Samstag, 17. August 2019

Agnelli-Familie Jaki der Ernste

4. Teil: Bodenständigkeit statt Bodyguards

"Jaki war ein fröhliches Kind", sagt die Mutter, auch sie eine musische Person. Sie malt und schreibt Gedichte. "Er war sehr erfinderisch, mitfühlend und hatte seine Freude daran, der Leithammel zu sein." Nach der Scheidung der Eltern 1981, Jaki war gerade mal fünf, wird er für die beiden jüngeren Geschwister, Lapo, heute 30, und Ginevra, 28, zum Fixpunkt. "Wir waren froh, einander zu haben, Jaki war wie ein Vater zu uns", erzählt Ginevra. Man ahnt, wie einsam diese Kinder waren.

IFI, IFIL und Co.: Wem gehört das Agnelli-Imperium?
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IFI, IFIL und Co.: Wem gehört das Agnelli-Imperium?
Aus der zweiten Ehe von Margherita Agnelli mit dem russischen Adligen de Pahlen bekommen sie noch einmal fünf (Halb-) Geschwister. Margherita geht ganz in der Mutterrolle auf und konvertiert zum russisch-orthodoxen Christentum. Nach Stationen in London und Rio de Janeiro zieht die Familie nach Paris, wohl in ein gemeinsames Haus, aber sie leben wie zwei getrennte Sippen in zwei unterschiedlichen Flügeln.

Jaki, "Chef" seines Flügels, ist jetzt zwölf. Sobald die Ferien anbrechen, sind die Elkann-Kinder mal beim Vater und dessen Eltern, einem italo-französischen Clan, zu dessen Unternehmungen eine Bank und eine Kosmetikfirma zählen; mal bei den Agnellis auf deren Stadt- und Landsitzen.

Trotz des berühmten Großvaters und der schwierigen Familiensituation verbringt Jaki eine relativ normale Kindheit. Fußballer möchte er werden, als er in Rio de Janeiro mit den Jungs von nebenan barfuß am Sandstrand dötscht. Später ist er überzeugt, ihm sei die Rolle des James Bond bestimmt.

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Bewusst sind die Eltern aus Italien weggezogen. "Es war zu gefährlich damals, die Entführungen der Roten Brigaden, die allgegenwärtige Gewaltbereitschaft. Ich wollte kein Leben mit Bodyguards." Sagt Margherita Agnelli, die sich auch von Promipartys und Presserummel fernhält.

Natürlich gehört zur Erziehung Jakis auch die englische Gouvernante. "Englische Manieren und französische Schule halte ich für unabdingbar, das sind feste Werte", offenbart Alain Elkann seine Erziehungsideale.

Er ist Literat und kennt alle großen menschlichen Tragödien, als Clanmitglied auch die der Agnellis. Von den Kindern verlangt er, dankbar zu sein für die außergewöhnlichen Privilegien, die ihnen so selbstverständlich zufallen. So gedeiht trotz aller Abgehobenheit eine gewisse Bodenständigkeit.

© manager magazin 11/2007
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