Samstag, 21. September 2019

Fiat Agenda 2010

Was Fiat-Chef Sergio Marchionne mit dem Konzern vorhat.

Die Rettung: Als Sergio Marchionne (55) 2004 den Vorstandsvorsitz bei Fiat Börsen-Chart zeigen übernahm, stand das Unternehmen auf der Kippe.

Hohe Ziele: Fiat-Chef Marchionne will den Umsatz des Konzerns um ein Drittel steigern
Die Autosparte machte Jahr für Jahr Milliardenverluste und fraß die Gewinne der anderen Konzernbereiche auf. Einige Mitglieder der Agnelli-Familie, des Fiat-Großaktionärs, stellten den Anteil des Clans bereits infrage. Doch Marchionne brachte den Erfolg zurück. Der für das Unternehmen extrem wichtige Grande Punto verkauft sich prächtig, Kooperationen mit Konkurrenten senkten die Kosten. 2006 stand ein Betriebsergebnis von fast zwei Milliarden Euro zu Buche. 291 Millionen davon steuerte Fiat Auto bei.

Die Pläne: Marchionne hat dem Konzern hohe Ziele gesetzt. Den Umsatz will er bis 2010 um ein Drittel auf 67 Milliarden Euro steigern, das Betriebsergebnis um 150 Prozent auf fünf Milliarden Euro.

Die Probleme: "Die Gefahr des Abstiegs ist für immer verschwunden", sagte Marchionne im Juli. Tatsächlich steht der Konzern ungeahnt gut da. Der neue Fiat 500 war schon frühzeitig für 2007 ausverkauft, die hoch profitable Landmaschinen-Tochter Case New Holland (CNH) dürfte weiter vom Boom der Agrarbranche profitieren.

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Dennoch bleiben ungelöste Probleme. So ist der Konzern - Ausnahme CNH - trotz aller Kooperationen kein Global Player. Der Aufschwung von Fiat Auto basiert großenteils auf dem Erfolg in Italien, gestützt von der Regierung, die Käufern Anreize bietet. Konkurrenten wie Toyota und Renault-Nissan produzieren deutlich höhere Stückzahlen auf einer Plattform - und damit fast automatisch billiger. Ein Handicap ist das vor allem für die Marken Alfa Romeo und Lancia. Bei Alfa setzt Marchionne jetzt auf neue, sportliche Modelle, die er zum Teil auch in den USA verkaufen will.

Schwierigkeiten bereiten könnten auch die Zuliefersparten Magneti-Marelli und Teksid sowie der Maschinenbauer Comau. Magneti-Marelli gilt ähnlich wie Teksid als zu abhängig von Fiat, Comau als zu weit weg vom Kerngeschäft - und damit als verzichtbar. Mögliche Gebote für die Töchter werde die Konzernspitze genau prüfen, heißt es in Unternehmenskreisen.

© manager magazin 11/2007
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