Deutsche Telekom Der Staatsdiener

Trotz kleiner Erfolge von Vorstandschef René Obermann bleibt die Zukunft der Deutschen Telekom düster - solange der Großaktionär Bund mitmischt.
Von Peter Brors und Martin Noé

Als sich Bundeskanzler Gerhard Schröder und Finanzminister Hans Eichel im Frühjahr 2003 entschlossen, zum vierten Mal Aktien der Telekom  unter das Volk zu bringen, bewegten düstere innenpolitische Entwicklungen die Berliner Republik.

Die Zahl der Arbeitslosen kletterte über die Marke von 4,5 Millionen, die Neuverschuldung des Bundes drohte Brüssel mit Strafzahlungen zu ahnden, und der Kanzler sorgte sich um den Rückhalt bei seinen Genossen. Was lag da näher, als mit der Ausgabe von 285,3 Millionen Telekom-Aktien aus dem Bundesbesitz die bevorstehende Steuerreform samt ihren sozialen Entbehrungen notdürftig abzufedern und so die Wählerklientel der SPD wenigstens ein Stück weit zu befriedigen.

Das Problem: Der Verkauf von 6,5 Prozent des Grundkapitals auf einen Schlag hätte den T-Aktienkurs neuerlich belastet. Und so erinnerten sich die Experten der bundeseigenen KfW-Bank des Instruments der Umtauschanleihe.

Binnen fünf Jahren, so die Rechnung der Banker, müsste es dem Management ja wohl bitte schön gelingen, den auf 12,70 Euro abgeschmierten Kurs um 38 Prozent zu steigern. Dann wäre das Geschäft, das fünf Milliarden Euro einbringen sollte, für alle aufgegangen.

Der Bund hätte seinen Milliardenkredit ohne Belastung der eigenen Kasse in T-Aktien begleichen können. Und die Anleihezeichner hätten sich neben den Zinsen über eine ordentliche Kurssteigerung freuen können.

Wäre, hätte, könnte - genau nach dieser Win-win-Situation sieht es vier Jahre später nicht aus. Im Gegenteil: Die Telekom-Aktie notiert trotz zuletzt leichter Kursgewinne lediglich bei rund 15 Euro. Einen Anstieg bis auf 17,53 Euro, den Wandlungspreis der Anleihe zum 8. August 2008, halten selbst Telekom-Vorstände für unwahrscheinlich, Analysten für "nahezu unmöglich".

Privatisierung ist out

Die Folge: KfW und Bund werden die Anleihe kaum in Aktien zurückzahlen, sondern in Cash. Kein schöner Gedanke,
wie aus dem Finanzministerium zu hören ist. Einerseits.

Andererseits würde sich der Bundesbesitz an der Telekom in diesem Fall nicht, wie noch vor vier Jahren geplant, auf 25,2 Prozent verringern, sondern bei fast 32 Prozent verbleiben.

Genau dies wird in Berlin inzwischen aber eher als Gewinn denn als Verlust verstanden. Angesichts der um sich greifenden Furcht vor dem Eindringen ausländischer Staatsfonds in deutsche Schlüsselbranchen kommt dieser fehlgeschlagene Privatisierungsschritt vielen Politikern gerade recht.

Denn Privatisierung bei Bahn, Post oder Telekom ist out. Auf der Höhe der Zeit ist der starke Staat. Breitschultrig kehrt die Bundesrepublik zurück ins Wirtschaftsgeschehen, willens, nationale Champions aufzubauen, zu fordern und zu fördern. Wenn Chinesen und Russen staatsgelenkte Industrien errichten, wollen die Deutschen nicht zurückstehen.

Doch so verständlich der Wunsch sein mag, sich im globalen Kampf um Einfluss von Putin & Co. nicht an die Wand drücken zu lassen - für die Unternehmen ist das neue politische Selbstbewusstsein keine gute Nachricht. Denn der Staat ist - goodbye, DDR - nicht nur ein schlechter Wirtschaftsplaner, sondern auch - hello, Bundesrepublik - ein miserabler Eigentümer.

Nichts zeigt dies deutlicher als Vergangenheit und Gegenwart der Telekom. Es ist die Geschichte eines ehemaligen Staatsbetriebs, der unter Führung des Bundes so stümperhaft zu einem Wirtschaftsunternehmen umgebaut wurde, dass er heute, elf Jahre nach dem Start der Privatisierung, noch immer nicht auf eigenen Beinen stehen kann.

