Freitag, 23. August 2019

Agnelli-Familie Jaki der Ernste

3. Teil: "Life is competition"

Als publik wurde, dass es im hauseigenen Fußballklub Juventus Turin - dem italienischen Pendant zum ewig siegreichen FC Bayern - Manipulationsabsprachen gab, ging Elkann demonstrativ ins Stadion und bedauerte vor den Presseleuten mit eisiger Miene den Verlust seines Vertrauens. Das Management wusste umgehend zu reagieren - es trat zurück. Seither steht Jaki auch für Fairplay und saubere Verhältnisse.

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"Life is competition" hat der Franzose Ben Vautier in weißer Farbe auf himbeerroten Hintergrund gepinselt; jedes Mal springt dieser Satz Elkann an, wenn er von seinem gläsernen Schreibtisch aufschaut. Was soll denn das? "Es soll mich nur daran erinnern." Das Leben als Wettkampf.

John Jacob Elkanns Position im Clan der Agnellis war nicht immer konkurrenzlos. "Wir waren niemals für die Erbfolge vorgesehen", erinnert sich Mutter Margherita. "Die Herrschaft sollte an das Geschlecht meines Onkels Umberto übergehen." Dort stand ihr Cousin Giovanni Alberto, den sie alle "Giovannino" nannten, "kleiner Giovanni", bereits mit geschäftlichen Meriten geschmückt, in den Startlöchern. Er starb jedoch mit nur 33 Jahren an Magenkrebs.

Durch Blutsbande vereint, zählt die Familie, in der sechsten Generation nunmehr, an die 120 Mitglieder aus den unterschiedlichen Zweigen der Campello-Teodorani, der Rattazzi, Brandolini oder der Nasi. 70 von ihnen sind auch geschäftlich aneinandergekettet, und einige davon arbeiten in den zahlreichen Firmen der Familie, um so ihren Einfluss zu sichern. Ein kaum überschaubares Konglomerat, schwer zu zügeln, gälte nicht nach wie vor das Motto des Avvocato: "Bei den Savoyern wie bei den Agnellis regiert nur einer."

New York: Im Morgengrauen des 1. April 1976 wird Jaki im Cornell University Hospital auf der Upper East Side geboren. Seine Mutter, die einzige Tochter von Gianni Agnelli, ist erst 20. Sein Vater Alain Elkann (26) taumelte nur so im Glück, als er die Klinik verlässt. An seiner Seite Großmutter Marella, Prinzessin aus dem Haus Caracciolo di Castagneto, eine Schönheit voller Grazie und Glamour, obendrein mit dem "perfekten Hals für Colliers", wie Agnelli-Biograf Enzo Biagi spöttelt.

Dass der Sohn einmal Jacob heißen sollte, stand für den Vater schon immer fest. Nach jüdischer Familientradition haben alle Elkanns auch biblische Namen. Er selbst heißt David, sein Vater Isaak und dessen Vater Abraham. Warum aber nannte er den Sohn John Jacob, denkt mancher dabei doch unwillkürlich an den einzigartigen Wirtschaftsgranden John Jacob Astor! "Den hatte ich vor Augen", sagt Alain Elkann. Auch sein Vater Jean-Paul Isaak war Unternehmer und über viele Jahre der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Frankreich.

© manager magazin 11/2007
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