Samstag, 20. April 2019

A-Tec-Chef Kovats Viel Feind, wenig Ehr

6. Teil: Der Verschmähte schlägt zurück

Weshalb die Betriebsamkeit? Ganz einfach, sagt einer seiner Berater: "Kovats hat Kupfer geleckt." Die Förderung und Verarbeitung von Kupfer - systematisch baut Kovats diese Säule der A-Tec aus. Seit 2004 gehören ihr mehr als 90 Prozent der Anteile am österreichischen Montanwerk Brixlegg. Im März 2007 kam der französische Kupferhalbzeughersteller Gindre Duchavany dazu.

Bernd Drouven (52) folgte an der NA-Spitze auf Werner Marnette

Nur einen Monat später wandte sich Kovats an den belgischen Kupferkonzern Cumerio und schlug dem Management eine Übernahme vor. Vergeblich. Die Belgier entschieden sich gegen den Österreicher und setzten die Verhandlungen mit dem Hamburger Kupferspezialisten NA fort.

Doch Cumerio und NA hatten den gerissenen Kovats unterschätzt. Der Verschmähte holte sofort zum Gegenschlag aus: Stück für Stück kaufte er sich bei Cumerio ein. Zudem gab er am 15. Juni bekannt, dass die A-Tec auch 10 Prozent der NA-Anteile übernommen habe - etwa eine Woche bevor NA-Chef Werner Marnette (62) die geplante Übernahme der Belgier verkündete.

Das Hase-und-Igel-Spiel wurde im Laufe des Sommers immer kurioser, und anfangs war stets Kovats der Igel. Während Marnette noch die Stimmung gegen den Angreifer aus Wien schürte, stockte Kovats seine Anteile auf. Im Juli gehörten der A-Tec 15,1 Prozent der NA und 25 Prozent plus eine Aktie der Cumerio. Marnette saß in der Falle.

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Notgedrungen schloss der NA-Chef am 5. September mit seinem Kontrahenten einen Pakt. Demzufolge sollte die A-Tec ihr Cumerio-Paket an die NA abtreten. Dafür hätten die Wiener 20 Prozent an dem neu zu formierenden Giganten NA-Cumerio erhalten, zudem zwei Sitze im Aufsichtsrat. Eine Genugtuung für Kovats. Doch die Euphorie währte nur ein paar Tage. Dann war klar, dass der NA-Aufsichtsrat den Vertragsentwurf nicht unterzeichnen würde.

Seither geht nichts mehr. Marnette hat im Zuge der Auseinandersetzungen mit seinen Aufsehern den Job verloren. Die NA wird nun vom ehemaligen Finanzvorstand Bernd Drouven (52) geführt. Kovats selbst kann sich auch nicht bewegen, weil das Kartellamt noch nicht entscheiden hat, ob die A-Tec ihren Anteil an der NA wie geplant aufstocken darf. Blockiert wird der Österreicher seit gestern auch durch die Hansestadt Hamburg, die mit 5 Prozent plus einer Aktie bei der NA eingestiegen ist, um die Standortinteresse der Elbmetropole zu wahren.

Das Patt ist perfekt. Aber Kovats hat seine Kupfervision längst nicht verworfen. Mit 466 Millionen Dollar versucht er derzeit Oleg Deripaska (39) beim Gerangel um den serbischen Kupferproduzenten RTB Bor auszustechen. Die Chancen für die A-Tec stehen gut: Der Russe bietet nur 370 Millionen Dollar.

© manager magazin 1/2008
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