Freitag, 19. April 2019

Smart cdi City-Hopper

Klein, frech, sparsam - der Smart cdi nimmt für sich in Anspruch, der größte Klimaschützer unter den derzeitigen Serien-Pkw zu sein. Herrenausstatter Lars Braun hat den Stadtflitzer für manager magazin getestet.

Beim Umdrehen des Zündschlüssels schreckt Lars Braun kurz auf. "Das Motörchen", sagt der Geschäftsführer des gleichnamigen Hamburger Herrenausstatters im Familienbesitz, "verschafft sich ja ordentlich Gehör."

Tatsächlich röhrt und nagelt der Drei-Zylinder-Turbodiesel im Heck des Smart cdi fast ähnlich ungehobelt wie ein Lada-Triebwerk aus Sowjetzeiten. "Aber hier geht es ums Spritsparen", tröstet sich der Textileinzelhändler, "nicht um feinsinnige Klangmodulation."

Braun kennt sich aus mit Smarts. Das Vorgängermodell hat er in allen Varianten gefahren. Für die Testfahrt mit dem neuen Zweisitzer wählt der 37-Jährige den Automatikmodus des Getriebes - ein aufpreispflichtiges Extra -, tritt kräftig aufs Gas und wundert sich nicht weiter, dass auch der neue Cityfloh hinten in die Knie geht, sobald die Fliehkraftkupplung greift.

Die Beschleunigung aus dem Stand, so urteilt Braun, der privat einen Porsche Carrera 4S fährt, sei "mehr als ausreichend".

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Der Smart cdi nimmt für sich in Anspruch, der größte Klimaschützer unter den derzeitigen Serien-Pkw zu sein: Nur 88 Gramm CO2 soll der Zweisitzer je Kilometer ausstoßen - laut Prospekt. Voraussetzung für solche Weltrekordwerte ist jedoch eine gleichmäßige Fahrweise wie auf dem Rollenprüfstand, bei der der Turbodiesel nur 3,3 Liter auf 100 Kilometer verbrauchen soll.

Die Praxis im Alltagsverkehr sieht freilich anders aus: Ständiges Beschleunigen und Abbremsen, Zwischenspurts beim Spurwechseln, Dauergasgeben auf der Autobahn - kein Wunder, dass die Kraftstoffuhr bei der Fahrt ins Holsteinische schon bald den ersten Sprung nach unten zeigt: ein Achtel der Tankfüllung, etwa vier Liter, wären demnach verbraucht - nach nur gut 50 Kilometern.

Auf der Rückfahrt nimmt Lars Braun seinen Gasfuß stark zurück. Zumal das typische Schmuddelwetter heftige Windböen über Plattdeutschland schickt, was den kleinen Zweisitzer heftig hüpfen lässt und den Fahrer zu ständigen Lenkkorrekturen nötigt. "Auf der Autobahn muss sich der Smart jeden Kilometer erkämpfen", sagt Lars Braun mit einem grimmigen Lächeln.

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© manager magazin 10/2007
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