Sonntag, 21. April 2019

A-Tec-Chef Kovats Viel Feind, wenig Ehr

3. Teil: "Etwas auf die Beine stellen"

Kovats stammt aus einfachen Verhältnissen. Als der Vater kurz vor dem Rentenalter seinen kleinen Gewerbebetrieb liquidieren musste, standen die Kovats vor dem Nichts. Dennoch hat das einzige Kind der Familie studiert - mit einem Stipendium.

Kovats: "Es reichte immer zum Leben; ich besaß sogar ein paar Wohnhäuser, aber ich war kein gemachter Mann."
Bereits mit 23 Jahren promovierte der Wirtschaftswissenschaftler. Danach gab es "super Angebote in Deutschland und Amerika". Aber der Sohn wollte den verwitweten Vater nicht allein in Wien zurücklassen. Also zog er Mitte der 70er Jahre eine Firma auf, die sich auf den Osthandel spezialisierte.

Die Geschäfte hinter dem Eisernen Vorhang haben Kovats gestählt. Er fuhr Tage und Nächte in miefigen Zügen nach Bukarest oder Moskau, logierte in schäbigen Comecon-Hotels und verhökerte beinahe alles, was mit Werkzeugmaschinen zu tun hatte. "Es reichte immer zum Leben; ich besaß sogar ein paar Wohnhäuser", sagt Kovats, "aber ich war kein gemachter Mann."

Ende der 80er Jahre schaute sich der Handlungsreisende nach neuen Betätigungsfeldern um. Er strebte nach einem eigenen Maschinenbaubetrieb, wollte "etwas auf die Beine stellen". Die österreichische Society sollte nicht länger an ihm vorbei-, sondern zu ihm aufschauen.

Kovats erreichte genau das Gegenteil. "Fast alle seiner Partner hatten irgendwann einen Grund, auf ihn schlecht zu sprechen zu sein", erinnert sich Rudolf Krtina, der in den 90er Jahren mit Kovats zusammenarbeitete. "Wo er hinkam, gab es Verdruss", so Krtina. "Stets sorgte er dafür, dass andere die Probleme hatten und er mit ungerechtfertigtem Profit aussteigen konnte."

In der Tat, Kovats handelte sich viel Ungemach ein in jener Zeit. Er verstrickte sich in ein Geflecht maroder Firmen, sei es als Miteigentümer von Stahl- und Maschinenbaubetrieben oder als Diskothekenbesitzer, und er schlitterte immer wieder in die Insolvenz. Mehrfach wurde er verklagt, auch von Krtina. Der hatte ihm bei einem Bauprojekt in Kattowitz mit mehr als einer Million Euro aus der Patsche geholfen. Erst nach langem Rechtsstreit bekam er einen Teil seines Geldes wieder, um den Rest wird noch gestritten. Für den Gescholtenen sind das alles Geschichten von gestern und Kritiker wie Krtina nur Leute, die ihm seinen Erfolg neiden. "Wenn einer eine Pleite baut, hat er jede Menge Ärger", klagt Kovats. "Dass ich aber mit meiner A-Tec 13.000 Jobs erhalten habe, davon spricht keiner."

Den Grundstein für die A-Tec legte der Selfmademan 1997. Damals erwarb er 50 Prozent an der Salzburger Werkzeugmaschinenfabrik Emco. Das Werk war illiquide; um den Konkurs abzuwenden, musste er 17 Millionen Euro aufbringen. "Ich habe", sagt Kovats, "meinen gesamten Besitz für einen Bankkredit verpfändet und manche Nacht schlecht geschlafen."

© manager magazin 1/2008
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