Mittwoch, 26. Juni 2019

Agnelli-Familie Jaki der Ernste

9. Teil: Drogenkoma und Erbschaftsstreit

Nach Tagen der Ungewissheit hat Lapo das Drogenkoma überlebt. Seine Karriere bei Fiat hingegen war gestorben und Jaki in wochenlange Schlagzeilen verwickelt, die ihm nicht gefielen.

Der Agnelli-Clan: Vom Fiat-Gründer führt eine direkte Linie zu John Elkann
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Der Agnelli-Clan: Vom Fiat-Gründer führt eine direkte Linie zu John Elkann
Schließlich stand er für den Neuanfang. Und hier war er nun mit einem Skandal konfrontiert, der die alten Tragödien der Generationen vor ihm fortschrieb. Dann der Erbschaftsstreit mit der Mutter, der hinter den Kulissen seit dem Tod des Avvocato wie ein Schwelbrand gefährliche Gifte in die Atmosphäre schickt und schließlich eine Beziehung zerstört, die für jeden Italiener am wichtigsten ist - die zu la mamma.

2004 liess sich Margherita Agnelli auszahlen. Das einzige überlebende Kind des Avvocato hat die herrschaftliche Villa Frescot in Turin bekommen sowie ein römisches Anwesen, Gemälde im Wert von 500 Millionen Euro und obendrein einen Barscheck von über 100 Millionen. Im Gegenzug unterschrieb sie ein Abkommen, in dem sie alle Ansprüche am Familienbesitz aufgab. Dennoch zog sie im vergangenen Mai in Turin vor Gericht. Die Nachricht schlug in Italien und den Kreisen des internationalen Who's who ein wie ein Blitz, dessen Donnergroll noch lange nicht verhallt ist. In diesem Monat sollen Turiner Richter darüber entscheiden, wie es mit Margheritas Anliegen weitergeht.

Sie verlangt die Offenlegung aller Konten; glaubt, dass ihr zum Zeitpunkt der Aufteilung nicht das gesamte Vermögen aufgelistet wurde; dass gar ein Schattenreich existiert. "Alles, was ich verlange, ist Transparenz."

Flugs erklärte Montezemolo, die "private Angelegenheit" sei wohl traurig, werde aber keinerlei Auswirkung auf die Geschäfte von Fiat haben. Ist Margherita Agnelli der fünfte Beatle der Familie, wie viele fragen, einfach zu früh ausgestiegen? Die Fiat-Sanierung hat die Familienschatulle wieder ordentlich gefüllt; aber die Mitglieder langten dafür auch tief in die eigenen Taschen und steuerten 250 Millionen Euro bei.

Sohn Jaki kann sich die Motive der Mutter nicht erklären, will über das Familiendrama gar nicht reden. Könnte schon jedes falsche Wort die Lunte am Pulverfass entzünden? Seine Großmutter Marella Agnelli bezog zuletzt überraschend doch öffentlich Position - gegen ihre Tochter und für Jaki.

Niemand lastet dem jungen Clanchef das Trauerspiel an. Wer die Pressearchive nach ihm durchforstet, findet ausschließlich lobende Worte. Ist er also tatsächlich der ernsthafte Mann, erhaben über Zweifel und Tadel? Zumindest muss er zum ersten Mal lachen.

© manager magazin 11/2007
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