Dienstag, 28. Januar 2020

Air Berlin Mayday, mayday

Aufbauunternehmer und Air-Berlin-Chef Joachim Hunold hat sich offenbar übernommen. Muss er seine Flugliniensammlung verkaufen?

Der Mann sieht strapaziert aus an diesem regnerischen Mittwochmorgen in München. Die Augen müde, die Mundwinkel unwillig. Nein, Joachim Hunold (58) ist nicht auf einer seiner berühmten Sausen gewesen. Er kommt von einer ganz anderen Veranstaltung, einer mehrtägigen Investorenkonferenz. Stundenlang hat er sich von bücherschlauen Finanzjünglingen verhören lassen müssen. Und das Schlimmste: Nachher geht die Tortur weiter.

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Als Wuppdichunternehmer mit selbstbewusstem Kahlschädel und kessen Sprüchen kam Hunold zu Ruhm. Jetzt wirkt er wie betäubt.

Am muntersten gelingt ihm noch die Rückschau: Wie er mit Air Berlin das deutsche Ferienfluggeschäft eroberte; wie ihn auch die vermeintlich allmächtigen Touristikkonzerne nicht stoppen konnten.

Gequält hingegen klingen seine Einlassungen zur Gegenwart. Warum Air Berlin für die schlechten Zahlen des zweiten Quartals so verprügelt wurde? "Praktisch alle europäischen Fluggesellschaften hatten im zweiten Quartal eine Delle", wehrt er ab, "aber einem Neuling wie uns verzeiht man sie eben am wenigsten."

Wenn es nur das wäre.

An allen Fronten steht Hunold unter Druck: Die Gewinne sind zu niedrig, die Strategie wirkt verworren. Statt einer klaren Linie verfolgt Hunold eine wilde Expansion. Wie im Rausch kauft er Fluglinien - DBA, LTU und jetzt bald auch Condor. Die Börse hält den Manager zwischen Hoffen und Bangen. Der Aktienkurs von Air Berlin Börsen-Chart zeigen, zwischenzeitlich schon mal bei mehr als 20 Euro, stürzte im Sommer ab, und verharrt seitdem hartnäckig unter dem Ausgabepreis von 12 Euro, auch wenn Spekulanten zuletzt für einen leichten Anstieg sorgten.

© manager magazin 11/2007
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