Stadtrundfahrt Dubai Im Goldrausch

Als liberal und doch sehr arabisch empfindet Steffen Schubert die rapide wachsende City am Persischen Golf. Der Ex-Chef der Internationalen Börse in Dubai führt manager-magazin-Leser zu seinen Lieblingsplätzen.
Von Anne Preissner

Fragil wie ein Streichholz ragt der Turm von Dubai in den Himmel. Noch hält der Bauträger Emaar die endgültige Höhe des Burj Dubai geheim, doch Insider gehen davon aus, dass das mit Abstand höchste Gebäude der Welt im kommenden Jahr die 800-Meter-Grenze überschreiten wird.

Was Skeptiker an den Turmbau zu Babel erinnert, ist für Steffen Schubert Ausdruck visionären Gestaltungswillens. "Hier gibt es nur Vollgasprojekte" sagt der Manager, der bis Mitte 2006 die Internationale Börse in Dubai aufbaute und nun als Unternehmensberater tätig ist.

Als der Finanzexperte vor zwölf Jahren erstmals den Wüstenstaat besuchte, präsentierte sich die Stadt "flach wie ein Pfannkuchen". Nur das World Trade Center und das Hotel "Hyatt Regency" gaben einen Vorgeschmack auf die künftige Megametropole am Golf.

Heute prägen Hunderte von Wolkenkratzern die Skyline des Emirats. Und in atemberaubender Geschwindigkeit werden neue Großprojekte aus dem Boden gestampft. Rund 15 Prozent aller weltweit verfügbaren Baukräne stehen in Dubai, über 2000 registrierte Baufirmen gestalten die Megacity.

"Man muss Dubai mindestens zweimal in einem Jahr gesehen haben, um das Tempo der Veränderung zu begreifen", sagt Schubert. Ihn faszinieren der Wagemut und die Weitsicht, mit der die Herrscher des zweitgrößten der sieben Emirate aus dem Nichts das führende Handels- und Tourismuszentrum der Region geschaffen haben.

Wagemut und Weitsicht

In den Freihandelszonen haben sich über 6000 internationale Unternehmen angesiedelt, 1990 waren es lediglich 300. Noch vor zehn Jahren war der Airport von Dubai ein Provinzflughafen, heute zählt er zu den größten der Welt. Und die Hotels, darunter Dutzende Fünf-Sterne-Herbergen, bejubeln Auslastungsquoten von über 90 Prozent.

Dubai platzt aus allen Nähten. Trotz ständig erweiterter Schnellstraßen und neuer Brücken über den Dubai Creek droht täglich der Verkehrsinfarkt. Mehr als 200.000 Pkw wurden im vergangenen Jahr neu zugelassen, über 300.000 Menschen zogen in die Golf-Metropole, die mittlerweile 1,4 Millionen Einwohner zählt. Die Stadt wächst so schnell, dass die Infrastruktur nicht mithalten kann.

Am besten und relativ preiswert kommt man mit dem Taxi voran. Wer Dubai nicht kennt, sollte sich nicht auf das Wagnis Mietwagen einlassen. Denn es gibt keine genauen Stadtpläne, und die Verkehrsführung ist teils so irreführend, dass Umwege an der Tagesordnung sind.

Trotz aller Wachstumsschmerzen und Baugruben versteht es das Scheichtum, sich genial zu vermarkten. Ob das schon fast legendäre Sieben-Sterne-Haus "Burj al-Arab" oder die spektakulären Einkaufsmeilen - mittlerweile bietet Dubai genügend Plätze, die zum Verweilen, Staunen oder Entspannen einladen.

Einer der schönsten Spazierwege führt für Steffen Schubert entlang dem Creek zum alten Hafen mit seinen vielen traditionellen Holzbooten, den Dhaus. In den engen Gässchen lässt es sich mit den Händlern vortrefflich feilschen, und der Gewürzmarkt betört mit seinen Farben und Aromen.

