Montag, 19. August 2019

Agnelli-Familie Jaki der Ernste

7. Teil: "Ich bin stolz, Italiener zu sein"

"Das war der absolute Einschnitt, jetzt war es definitiv", erinnert sich John Jacob Elkann an den Schock. Und wieder landet ein Ufo auf dem Konferenztisch, auf dem ansonsten nur ein Ferrari-Modell steht und ein Korb mit Zuckerbonbons. Von Zeit zu Zeit steckt sich Jaki eines in den Mund und faltet akkurat das Papier, ehe er es in seiner Jackentasche verschwinden lässt.

Kleiner Bruder: Lapo Elkann leitet von New York aus sein eigenes Unternehmen
Was ist das für ein Mann, der Fiat gerettet hat? Fragen wir doch ganz offiziell beim italienischen Botschafter in Berlin an, bei Antonio Puri Purini, der qua Amt die erste Familie seines Landes im Visier hat und auch die Elkanns gut kennt. "Jaki hat sehr gute Voraussetzungen", glaubt Purini. "Er ist ein Weltbürger, bescheiden, verlässlich, was er denkt, das sagt er auch; der spielt nicht." Am Ende ein Preuße? "Eine Mischung aus Virtuosità italiana und deutscher Tugend." Ein bisschen spritzig ist er also schon.

"Er ist der richtige Mann an der richtigen Stelle", glaubt Mutter Margherita. Während Vater Elkann jedem, der mit Jaki arbeitet, rät, sich nicht zu oft zu wiederholen. "Er hat ein fantastisches Gedächtnis. Häufig hat man den Eindruck, er hört gar nicht zu, aber Jahre später spricht er einen genau auf die Dinge an, die man in solchen Momenten erzählt hat." Ein Spätzünder? Ein Pokerface? Scheu gar, wie er so oft beschrieben wird? Dafür ist sein Auftritt jedoch viel zu selbstbewusst. "Was viele für scheu halten, das ist in Wahrheit seine Zurückhaltung", interpretiert Elkann senior.

Und in welche Richtung deutet der Betroffene, um den Schlüssel zu seinem Wesen zu finden? "Dass ich in vielen verschiedenen Ländern und Kulturen aufgewachsen bin. Ich könnte mich überall und allen Situationen anpassen. Das empfinde ich als Vorteil."

Gute Voraussetzungen also für den häufig unbequemen Ort namens Weltmarkt? Jaki Elkann lässt keinen Zweifel daran, dass er sich als globalen Unternehmer sieht. Natürlich weiß der junge König trotz alledem, was er seinen Landsleuten schuldig ist. "Ich bin stolz, Italiener zu sein" und, falls doch jemand daran zweifeln sollte, "ich habe starke Wurzeln in Turin".

Mobil muss sein, wer ein Mitglied der Elkann-Familie sprechen möchte. Die Jüngste, die Filmemacherin Ginevra etwa, weilt gerade in Frankreich, aber dann macht sie noch einen Abstecher nach Turin, bevor sie nach London weiterfliegt, ihrem Wohnsitz. Wir treffen uns im "Scrigno", dem Schmuckkästchen, das sie managt. Auch eine Art Ufo, das der Architekt Renzo Piano auf die Teststrecke des Lingotto setzte. Mit einem fantastischen Blick auf die Stadt, beherbergt es die Pinakothek Giovanni und Marella Agnelli, die kleine Gemäldesammlung, die der alte König von Turin seiner Stadt vermacht hat: Marmorstatuen von Canova, Gemälde von Canaletto, Tiepolo und Matisse.

Bruder Lapo lebt in New York, von wo aus er sein eigenes Unternehmen leitet mit dem unüberhörbaren Statement "Ich bin ich": "I-I", "Italia Independent". Ein Label für Lifestyle-Accessoires, darunter Sonnenbrillen, die bei der Jeunesse dorée bereits als ultimatives Markenzeichen gelten. Was immer Lapo anfasst, kommt umgehend unter Kultverdacht.

© manager magazin 11/2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung