmaschinenfabrik Emco. Das Werk war illiquide; um den Konkurs abzuwenden, musste er 17 Millionen Euro aufbringen. "Ich habe", sagt Kovats, "meinen gesamten Besitz für einen Bankkredit verpfändet und manche Nacht schlecht geschlafen."

"Das ist die True Economy"

Die riskante Investition rechnete sich. Nach zwei Jahren schrieb Emco schwarze Zahlen.

Die Emco war gerade saniert, da schlug der Entrepreneur schon wieder zu: 1999 kaufte er eine zweite Maschinenfabrik, 2001 die dritte. Das Rad dreht sich seither immer schneller - inzwischen sind unter dem Dach der A-Tec rund 70 Gesellschaften versammelt. Das Muster der Übernahmen aber ist immer das gleiche geblieben:

Kovats engagiert sich bevorzugt in angeschlagenen Betrieben der Old Economy ("das ist die True Economy"). Dort kennt er sich aus; wenn er durch die Werkshallen geht oder die Bilanzen liest, weiß er binnen Kurzem, ob in dem Unternehmen vernachlässigte Qualitäten stecken. Dann beginnt das Feilschen. "Der Mann ist ein harter Verhandler, der die Not anderer brutal ausnutzt", sagt ein ehemaliger Weggefährte. Will heißen: Kovats gelingt es fast immer, einen niedrigen Kaufpreis und hohe Subventionen herauszuschlagen.

Ist das Geschäft abgeschlossen, wird zügig restrukturiert - und sofort ein neuer Kredit aufgenommen.

Mit jedem Deal, den Kovats deichselt, steigt sein Kapitalbedarf. Und stets finden sich Banken und Investoren, die ihm Bares anvertrauen. "Die wissen eben", so Kovats selbstbewusst, "dass sie mit mir schöne Renditen erzielen."

Ein besonders hübsches Schnäppchen erhaschte der Finanzjongleur mit der VA Tech. Für 68,8 Millionen Euro - ausschließlich gepumptes Geld - erwarb er im Mai 2003 gemeinsam mit einigen Privatpersonen knapp ein Fünftel der Aktien. Was Kovats mit dem Anlagenbauer vorhatte, blieb zunächst im Dunkeln. Mal stockte er die Anteile auf, dann reduzierte er sie wieder. Einmal verhandelte er mit General Electric , dann wieder mit Siemens .

Heute behauptet Kovats, es sei von Anfang an sein Anliegen gewesen, VA Tech zu übernehmen und mit der A-Tec zu verschmelzen. Aber sowohl das Management als auch österreichische Politiker legten sich quer. Sie wollten dem Angreifer mit dem fragwürdigen Ruf ihre Industrieperle nicht anvertrauen.

Eineinhalb Jahre lang tobte die Schlacht. Dann verkauften die Investoren ihre VA-Tech-Papiere an Siemens. Reingewinn für Kovats und Konsorten: 50 Millionen Euro.

"Die Gier überspannt"

Kovats konnte die VA-Tech-Millionen gut gebrauchen, denn er hatte längst ein noch größeres Objekt im Auge: Die Schweizer Oerlikon (damals Unaxis). Der Hightech-Konzern mit mehr als 6400 Mitarbeitern wurde schlecht geführt, verfügte aber über eine Cashposition von 450 Millionen Euro. Zudem sah Kovats Synergiepotenziale mit seiner A-Tec und hoffte, die beiden Unternehmen vereinen zu können.

Auch dieser Plan ging schief. Kovats und seinem Partner Ronny Pecik (45) gelang es zwar, mit Optionsgeschäften und der Unterstützung privater Geldgeber im Mai 2005 die Mehrheit der Unaxis-Aktien zu ergattern. Nach eingehender Prüfung stellte sich aber heraus, dass Oerlikon und Kovats' A-Tec nicht zusammenpassten.

Anfang 2006 - es herrschten mittlerweile unterschiedliche Auffassungen über die Zukunft von Oerlikon zwischen den Partnern - zog sich Kovats wieder aus dem Schweizer Konzern zurück. Gleichzeitig gab Pecik seine A-Tec-Anteile ab.

Die Trennung kam überraschend. Hatte Kovats doch mit dem ehemaligen Starkstrommechaniker und späteren Investmentbanker jahrelang bei der Finanzierung von Firmenkäufen und Beteiligungen eng zusammengearbeitet. Indes, Peciks Leumund war noch zweifelhafter als der von Kovats. Seine Optionsgeschäfte trieben ihn zweimal in den Ruin. Er habe, gestand Pecik kürzlich in einem Interview, "die Gier überspannt".

Mit so einem Hasardeur wollte Kovats offenkundig nicht länger gemeinsame Sache machen. Zumal es ihm - anders als Pecik - nicht nur ums Geld, sondern mehr noch um Geltung geht.

Nach der Trennung von Pecik und Oerlikon konzentrierte sich Kovats wieder ganz und gar auf seine A-Tec. Er führte das Konglomerat im Dezember 2006 an die Börse und verfügte somit über neues Spielgeld, das er sofort investierte: 2007 erwarb er die Maschinenbauer Lentjes und Dörries Scharmann, obendrein kaufte er in Frankreich, China und Großbritannien zu.

In immer kürzeren Abständen greift Kovats zu, immer waghalsiger werden seine Projekte. Rastloser denn je jettet er durch die Welt, fliegt für eine Besprechung nach Singapur und ist zwei Tage später schon wieder in Europa unterwegs. Den Blackberry schaltet er nie aus. Egal ob in den Pausen der Gerichtsverhandlung oder während des Abendessens im noblen Wiener Restaurant "Fabios" - ständig telefoniert der Mann oder schreibt SMS. "lgmk", jeder seiner deutschsprachigen Geschäftsfreunde kennt dieses Kürzel, das für "liebe Grüße Mirko Kovats" steht.

Der Verschmähte schlägt zurück

Weshalb die Betriebsamkeit? Ganz einfach, sagt einer seiner Berater: "Kovats hat Kupfer geleckt." Die Förderung und Verarbeitung von Kupfer - systematisch baut Kovats diese Säule der A-Tec aus. Seit 2004 gehören ihr mehr als 90 Prozent der Anteile am österreichischen Montanwerk Brixlegg. Im März 2007 kam der französische Kupferhalbzeughersteller Gindre Duchavany dazu.

Nur einen Monat später wandte sich Kovats an den belgischen Kupferkonzern Cumerio und schlug dem Management eine Übernahme vor. Vergeblich. Die Belgier entschieden sich gegen den Österreicher und setzten die Verhandlungen mit dem Hamburger Kupferspezialisten NA fort.

Doch Cumerio und NA hatten den gerissenen Kovats unterschätzt. Der Verschmähte holte sofort zum Gegenschlag aus: Stück für Stück kaufte er sich bei Cumerio ein. Zudem gab er am 15. Juni bekannt, dass die A-Tec auch 10 Prozent der NA-Anteile übernommen habe - etwa eine Woche bevor NA-Chef Werner Marnette (62) die geplante Übernahme der Belgier verkündete.

Das Hase-und-Igel-Spiel wurde im Laufe des Sommers immer kurioser, und anfangs war stets Kovats der Igel. Während Marnette noch die Stimmung gegen den Angreifer aus Wien schürte, stockte Kovats seine Anteile auf. Im Juli gehörten der A-Tec 15,1 Prozent der NA und 25 Prozent plus eine Aktie der Cumerio. Marnette saß in der Falle.

Notgedrungen schloss der NA-Chef am 5. September mit seinem Kontrahenten einen Pakt. Demzufolge sollte die A-Tec ihr Cumerio-Paket an die NA abtreten. Dafür hätten die Wiener 20 Prozent an dem neu zu formierenden Giganten NA-Cumerio erhalten, zudem zwei Sitze im Aufsichtsrat. Eine Genugtuung für Kovats. Doch die Euphorie währte nur ein paar Tage. Dann war klar, dass der NA-Aufsichtsrat den Vertragsentwurf nicht unterzeichnen würde.

Seither geht nichts mehr. Marnette hat im Zuge der Auseinandersetzungen mit seinen Aufsehern den Job verloren. Die NA wird nun vom ehemaligen Finanzvorstand Bernd Drouven (52) geführt. Kovats selbst kann sich auch nicht bewegen, weil das Kartellamt noch nicht entscheiden hat, ob die A-Tec ihren Anteil an der NA wie geplant aufstocken darf. Blockiert wird der Österreicher seit gestern auch durch die Hansestadt Hamburg, die mit 5 Prozent plus einer Aktie bei der NA eingestiegen ist, um die Standortinteresse der Elbmetropole zu wahren.

Das Patt ist perfekt. Aber Kovats hat seine Kupfervision längst nicht verworfen. Mit 466 Millionen Dollar versucht er derzeit Oleg Deripaska (39) beim Gerangel um den serbischen Kupferproduzenten RTB Bor auszustechen. Die Chancen für die A-Tec stehen gut: Der Russe bietet nur 370 Millionen Dollar.

"Ein großer Kupferkonzern"

Ein Kupferverbund aus fünf Unternehmen, der die gesamte Wertschöpfungskette von der Mine bis zum Halbzeug abdeckt - das wäre Kovats' Traum. Bleibt nur die Frage, wie er das Abenteuer finanzieren will.

Schon jetzt ächzt die A-Tec unter der hohen Zinslast. Durch die Beteiligungen und Zukäufe der vergangenen Monate stieg die Nettoverschuldung der A-Tec von 67 Millionen Euro (Ende 2006) auf 543 Millionen Euro. Gleichzeitig sackte die Eigenkapitalquote auf 17,7 Prozent ab.

