Dienstag, 18. Februar 2020

Compliance-Manager Im Auftrag des Herrn

Ihre Mission wird mit jedem Skandal wichtiger: Die Compliance-Manager sollen dafür sorgen, dass sich alle im Unternehmen nach Recht und Gesetz verhalten. Das verlangt ihnen die Qualitäten eines Seelsorgers, Detektivs und Bürokraten ab.

Auf dem kleinen Wagen, der sich durch den fußballfeldgroßen Handelssaal der Commerzbank Börsen-Chart zeigen in Frankfurt schiebt, stapeln sich Softdrinks und Brötchen mit Putenbrust. Die Händler greifen gern zu, das spart Zeit, und die wird dringend gebraucht. Auf Hunderten von Bildschirmen blinken und flimmern die Transaktionen, quer über alle Kontinente.

Keine Geschenke mehr: Compliance-Manager wachen über das korrekte Verhalten aller Angestellten
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Keine Geschenke mehr: Compliance-Manager wachen über das korrekte Verhalten aller Angestellten
Es sind Abertausende, und streng genommen ist Oliver Jost für jede einzelne von ihnen verantwortlich. Ebenso für die Millionen Kontenbewegungen der Privatkunden, für die Einhaltung diverser Handelsembargos, für den Aufbau eines neuen Risikomanagements. Und dann die internationalen Befindlichkeiten: In manchem Land winken dicke Geschäfte, aber politisch ist die Sache so heiß wie ein frisch flambierter Apfelcrêpe. Knifflig.

Jost ist "Head of Group Compliance" der Commerzbank: Für alle Geschäfte der Bank muss er die Beachtung von Recht und Ethik sicherstellen. Eine ziemlich komplexe Angelegenheit.

Und doch auch ganz einfach. "Ich frage mich bei jeder Entscheidung: Was wäre, wenn ich darüber morgen in der Zeitung lesen müsste? Und was würde meine Mutter dazu sagen?"

Zwei simple Fragen, die man sich bei Enron, Worldcom, Siemens Börsen-Chart zeigen und anderswo auch hätte stellen können. Dass man es nicht getan hat, brachte einige Topmanager ins Gefängnis, andere mussten zurücktreten, Hunderte Millionen Euro Bußgelder wurden verhängt.

Die Affären rückten einen Berufsstand ins Rampenlicht, der jahrelang ein Schattendasein führte: die Compliance-Manager. "Wir erleben eine Zeitenwende", sagt Peter von Blomberg, stellvertretender Vorsitzender von Transparency International in Deutschland, "durch das Siemens-Drama ist das Thema Compliance in der deutschen Wirtschaft ganz nach oben gerückt."

Der Begriff kommt ursprünglich aus der Medizin und meint die Einhaltung von ärztlichen Anweisungen durch den Patienten. Übertragen auf die Wirtschaft, umfasst Compliance die Gesamtheit aller Maßnahmen, um das rechtlich und ethisch korrekte Verhalten von Firmen, Organen und Mitarbeitern zu gewährleisten - gegen Preisabsprachen, Korruption, Kartellbildung, Geldwäsche bis hin zu Arbeitsschutz und Antidiskriminierung. Kurz: Compliance soll da vorbeugen, wo's teuer wird oder weh tut. Das hehre Ziel: saubere Unternehmensführung, vorbeugen statt Knast.

© manager magazin 10/2007
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