Leuchtspuren am dunklen Firmament

Aktienkurs am Boden, Strategie unklar - nach allen Kriterien des Finanzmarktes ein Zerschlagungskandidat erster Güte.

Der Bund hat

  • mit Tricksereien Aktien zu überhöhten Preisen losgeschlagen - und damit langfristig das Unternehmen belastet;
  • sich als unfähig zur strategischen Führung des Konzerns gezeigt;
  • die Wechsel an der Telekom-Spitze amateurhaft orchestriert;
  • aus Eigeninteresse die Entwicklung der Firma oft eher behindert als gefördert.

René Obermann (44), seit nun knapp einem Jahr Vorstandsvorsitzender, muss mit diesen Erblasten leben. Die globalen Wachstumsmärkte im Mobilfunk sind weitgehend verteilt, die Erosion im Heimatmarkt geht nahezu ungebremst weiter, die Geschäftskundensparte T-Systems ist ein Sanierungsfall.

Obermann weiß selbst, dass seine ersten Erfolge daran wenig ändern: Die Finanzprognose mit einem operativen Ergebnis (Ebitda) von 19 Milliarden Euro wird nach zwei Gewinnwarnungen in Folge 2007 wohl erreicht; die hohen Arbeitskosten sinken zumindest hier und da durch die Einigung mit Verdi im Sommer; der Service bessert sich langsam, und durch die exklusive Vermarktung des iPhone wird das Weihnachtsgeschäft wohl angekurbelt; kleine Zukäufe im US-Markt runden das Bild ab. Doch Investoren sehen darin nur Leuchtspuren an einem dunklen Firmament, wie der nahezu unveränderte Aktienkurs belegt.

Was die Telekom braucht - darin sind sich Experten einig -, ist eine strategische Vision und die Chance, sie auch durchzusetzen.

Die Telekom muss schnell sein und beweglich, denn Geschwindigkeit ist ein Gut für sich in dieser technologisch getriebenen Branche. Sie muss endlich frei sein, oder sie wird bald nicht mehr sein.

Dass der Bonner Konzern das in all den Jahren seit der Privatisierung nie war, ist sein Schaden und kann sein Schicksal werden - die Chronik einer Beziehungskrise in vier Kapiteln.

Der Geburtsfehler

1. Der Geburtsfehler

Die Privatisierung des "Teilsondervermögens Deutsche Bundespost Telekom" war eine feine Idee. Was Postminister Wolfgang Bötsch (69, CSU) störte, war die Tatsache, dass sich die Bonner Anstalt in einem beklagenswerten Zustand präsentierte. Es war die Zeit nach der politischen Wende. Nahezu jede verfügbare D-Mark floss in die neuen Länder, auch die Unternehmen investierten Milliarden in Vertrieb und Infrastruktur, die Telekom wies Ende 1993 einen Verlust von 2,9 Milliarden D-Mark aus.

Neben dem Ertragswert gab aber auch der Substanzwert wenig Anlass zur Hoffnung. Damit das nicht auffiel, griff der Bund tief in die bilanztechnische Trickkiste. So waren im Rechenwerk der Firma 1993 nur 300 Millionen D-Mark für Pensionen zurückgestellt, obwohl die wirklichen Lasten um etliche Milliarden D-Mark höher lagen.

Der Mannheimer Aktienrechtler Wolfgang Philipp, der die Gründungsphase der Telekom aus der Nähe betrachtet und mit allerlei Prozessen begleitet hat, sagt: "Der Bund hatte für die Privatisierung und nur aus eigenem Interesse eine Lex Telekom geschaffen, wonach das Unternehmen Altlasten in die Zukunft verlagern durfte auf Kosten der künftigen Aktionäre."

Von diesen Rechenoperationen mit Nebenwirkungen wusste der gemeine Kleinaktionär natürlich nichts, als er, angefeuert von einer unglaublichen Werbekampagne, 1996 Aktien orderte.

Bis ins Detail kümmerte sich der Postminister damals um jeden Schritt der Firma in die vermeintliche Freiheit. Der frühere Kommunikationschef der Telekom, Jürgen Kindervater, kann sich an einen Besuch beim Minister besonders gut erinnern. "Wir hatten sechs Entwürfe für die künftige T-Aktie, mit denen wir auch in die Werbung gehen wollten."

