Mittwoch, 21. August 2019

Agnelli-Familie Jaki der Ernste

5. Teil: Der König von Turin

Jaki ist gerade 21, als er in die Verantwortung genommen wird. Seit drei Jahren lebt er, zum ersten Mal überhaupt, fest in Italien, immer in engem Kontakt zum Avvocato. Sie speisen häufig in dessen Villa auf dem Hügel vor den Toren der Stadt, gehen zu den Spielen von Juventus, fliegen zum Skifahren nach St. Moritz oder zum Segeln an die Côte d'Azur. Das Übliche eben. Jedenfalls muss der Großvater schnell bemerkt haben, dass sein Enkel Interesse am Hause Agnelli zeigte.

Erfolgreich: Ferrari-Chef und Fiat-Aufseher Luca di Montezemolo
DPA
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Der Junge hatte nicht nur eine gewisse natürliche Grandezza und das gute Aussehen für einen künftigen König von Turin, er hatte auch, was Agnelli über alles schätzte - gute Manieren.

Aber wie und wo nahm der Tycoon den Enkel zur Seite, um ihm zu offenbaren, dass er der Auserwählte sei? "Er hat mir nie wirklich gesagt, ich sei sein Nachfolger. Mein Großvater hat nicht viel gesprochen. Als ich mit 21 in den Aufsichtsrat von Fiat kam, sollte ich lediglich ein Vertreter der jungen Generation sein."

Geschäftlich hielt sich Elkann an Agnellis Vertrauten über drei Jahrzehnte, Gianluigi Gabetti, der zu seinem Mentor wurde. In die große, feine Gesellschaft aber führte ihn der Großvater persönlich ein.

Jaki Elkann ist immer auf der Hut mit seinen Äußerungen. Wenn es um seine Rolle als Clanchef geht, hält er sich noch mehr zurück. Will er vermeiden, Gegner in Stellung zu bringen? Da wäre ja noch Andrea Agnelli gewesen, aus der Linie von Umberto, (Halb-) Bruder von Giovannino und der einzige Namensträger.

Andrea hatte bereits Erfahrungen gesammelt bei IFIL und Fiat und ganz gewiss Hoffnungen auf die Nachfolge. Gemeinsam mit seiner Schwester gehören ihm 10 Prozent der Familientorte. Er stellte sich auch schon öffentlich gegen Jaki, als es darum ging, dass die Familie in die eigene Tasche greift und den Fiat-Anteil nach den Krisenjahren wieder knapp über 30 Prozent hält. Ganz offensichtlich hat sich auf die Cousins Jaki und Andrea die alte Rivalität der Brüder Gianni und Umberto vererbt. Da Jakis Fiat-Strategie aber aufging, ist seine Position gefestigter denn je.

Und welche Rolle spielt Lapo, der ein Jahr jüngere Bruder Jakis? Mit seinem Witz, seiner Schlagfertigkeit und Kreativität, erst recht seinem Dandy-Charme, eroberte er einen relativ unbekannten Fleck - das Herz des Patriarchen. "Er brachte den Großvater zum Lachen", erzählt Schwester Ginevra.

"Vielleicht hat er ihn deshalb nicht gewählt, weil sie sich so ähnlich sind!", vermutet der Vater. Allzu gut soll der Avvocato die Abgründe gekannt haben, die sich auftun, wenn Kokain das Leben beschleunigt.

© manager magazin 11/2007
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