Dienstag, 20. August 2019

Agnelli-Familie Jaki der Ernste

6. Teil: Ein Faible für Mathematik

Einmal, erinnert sich Alain Elkann und seine Hände landen dabei ebenfalls in Ufo-Position, habe Gianni Agnelli ihm gegenüber bedauert, dass er Jaki so früh schon in die Pflicht nehmen musste und ihn eigentlich um seine Jugend brachte.

Glückliches Händchen: Fiat-Chef Sergio Marchionne
Nach dem Abitur 1994 am naturwissenschaftlichen Pariser Gymnasium Victor Duruy zog Jaki, 18-jährig, nach Turin, um sich am Polytechnikum zum Wirtschaftsingenieur auszubilden.

Er studierte wie einer, der sein Ziel kennt, aber keine Worte darüber verliert; hatte hervorragende Noten und war engagiert im doppelten Sinne: die Semesterferien nutzte er, um in ausländischen Fiat-Niederlassungen zu arbeiten, in Polen und England; erhielt auf diese Weise Einblick in die Produktionsabläufe und wollte sich sogleich auf deren Optimierung stürzen. Ein auffällig ehrgeiziger Mann. "Ehrgeizig?", er muss niesen, schneuzt sich und führt dann in seinem erdigen Tonfall an: "Ich bin entschlossen und neugierig, und - ich weiß Chancen zu schätzen."

Diese Entschlossenheit lernte schon Großpapa kennen, der es wahrlich nicht gewohnt war, dass man seinen Wünschen nicht Folge leistete. Ihm wäre es lieber gewesen, der Enkel hätte Wirtschaft in Mailand studiert. Aber Jaki sah sich und seine Pläne in Turin. Dass er ein Faible für Mathematik hat, "gerade weil sie schwierig ist", für Naturwissenschaften und technische Abläufe, war durchaus hilfreich, um sich in der Branche Respekt zu verschaffen. "Il Ingegnere" nennen sie ihn bei Fiat.

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Schon zu Jakis Studienzeiten seien ihm dessen analytische Fähigkeiten aufgefallen, erzählt uns Luca Cordero di Montezemolo. Im Auftrag der Studentenzeitung suchte ihn der Jungspund eines Tages im Ferrari-Werk in Maranello auf, um ihn über alle bedeutenden Aspekte des Unternehmens auszufragen. Von da an wusste Montezemolo, der Jaki natürlich schon seit Kindheitstagen kennt, dass hier ein ernsthafter Geschäftsmann heranwuchs.

Als Präsident des Arbeitgeberverbandes Confindustria ist der agile Montezemolo auch eine Schlüsselfigur der italienischen Wirtschaft, die den jungen Agnelli-Chef von Anfang an unter ihre Fittiche nimmt und ihn in die richtigen Kreise einführt. Im Fiat-Aufsichtsrat hält er ihm den Stuhl des Vorsitzenden warm.

Im Januar 2003 starb Gianni Agnelli. Jaki, der Anwärter auf die Macht, war damals 26. So schlimm es um das Unternehmen auch stand, noch half ihm Großonkel Umberto, der zunächst die Stelle des Avvocato einnahm. Der Kronprinz sollte in Ruhe in seine dynastische Rolle hineinwachsen. Unglücklicherweise starb Umberto schon eineinhalb Jahre später.

© manager magazin 11/2007
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