Am Creek hat man das alte und das neue Dubai im Blick. Entlang dem Wasser gibt es zahlreiche Restaurants, die mit arabischer und libanesischer Küche locken. Unweit der Golfmündung befindet sich auch das Heritage Village mit seinen alten Hütten und Souvenirgeschäften - die bescheidenen rekonstruierten Überreste des Fischerdorfes Dubai.

Weltoffen und liberal

Nicht minder reizvoll ist ein Strandspaziergang vom "Burj al-Arab" zur Palm Jumeirah, der künstlichen Inselgruppe in Form eines Palmwedels. Millionen Tonnen Sand wurden aufgeschüttet, um gigantische Wohn- und Geschäftskomplexe zu errichten. Mit einjähriger Verspätung sind die ersten Bewohner eingezogen, 2010 soll das Projekt fertiggestellt sein.

Zwischen Palme und Hotel erstreckt sich das im arabischen Stil errichtete Hotel-, Shopping- und Vergnügungszentrum Souk Madinat Jumeirah - eine wahre Oase mit künstlich angelegten Gewässern, zahlreichen Restaurants und Cafés sowie einem traumhaften Blick auf den Persischen Golf. "Die Architekten haben es verstanden, jede Form von Kitsch zu vermeiden", schwärmt Schubert.

Er liebt es, in einer der dynamischsten Städte der Welt zu leben. Schon wächst vor der Palme das neue Hochhausviertel Dubai Marina mit einem riesigen Jachthafen. Einige Kilometer westlich entsteht mit Dubai Waterfront die größte Kaianlage der Welt.

Die Stadt gibt sich weltoffen und liberal. Weniger als 10 Prozent Araber leben in Dubai. Nicht traditionelle weiße Gewänder und verschleierte Frauen dominieren das Stadtbild, sondern westliches Outfit. Dennoch ist Dubai ein islamisches Land unter feudalistischem Regime.

"Besucher sollten die geltenden Spielregeln einhalten", empfiehlt Schubert. Wer angetrunken über die Straße torkelt oder Auto fährt, wer während des Ramadan öffentlich raucht oder unbekleidet badet, bekommt es rasch mit der Obrigkeit zu tun.

Wie schnell Offenheit in Ablehnung umschlägt, bekam auch der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé zu spüren. Als in den arabischen Staaten die Empörung über die dänischen Mohammed-Karikaturen aufflammte, beeilte sich der Konzern zu verkünden, dass seine Milch weder in Dänemark hergestellt noch von dort importiert werde.

Schuberts Dubai-Tipps

Dubai-Tipps von Steffen Schubert

Dubai Creek: Ein gemütlicher Spaziergang entlang dem Meeresarm und zum Hafen vermittelt Eindrücke vom alten Dubai mit seinen vielen kleinen Läden und typisch arabischer Geschäftigkeit.

Besonders einladend sind die Gerüche im Gewürz-Souk an der Abra Station, in dem erstklassiger Safran und exotische Mischungen angeboten werden. Und die typischen Dhau-Boote laden zu einer idyllischen Fahrt über den Creek und einem Stopp im Golf & Yacht Club ein.

Heritage Village: An der Creek-Mündung gelegene Siedlung mit alten arabischen Hütten und Souvenirläden, die das bescheidene Leben des Beduinenvolkes vor dem Ölboom demonstrieren.

Souk Madinat Jumeirah: Im arabischen Stil gebaute Hotel- und Restaurantmeile vom Feinsten. Prachtvoll angelegte Wege, künstliche Seen und Flüsse laden zum Spazieren und Entspannen ein. Exzellente Restaurants und Bars verführen zu langen arabischen Nächten.

"Burj al-Arab": Ein Strandspaziergang entlang dem Jumeirah Beach bietet prachtvolle Aussichten auf das prominente Nobelhotel und die im Golf aufgeschütteten Siedlungen "The Palm" und "The World".

Tradition und Moderne: Steffen Schuberts Dubai

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