Doch keine Außendarstellung ohne des Ministers Segen. Und so machten sich Konzernchef Ron Sommer und Kindervater auf zur Audienz beim obersten Postler. In dessen Büro befanden sich aber derart viele Akten, dass der Minister keinen freien Tisch mehr hatte, um die Entwürfe zu begutachten. Also breitete Kindervater die Designstücke auf dem Boden aus, und die drei Herren rutschten auf allen Vieren durch das Zimmer, ehe sich Bötsch für eine Skizze entschied.

Die Marketingmaschinerie konnte nun anlaufen und verfehlte ihre Wirkung nicht. Erst viel später, als der Kurs der Aktie ins Bodenlose gestürzt war, schoben Experten das rosarote Werbematerial beiseite und begutachteten auch sperrige Bilanzpositionen.

Diese und andere originelle Bilanztechniken (Stichwort: Immobilienbewertung), haben den Ruf der Telekom bei Anlegern beschädigt. Da helfen auch keine hohen Dividenden, die zudem vor allem einem nutzen: dem Bund.

Die Strategielücke

2. Die Strategielücke

Der Aufsichtsrat soll nach dem Aktiengesetz, Paragraf 111, den Vorstand kontrollieren und mit ihm die Strategie festlegen. Für den Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutschen Telekom heißt das oft: Er soll tun, was Berlin von ihm erwartet. Oder er kann gehen.

Seit 2003 wird das Kontrollgremium von Klaus Zumwinkel (63) geführt, dem Vorstandschef der - ebenfalls staatlich dominierten - Post . So muss er gleich in doppelter Funktion mit den Wünschen des Großaktionärs zurechtkommen.

Offensichtlich ist man in Berlin - im Kanzleramt wie auch im Finanzministerium - nicht mehr so recht zufrieden mit dem Topmanager. Die einen fühlen sich von ihm übervorteilt, seit er, koste es die Konkurrenz, was es wolle, den Mindestlohn für Briefträger durchgesetzt hat. Die anderen verübeln ihm eine gewisse Halsstarrigkeit im täglichen Umgang.

Das Zumwinkel nun nach dem Koalitionsbeschluss zum Post-Mindestlohn, auf den die Börse mit Kursaufschlägen reagierte, für 4,73 Millionen Euro ein privates Post-Aktienpaket veräußerte, dürfte seine Position nicht gerade gestärkt haben. "Der Zeitpunkt des Verkaufes ist nicht nur eine Frage des Börsenkurses. Führende Wirtschafts-Persönlichkeiten sollten sich nicht ohne Not dem Verdacht aussetzen, dass sie erwartete Monopolrenditen zu Geld machen", so Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU).

Praktisch, dass im Frühjahr die Verlängerung seines Oberaufsehermandats ansteht. Im Finanzministerium fragt man unschuldig: "Will er selbst denn überhaupt noch mal?" Zumwinkel antwortet darauf öffentlich nicht; seine Umgebung aber hat längst erkannt, dass er weich gekocht werden soll.

Es ist diese Art der perfiden Kommunikation, mit der die Politik immer wieder auch die Agenda im Konzern setzt.

Zumwinkel wäre nicht der erste Aufsichtsratsvorsitzende der Telekom, der von der Politik nach ungebührlichem Verhalten gekippt würde. 1996 wurde Rolf-Dieter Leister von der Regierung Helmut Kohls zum Rücktritt gedrängt, wohl auch weil er den Kandidaten Ron Sommer als Vorstandsprimus ohne Vorankündigung im Aufsichtsrat präsentiert und mithilfe des Überraschungseffekts durchgesetzt hatte. Während Kohls Favorit, der frühere Kaufhof-Chef Jens Odewald, leer ausging.

Ein ehemaliger Telekom-Topmanager erinnert sich an den Moment, als die Politik zurückschlug: "Ich rief Ron Sommer samstags daheim an und sagte ihm: ,Du, im Regierungsviertel streuen sie Leisters Abgang, ich glaube, dein Mentor fliegt.' Sommer: ,Glaube ich nicht, der ist stark, der hält das aus.'"

Tat er nicht, die Gerüchte gaben dem Prozess Dynamik. 72 Stunden später war Leister weg.

