Was macht eigentlich Johann C. Lindenberg?

33 Jahre hat Johann C. Lindenberg die Geschicke von Unilever mitgeprägt, bis 2005 war er Deutschland-Chef des Konsumgüterkonzerns. Nebenbei leitete Lindenberg den Markenverband und wetterte gegen die Geiz-ist-geil-Mode. Heute profitieren diverse Aufsichtsräte von den Erfahrungen des "passionierten Nichtgolfers".

"Jetzt aber schnell, bitte." Johann C. Lindenberg drängt zur Eile. In einer Stunde gehe sein Flug, mahnt der ehemalige Chef von Unilever Deutschland. Dann sei er erst nächste Woche wieder zu sprechen. Nein, bestenfalls am Donnerstag, wenn überhaupt.

Schwer zu glauben bei dieser Termindichte, dass Lindenberg zur Riege der Vorstandsruheständler zählt. Der hochgewachsene Manager mit dem vollen dunklen Haar und der sonoren Stimme wirkt immer noch so, als sei er im aktiven Dienst.

Dabei übergab Lindenberg die Geschäfte bei Unilever bereits 2005 an seinen Nachfolger Henning Rehder. Bis dahin galt er als Unilever-Urgestein. 33 Jahre war er im Unternehmen auf unterschiedlichen Posten tätig, zuletzt als Deutschland-Chef des britisch-niederländischen Konsumgütergiganten. Nebenbei leitete Lindenberg den Markenverband und wetterte heftig gegen die Geiz-ist-geil-Mode.

Für die Vorzüge des Altenteils kann Lindenberg sich nur bedingt begeistern. Er widmet sich zwar der Lektüre von Belletristik und reist auch viel. Dennoch reicht ihm das nicht. "Ruhe ist schön, aber kein erstrebenswerter Dauerzustand." Während die Altersgenossen an ihrem Golf-Handicap feilen, sucht sich der "passionierte Nichtgolfer" (Lindenberg über Lindenberg) neue Aktionsfelder: "Mir ist wichtig, dass ich mit Geist und Fantasie tätig bleibe."

Vor allem Aufsichtsratsmandate sammelt Lindenberg wie andere Leute Münzen. In sechs Kontrollgremien sitzt er, unter anderem bei Gruner + Jahr und bei Esso Deutschland.

"20 Prozent auf alles"

"20 Prozent auf alles"

Besonders beschäftigt ihn derzeit die Aufsichtsratsarbeit beim Billig-Baumarkt Praktiker . Mit wilden Rabattaktionen ("20 Prozent auf alles") gilt die Kette als Preisbrecher ihrer Branche. Der Markenmann Lindenberg und ein Handwerksdiscounter - auf den ersten Blick passt da wenig zusammen. Doch Lindenberg hat Großes vor mit der früheren Tochter des Handelskonzerns Metro : "Die Marke Praktiker soll für mehr stehen als nur für billig. Dabei will ich helfen", erklärt er.

Zwischenzeitlich war Lindenberg überdies Chefaufseher bei Puma    - oder eben doch nicht. Großaktionär und Tchibo-Erbe Günter Herz hatte ihn für den Job angeworben. Doch kaum dass Lindenberg nominiert war, verkaufte Herz seine Anteile Mitte 2007 an den französischen Luxuskonzern PPR . Dem Posten trauert Lindenberg bis heute nach: "Puma wäre eine extrem spannende Aufgabe gewesen, war aber auch so eine lehrreiche Zwischenstation."

Bei all der Arbeitswut: Für jeden Job ist auch Lindenberg nicht zu haben. Offerten aus der Private-Equity-Ecke lehnt er ab: "Da sind die kulturellen Unterschiede dann doch zu groß." Der angelsächsische Turbokapitalismus liegt ihm nicht. Lieber sucht er sich Jobs mit langfristigen Herausforderungen.


Johann C. Lindenberg (62) hat sein Berufsleben bei Unilever  verbracht. 1972 startete er als Management-Trainee bei dem Konsumgüterkonzern und machte international Karriere.

1998 wurde Lindenberg Deutschland-Chef und verantwortete die erfolgreiche Integration des übernommenen Wettbewerbers Bestfoods. Außerdem wirkte Lindenberg in diversen Verbandsvorständen, unter anderem im Bundesverband der Ernährungsindustrie und als Präsident des Markenverbandes.

Lindenberg ist verheiratet und lebt in Hamburg. Seine knappe Freizeit verbringt er mit Kunst, Kultur und Reisen. Zuletzt durchquerte er Asien auf der Seidenstraße.

Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.