Samstag, 20. April 2019

A-Tec-Chef Kovats Viel Feind, wenig Ehr

5. Teil: "Die Gier überspannt"

Kovats konnte die VA-Tech-Millionen gut gebrauchen, denn er hatte längst ein noch größeres Objekt im Auge: Die Schweizer Oerlikon (damals Unaxis). Der Hightech-Konzern mit mehr als 6400 Mitarbeitern wurde schlecht geführt, verfügte aber über eine Cashposition von 450 Millionen Euro. Zudem sah Kovats Synergiepotenziale mit seiner A-Tec und hoffte, die beiden Unternehmen vereinen zu können.

Zu wenig Synergiepotenzial: Den Anlagenbauer Oerlikon übernahm Kovats und scheiterte mit seinem Plan

Auch dieser Plan ging schief. Kovats und seinem Partner Ronny Pecik (45) gelang es zwar, mit Optionsgeschäften und der Unterstützung privater Geldgeber im Mai 2005 die Mehrheit der Unaxis-Aktien zu ergattern. Nach eingehender Prüfung stellte sich aber heraus, dass Oerlikon und Kovats' A-Tec nicht zusammenpassten.

Anfang 2006 - es herrschten mittlerweile unterschiedliche Auffassungen über die Zukunft von Oerlikon zwischen den Partnern - zog sich Kovats wieder aus dem Schweizer Konzern zurück. Gleichzeitig gab Pecik seine A-Tec-Anteile ab.

Die Trennung kam überraschend. Hatte Kovats doch mit dem ehemaligen Starkstrommechaniker und späteren Investmentbanker jahrelang bei der Finanzierung von Firmenkäufen und Beteiligungen eng zusammengearbeitet. Indes, Peciks Leumund war noch zweifelhafter als der von Kovats. Seine Optionsgeschäfte trieben ihn zweimal in den Ruin. Er habe, gestand Pecik kürzlich in einem Interview, "die Gier überspannt".

Mit so einem Hasardeur wollte Kovats offenkundig nicht länger gemeinsame Sache machen. Zumal es ihm - anders als Pecik - nicht nur ums Geld, sondern mehr noch um Geltung geht.

Nach der Trennung von Pecik und Oerlikon konzentrierte sich Kovats wieder ganz und gar auf seine A-Tec. Er führte das Konglomerat im Dezember 2006 an die Börse und verfügte somit über neues Spielgeld, das er sofort investierte: 2007 erwarb er die Maschinenbauer Lentjes und Dörries Scharmann, obendrein kaufte er in Frankreich, China und Großbritannien zu.

In immer kürzeren Abständen greift Kovats zu, immer waghalsiger werden seine Projekte. Rastloser denn je jettet er durch die Welt, fliegt für eine Besprechung nach Singapur und ist zwei Tage später schon wieder in Europa unterwegs. Den Blackberry schaltet er nie aus. Egal ob in den Pausen der Gerichtsverhandlung oder während des Abendessens im noblen Wiener Restaurant "Fabios" - ständig telefoniert der Mann oder schreibt SMS. "lgmk", jeder seiner deutschsprachigen Geschäftsfreunde kennt dieses Kürzel, das für "liebe Grüße Mirko Kovats" steht.

© manager magazin 1/2008
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