Montag, 16. September 2019

Bayer-Chef Wenning Revolutionär mit Bodenhaftung

5. Teil: Sanft im Umgang, hart in der Sache

IV. Sanft im Umgang, hart in der Sache

Sanierung nach Lipobay, Restrukturierung mit Lanxess, Neuaufbau etwa mit dem Kauf der OTC-Sparte von Roche oder der Schering-Übernahme - es sind drei völlig unterschiedliche Managementaufgaben, die Wennings Amtszeit prägen. Und doch ist seine Handschrift, sein Entscheidungs- und Führungsstil, stets gleich.

Startschuss: Wenning (Kreis) im April 1966 mit Lehrlingskollegen
"Am Anfang sammelt er Meinungen, Optionen und Vorschläge, die er intensiv analysiert, bevor er entscheidet", sagt Richard Pott, der als Strategiechef seit Jahren mit Wenning eng zusammenarbeitet. In den Diskussionen geht es hoch her; auch der Vorstandschef wird dann leidenschaftlich, rheinischer Singsang mischt sich in Stakkatosätze: Kamelle meets Portfolio.

Ausdrücklich verlangt Wenning dabei Offenheit, ja Kritik. Wer die Organisation für sich arbeiten lässt, anstatt in Feldherrenmanier Tagesbefehle zu erteilen, kann keine Abnicker gebrauchen.

Hinter dieser Methode steht Wennings Glaube an die Macht der Rationalität: Sind alle Argumente ausgetauscht, alle Möglichkeiten durchgespielt, dann kann am Ende nur eine seiner Lieblingsformulierungen stehen, die "kristallklare Entscheidung". Die er, daran lässt er nie Zweifel aufkommen, selbst trifft.

So offen Wenning vorher diskutiert, so schnell und konsequent (manche sagen: stur) ist er in der Durchführung. Ungeduldig kann er sein, das Veränderungstempo atemberaubend. "Extrem umsetzungsstark" heißt im zurückhaltenden Beratersprech, was in der Realität an die Unbeirrbarkeit einer Panzerdivision in der Offensive erinnert und die behäbigen Strukturen nicht nur bei "Mutter Bayer" schon mal kräftig durcheinanderwirbelt. So war man bei Schering recht irritiert, als kurz nach dem Handschlag zwischen Hubertus Erlen und Wenning schon die Schilder ausgetauscht wurden. "Die hatten mit ihrem Hintern noch nicht die Stühle gewärmt, aber schon das Bayer-Kreuz angeschraubt", erinnert sich ein Insider.

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Von öffentlichen Meinungsumschwüngen oder Buhrufen und Pfiffen in den Turbulenzen um die Lanxess-Entscheidung lässt Wenning sich nicht irritieren, er hält Kurs. "Er vertritt auch unpopuläre Entscheidungen persönlich vor der Belegschaft, geht dem Konflikt nicht aus dem Weg", sagt Betriebsratschef Thomas de Win. Wenning ist ein Steher.

Dennoch ist ihm an Konsens gelegen, er ist kein "Basta!"-Typ. Um möglichst alle einzubinden, schreckt er auch vor symbolträchtigen Zugeständnissen nicht zurück - solange an der Entscheidung selbst nicht gerüttelt wird. So trat er bei Schering nicht wie Rambo die Tür ein, sondern klopfte artig als Weißer Ritter an.

Mit Blick auf den sensiblen Stolz des Berliner Traditionsunternehmens gab er die Zentrale der Bayer Schering Pharma AG in die Hauptstadt; das Problem der Doppelbesetzungen im Management löste er mit neutralen Audits, durchgeführt von der Personalberatung Egon Zehnder. Die eine Milliarde teure Integration zieht Wenning dennoch so schnell wie stoisch durch, lässt nie Zweifel aufkommen, wer hier wen gekauft hat.

© manager magazin 12/2007
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