Aktuell heißt des Oberaufsehers Aufseher Thomas Mirow (54), Staatssekretär im Finanzministerium. Mirow ist klug, er spricht leise, ein geborener hoher Beamter. Und ist, wie sein Berufsstand meist, durchaus am Detail interessiert. Als seinem Ministerium im Sommer die vorbereitenden Unterlagen des Konzerns für die nächste Aufsichtsratssitzung nicht passten, ließen die Beamten die Papiere mit der Bitte um Nachbesserungen kurzerhand zurückgehen.

Ein hilfloser Aufsichtsrat

Der Bund will auch künftig alles im Griff behalten. In den nächsten Jahren, heißt es im Finanzministerium, sei ein Abschmelzen der Anteile unter 25,1 Prozent nur "schwer vorstellbar".

Als die russischen Funker von Sistema eine Beteiligung an der Telekom wollten und dafür eigene Anteile boten, sagte das Kanzleramt "Njet". Da halfen auch drei Treffen auf höherer Ebene und das persönliche Antichambrieren des russischen Präsidenten Wladimir Putin bei Kanzlerin Angela Merkel nichts.

Einzig der Finanzinvestor Blackstone  wurde in den letzten Jahren mit einem Telekom-Anteil des Staates bedacht. "Oha", merkten Finanzprofis auf, als der Bund 4,5 Prozent an die Firmenjäger übertrug, jetzt schaltet der Bund auf eine weniger eigenen Interessen folgende Aufsicht um.

Doch weit gefehlt. Der von Blackstone in den Aufsichtsrat entsandte Lawrence Guffey scheint sich mit seinem Schicksal abgefunden zu haben. 2,68 Milliarden Euro ließ sich die Investmentfirma ihr Telekom-Engagement kosten. Den Wert von 13,96 Euro - der Einstiegskurs der Angelsachsen - hat die T-Aktie erst seit einigen Wochen wieder etwas nachhaltiger überstiegen. Hätte Blackstone das Geld in den Telekom-Konkurrenten Telefónica  investiert, wäre Guffeys Arbeitgeber heute um 1,4 Milliarden Euro reicher. Immerhin: Dank günstiger Kredite und regelmäßiger Dividenden zahlt Blackstone wenigstens nicht drauf.

Ein Aufsichtsrat hat Mühe, sich auch nur an einen einzigen Wortbeitrag Guffeys zu erinnern. Ein anderer Aufseher lästert gar: "Der sagt nur was, wenn er aufgerufen wird. Und das sind dann auch nicht mehr als Weisheiten wie: ,Die Rendite stimmt nicht.'"

Hinter den Kulissen plädiert das Private-Equity-Haus für Aktienrückkäufe und hohe Dividenden. Das traditionell größte Manko des Telekom-Aufsichtsrats wird so nicht beseitigt: die strategische Hilflosigkeit.

Sommer kaufte wie im Rausch weltweit zu, ohne die einstige Behörde zugleich in ein wettbewerbsfähiges Unternehmen zu verwandeln. Nachfolger Kai-Uwe Ricke (45) tat kaum mehr, als die daraus resultierenden Schulden abzubauen. Und Obermann müht sich nun in der Telekom-Tiefebene.

Nichts hat Bestand, wenig Zukunft, außer stetigem Personalwechsel.

Die Vorstandswechsel

3. Die Vorstandswechsel

Kölnarena, Hauptversammlung im Mai 2002. Mehr als 8000 Aktionäre sind zum rituellen Jahrestreffen erschienen. Die Atmosphäre ist aufgeheizt, viele Kleinaktionäre haben viel Geld verloren, die Managergehälter aber steigen. Trotz der explosiven Stimmung gelingt es Ron Sommer zunächst, die Aktionäre zu besänftigen.

Doch als einer der professionellen Kleinaktionärssprecher eine polemische Frage nach dem neuen Firmenflugzeug der Telekom stellt, weiß Sommers Stab Bescheid: Der Chef ist zum Abschuss freigegeben. Der bekannte Hauptversammlungsprofi nämlich berichtet über Preis (110 Millionen Euro) und Ausstattung des Jets, Details, die ihm wohl nur Beamte des Ministeriums gesteckt haben konnten.

