Freitag, 6. Dezember 2019

Traumgehälter Große Verdienste

Fleißig sind viele - aber nur wenige verdienen siebenstellig. Einkommensmillionäre wie die BCG-Partnerin Antonella Mei-Pochtler sind so erfolgreich, weil sie ihre Stärken ausspielen, anstatt sich an ihren Schwächen abzuarbeiten.

Die Manschettenknöpfe: Montblanc, der Anzug: maßgeschneidert - so sitzt Hans-Jürgen Lang (50) im 12. Stock des wuchtigen Turms im Mediapark Köln, vor sich nichts als Telefon, Laptop, ein Familienfoto. Hier, sagt der Schreibtisch, hält man sich nicht mit Papier auf, mit Klein-Klein. Hier wird entschieden, gestaltet, dirigiert.

Lang ist Direktor beim Finanzdienstleister AWD Börsen-Chart zeigen und einer von rund 9000 Menschen in Deutschland, die so erfolgreich in ihrem Beruf sind, dass sie das 25-Fache des Durchschnittseinkommens - oder mehr - verdienen. Lang ist Einkommensmillionär.

Wenn ihn jetzt sein Vater sehen könnte. Der Hilfsarbeiter war und kleiner Angestellter, der den geerbten, viel zu kleinen Bauernhof nicht halten konnte, der abends mit schmaler Lohntüte am Küchentisch saß und weinte. Der seinem Sohn kein richtiges Rad kaufen konnte, nur ein altersschwaches Vehikel, für das Hans-Jürgen zu klein war, sodass er ein Bein unter die Stange schieben und mühsam kippeln musste. Lang sagt: "Geld war mir immer wichtig. Nicht als konkrete Summe, aber als etwas, das mir Sicherheit gibt."

Die Mehrheit der Millionäre ist da weit weniger deutlich. Über ihr Einkommen sprechen sie beiläufig wie von einem zugelaufenen Kätzchen: "Ich gab ihm ein Schälchen Milch, und es ist geblieben." Ein siebenstelliges Gehalt?, sagen sie, och, das hat sich halt ergeben.

Richtig daran ist: Anders als noch vor zwei, drei Jahrzehnten sind Einkommensmillionäre keine mythischen Sonderlinge mehr, sondern Rollenvorbilder für Erfolg im Job. Gerade in Berufen wie Anwalt, Unternehmensberater oder Banker, wo früher schon ein gewisser Wohlstand zu erwarten war, hat die Zahl der Eine-Million-Euro-Jobs in den vergangenen Jahren stetig zugenommen: Man muss nicht Grönemeyer sein oder Klose oder für eine einzige Rede 100.000 Euro bekommen wie Ex-Kanzler Gerhard Schröder, um siebenstellig zu verdienen.

Auch Topvertriebler wie Lang oder Consultants wie die BCG-Markenexpertin Antonella Mei-Pochtler springen über die magische Schwelle.

Eine Sache aber hat sich nicht geändert, ist eher noch entscheidender geworden: Wer in die Beletage der Einkommensstatistik einziehen möchte, muss kräftig ranklotzen, muss in dem, was er tut, zu den Besten gehören.

Was aber treibt den Erfolg? Ist es eine Frage des Talents, des Fleißes, des Ehrgeizes? Der Wille zur Jacht? Welche Jobs spielen in der Liga mit den sechs Nullen? Und: Ist es die Mühe wert?

© manager magazin 11/2007
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