Im dritten Quartal drückten die Finanzierungskosten den Nettogewinn fast auf null. Der A-Tec-Aktienkurs ist eingebrochen. Im Sommer notierte das Papier bei 194 Euro, jetzt liegt es mit unter 65 Euro deutlich unter dem Ausgabekurs von 100 Euro.

"Die Anleger sind wegen der schwer einzuschätzenden Kupferstrategie der A-Tec verunsichert", meint Klaus Pflum, Investmentbanker bei Nomura. Um wieder Vertrauen zu schaffen, müsse Kovats klar kommunizieren, wie es jetzt weitergehen solle.

Doch der lässt sich nicht wirklich in die Karten schauen. "Am Ende kann ein großer Kupferkonzern stehen, das ist sonnenklar. Mehr sage ich nicht", ließ Kovats sich lange vernehmen. Vor einigen Tagen sagte er nun, dass er "natürlich ein Interesse habe, die Cumerio-Anteile an die NA abzugeben". Am Montag dieser Woche erklärte A-Tec dann in einer Mitteilung an die Börse Euronext, man prüfe mehrere Optionen, darunter den Verkauf seines 25-Prozent-Anteils an die NA.

Da ist er wieder, der ehemalige Osthändler: Immer auf der Hut, immer misstrauisch, unberechenbar und wendig. Ein Grenzgänger, der überall polarisiert. Gewerkschafter achten ihn ob seiner Handschlagqualität. Manager verachten ihn, weil er sich nicht an die ungeschriebenen Gesetze der Business-Community hält.

Doch denen, die ihn wie einen Ausgestoßenen behandeln, die ihm die Tür vor der Nase zuschlagen, wie der NA-Aufsichtsrat, denen wird er es noch zeigen, da ist sich Kovats sicher. "Keiner ist in so kurzer Zeit so groß geworden wie ich", sagt er mit der Miene eines trotzigen Kindes. "Was immer die NA auch vorhat - mich überrumpelt keiner mehr."

Der Aufstieg des Mirko Kovats

Einst Osthändler, heute Industriemagnat Der Aufstieg des Mirko Kovats

70er und 80er Jahre: Mirko Kovats handelt in den Comecon-Staaten mit Maschinen.

90er Jahre: Ausstieg aus dem Ostblock-Geschäft. Kovats kauft Industriefirmen, betreibt Diskotheken und Hotels. 1997 erwirbt er die Hälfte der Maschinenfabrik Emco - der Grundstein für die A-Tec Industries.

2001: Christian Schmidt stößt zur A-Tec. Er steigt 2006 zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden auf.

2002: Der Kauf des Semperit-Werkes vom Automobilzulieferer Continental scheitert. Auch die Übernahme der Wiener Grundig-Fabrik misslingt.

2003: Eine Investorengruppe um Kovats beteiligt sich am VA-Tech-Konzern. Nach eineinhalb Jahren werden die Anteile an Siemens verkauft.

Mai 2005: Kovats und sein Partner Ronny Pecik übernehmen die Macht beim Schweizer Hightechkonzern Oerlikon (damals: Unaxis).

Januar 2006: Bruch zwischen Kovats und Pecik. Kovats verabschiedet sich von Oerlikon, sein langjähriger Partner Pecik zieht sich aus der A-Tec zurück.

April 2007: Die Kupferfirma Cumerio lehnt eine Übernahme durch Kovats ab. Der Kupferkrimi beginnt.

Juni 2007: Kurz bevor die Norddeutsche Affinerie (NA) die geplante Übernahme von Cumerio verkündet, kauft A-Tec 10 Prozent der NA-Aktien. Kovats fordert Mitspracherechte bei der NA.

September 2007: A-Tec besitzt 15,1 Prozent der NA-Anteile und eine Sperrminorität an Cumerio. NA-Chef Werner Marnette sagt Kovats zwei Aufsichtsratssitze bei der künftigen NA-Cumerio zu, um die Übernahme von Cumerio nicht zu gefährden. Die NA-Aufseher weigern sich, den Vertrag zu unterzeichnen. Patt zwischen NA und Kovats.

November 2007: Marnette verlässt im Streit mit den NA-Kontrolleuren das Unternehmen.

Dezember 2007: Der im September begonnene Prozess gegen Kovats wegen betrügerischen Konkurses wird fortgesetzt.

Januar 2008: Der Aufsichtsrat ernennt Bernd Drouven zum neuen NA-Chef, nachdem dieser bereits seit Marnettes Abgang die Geschäfte kommissarisch geführt hatte. Der NA-Vorstand bekräftigt seine Pläne, den belgischen Kupferhersteller Cumerio zu übernehmen; Kovats lässt sich nicht in die Karten schauen.

5. Februar 2008: Knapp drei Wochen vor der Bürgerschaftswahl gibt die Hansestadt Hamburg überraschend bekannt, sich mit 5 Prozent plus einer Aktie an der NA beteiligt zu haben. Dadurch soll Europas größte Kupferhütte an der Elbe gehalten werden.

Auf Schrott gebaut: Das A-Tec-Konglomerat