Und tatsächlich: Wenige Wochen später ließ Kanzler Schröder den Vorstandschef fallen. Aus Furcht vor der Rache enttäuschter Aktionäre und einer Pleite bei der bevorstehenden Bundestagswahl? Sicher, aber nicht nur, glaubt ein langjähriger Aufsichtsrat: "Sommer sah sich als Sonnengott, ausgestattet mit der trügerischen Selbsterkenntnis, jede Situation meistern zu können. Hätte er besser mit der Politik gekonnt, hätte er trotz aller fachlichen Fehler, die er natürlich gemacht hat, auch den heißen Sommer 2002 überstanden."

Es folgte eine quälend lange und unprofessionelle Suche nach einem Nachfolger, geleitet vom Bund. Nichts war vorbereitet. Nicht mal das Profil war geschrieben, nach dem die Headhunter Ausschau halten sollten.

Nach Monaten entschied sich der Großaktionär für einen internen Kandidaten: Kai-Uwe Ricke. Mit auf den Weg bekam der Newcomer den Rat, vor allem Schulden abzubauen, Minderheitsbeteiligungen sollten verkauft werden. Ricke tat das so konsequent, dass er darüber alle strategischen Chancen verpasste. Er desinvestierte sogar in Wachstumsmärkten wie Russland.

Aber er ließ die Finger von Personalanpassungen, wohl auch aus Furcht vor politischer Empörung. Die Folgen sind heute zu besichtigen. Etwa 22 Prozent des Konzernumsatzes von gut 60 Milliarden Euro sind bei der Telekom zur Auszahlung von Gehältern und Pensionen nötig. France Télécom  braucht dafür nur 17 Prozent, Telefónica in Spanien gar nur 14 Prozent.

Auf Ricke folgte Obermann, als Finanzminister Peer Steinbrück (60, SPD) und Zumwinkel des Elends gewahr wurden. Aber ändert sich dadurch etwas am Webfehler der Telekom?

Das Wunschkonzert

4. Das Wunschkonzert

Ob aus dem Vogtland oder der Eifel, ob von der Ostseeküste oder aus Oberfranken - fast jede Woche erreichen das Unternehmen Bettelbriefe aus allen Teilen der Republik. Darin bittet etwa der schleswig-holsteinische Bundestags-abgeordnete Rolf Koschorrek (51, CDU) "dringend, eine Möglichkeit zu finden, damit die DSL-Versorgung von Fitzbek schnellstmöglich und vorrangig" gesichert werde. Der derzeitige Zustand sei schlicht "unzumutbar".

Dass sich das Ziehen der Internetstrippen in vielen einwohnerarmen Gebieten für die Telekom nicht rechnet, lassen die politischen Beschwerdeführer als Argument nur selten gelten. Immerhin gehöre die Firma dem Bund, der müsse die Grundversorgung gewährleisten, lautet die Standardthese. Ein Manager klagt: "Die Regulierung will doch, dass wir Marktanteile abgeben. Warum schreibt niemand mal an Vodafone ?"

Es wird ein frommer Wunsch bleiben, solange die Telekom vom Bund dominiert wird. Immer muss der Konzern wirtschaftliche Erfordernisse mit politischem Kalkül abgleichen. So ist intern längst klar, dass die Telekom in den nächsten Monaten Callcenter schließen oder zusammenlegen muss. Standort für Standort wird nun gecheckt - vor allem nach politischen Kriterien. Die Faustformel: Auf dem flachen Land und in den Wahlkreisen einflussreicher Abgeordneter soll möglichst wenig gestrichen werden. Denn sonst, so ein Telekom-Spitzenmanager, "wird der Widerstand zu stark".

Richtig gedacht, die Frage ist nur: Kann sich unter solchen Voraussetzungen die Firma zukunftsfähig entwickeln?

Kapitalmarktprofis haben darauf eine eindeutige Antwort. Ganz raus mit dem Bund aus dem Konzern, sagen Analysten.

Ein solcher Schritt würde dem Unternehmen nicht nur im Inland freie Hand geben. Auch im Ausland eröffneten sich der Telekom neue Optionen. Dann könnte der Konzern seine Aktien als Tauschwährung einsetzen und doch noch einen großen Deal auf dem Mobilfunkmarkt stemmen.

Frei, beweglich, schnell - so hätte die Telekom noch eine Chance. Nach jetzigem Muster indes gehe es kaum weiter, meint ein Aufsichtsrat. "Das ist, als würden Sie Polo auf einem Elefanten spielen. Und die anderen haben alle flinke Pferde."

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